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Ausgabe:

1877

Spalte:

377-379

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fürst, Jul.

Titel/Untertitel:

Hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 3., verb. u. verm. Aufl., bearb. von Vict. Ryssel. 2 Bde 1877

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

NST 14. 7. Juli 1877. 2. Jahrgang.

Fürst, Hebräifches und chaldaifches Handwörterbuch
über das AlteTeftament, 3. Aufl."
(Baudiffin).

Giefebrecht, Die hebräifche Präpofition La-

med (Kautzfchi.
Flöckner, Zur Authentie und Integrität des

Mofesliedes (Kamphaufen).
Rofenzweig, Zur Einleitung in die Bücher

Efra und Nehemia (Kamphaufen).

Ludwig, Ein Blick in die römifchen Kata- Asmus, Die indogermanifche Religion in den
kombcn (Brockhaus). Hauptpunkten ihrer Entwicklung (Spiefs).

Naville, Julien l'Apostat (Harnack). 1 Müller, Predigten und Reden (Wächtler).

Krafft, Karlu.Wilh.,Briefeu.Documenteausder j ^J&J'jh. Textgemiifse Predig' " Entwürfe

Zeit der Reformation im 16. lahrh. (Brieger). I „ ,3 /'. ,. . , , .., ..

J Kelber, Matenaben zu Anfprachen über die
Druffel, Beiträge zur Reichsgefchichte 1546 ! heilige Feftgefchichte (Ders.).

bis 1551 (Pütt). I Meurer, Der Kirchenbau (Brockhaus).

Palmer, Die Gemeinfchaften und Secten Würt- ] Miffionsliteratur (Wurm).

tembergs (Kern). Preisermäfsigung.

Fürst, Dr. Jul, Hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch
über das Alte Testament. Mit einer Einleitung,
eine kurze Gefchichte der hebräifchen Lexikographie
enthaltend, einem deutfehen Index, fowie einem gram-
matifchen und analytifchen Anhange. 3. verb. und
verm. Aufl., bearb. von Dr. Vict. Ryffel. 2 Bde.
Leipzig 1876, B. Tauchnitz. (XLVHI, 806 u. 667 S.
Lex.-8.) M. 13. 50.

Der Herausgeber ift bei der Ausarbeitung diefer
dritten Auflage eingegangen auf ,den leichtbegreiflichen
und zugleich pietätvollen Wunfeh des Verlegers, dafs
die Methode des erft vor Kurzem verdorbenen Verfaflers
ungeändert bleibe und das Werk auch in Zukunft noch
das Gepräge feines Geiftes trage' (S II); demgemäfs
wurde auf eine durchgreifende Umgeftaltung der etymo-
logifchen Methode Fürft's verzichtet (S 1). Diefe Beschränkung
feiner Freiheit hat dem Herausgeber grofse
Selbft Verleugnung auferlegt; allgemein, auch von Dr.Ryffel,
anerkannter Weife ift gerade das etymologifche Verfahren
die fchwache Seite des Fürft'fchen Wörterbuches und
beruht auf fo falfchen Principien, dafs wir dafürhalten
müffen, die Weiterverbreitung der daraus entfliehenden
Irrthümer könne keinerlei Rechtstitel aufweifen. Eine
neue Auflage ift darum überhaupt als ein verfehltes Unternehmen
zu bezeichnen — um fo mehr als diefes
Lexikon in feiner handlichen Form fleh nicht allein an die
Gelehrten wendet, für welche jene Irrthümer hiftorifches
Intereffe haben, fondern jetzt von neuem in die Hände
der Lernenden gelangen wird, welche keine Mittel zur
Controle und Berichtigung zur Hand haben und von
welchen fogar die Wenigften fleh die auf den letzten
Seiten des zweiten Bandes angehängten Warnungen des
Herausgebers zu Herzen nehmen werden. Das aber
müffen wir dem Herausgeber zugeben, dafs wenn es fleh
einmal doch um eine neue Auflage handelte, mit Nach-
beffern in den Etymologieen nicht gedient war und der
einfache Wiederabdruck diefer Partieen beffer war als
undurchführbares Ausflicken. Berechtigt aber wäre allein
eine Neuverwerthung des bei Fürft reichhaltig zu findenden
exegetifchen und archäologifchen Materials mit voll-
ftändiger Neugeflaltung der fprachlichen Bemerkungen
gewefen, wobei dann freilich ein Werk hätte entfliehen
müffen, welches den Namen Fürft's nicht mehr hätte
tragen können. Sind wir recht unterrichtet, fo beruht
jener ,lcichtbegreifliche Wunfeh' des Verlegers darauf,
dafs das Wörterbuch flereotypirt war; was durch Aen-
derungen auf Stereotypplatten fleh beffern läfst, das
fcheint uns der Herausgeber vollkommen geleiftet zu
haben, und während feinem oder vielmehr dem buch-
händlerifchen Unternehmen Tadel zukommt, gebührt

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feiner eigenen Arbeit rückhaltlofe Anerkennung. Die
von Fürft benützten Hilfsmittel wurden neu verglichen
und Irrthümer in Citaten und Angaben berichtigt; die
neu erfchienenen Arbeiten auf dem Gebiete der femiti-
fchen Sprachforfchung, fowie neues archäologifches und
exegetifches Material (namentlich die Commentare von
Delitzfch) wurden berückflehtigt; dafs auch aus der
Affyriologie dasjenige aufgenommen ift, ,was nach dem
übereinftimmigen Urtheil der Hauptvertreter affyrifcher
Wiffenfchaft als verbürgt feftfteht' (S. V), halten wir in
einem Handwörterbuch für unftatthaft, da bei einer noch
fo jungen Wiffenfchaft jene Uebereinftimmung nicht die
genügende Garantie bietet (z. B. find s. v. n*iryd? die
fachlichen Bemerkungen II, 196 höchft unficher)'. Die
alten Ueberfetzungen wurden in den beften neuen Ausgaben
nachgefchen. Der deutfehe Index ift revidirt und
ergänzt.

Eine felbftändige Leiftung des Herausgebers ift die
F"ortführung der bei F'ürft mit dem Jahre 1000 n. Chr.
abgebrochenen Gefchichte der hebräifchen Lexikographie
(S. XXIX—XXXVI). Von fprachwiffenfehaftlichen
Leiftungen werden hier namentlich diejenigen Parchon's
und Dav. Kimchi's befprochen, dann die exegetifchen
Rafchi's, Ibn Esra's und David Kimchi's, worauf abge-
fchloffen wird mit fehr kurzen Angaben über die Arbeiten
chriftlicher Gelehrten für die hebräifche Lexikographie
von Buxtorf bis auf Fürft. — Zu der Behandlung
der früheren Periode diefes gefchichtlichcn Abriffes durch
Fürft hat der Herausgeber theils eigene, theils noch von
Fürft felbft zu der englifchen Ausgabe feines Wörterbuches
gelieferte dankenswerthe Nachträge beigefügt
(S. XXXVII—XLIII). — Weitergehende Zufätze und Berichtigungen
zum Lexikon felbft find zufammengeftellt
am Schluffe des zweiten Bandes S. 629—658. Der Herausgeber
zeigt fleh hier alsKenner nicht nur des Hebräifchen
, fondern der femitifchen Dialekte überhaupt, wie
er als folcher den Fachgenoflen fchon durch feine
Differtation über ,die Synonyma des Wahren und Guten'
(1872) bekannt war, und hat auch manches Sachliche
ergänzt. Auffallend ift, dafs Damascius (S. 635) und
Beroffus (S. 646) nicht nach irgendwelchen Ausgaben,
fondern nach den Anführungen bei Geo. Smith citirt
werden. — Seine Stellung zu den etymologifchen For-
fchungen Fürft's hat R. in einem ,Schlufswort' (II, 659
—667) bezeichnet. Er verwirft die unhaltbare,Vorfchlags-
theorie' oder genauer ,Präpofitional-Präfixtheorie' Fürft's,
will aber mit Recht die Wurzel nicht überall in den
beiden erften Stammbuchftaben erkennen, fondern giebt
die Bildung von Stämmen durch Vorfatz nicht nur der
fchwachen Laute, fondern auch der Laute a und p, möglicherweife
ferner der Sibilanten t, 0, 1» zu. Wir machen
! hier aufmerkfam auf eine an diefer Stelle leicht zu über-

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