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Ausgabe:

1877

Spalte:

349-350

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fraas, Osc.

Titel/Untertitel:

Drei Monate im Libanon. 2. Aufl 1877

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Seite 1

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zu deutlichem Ausdruck kommt, wäre vielleicht ein
neuer Gefichtspunkt für die vorwiegende Geltendmachung
der Bundesidee gerade bei Jer. und dem Deut. (vgl.
S. 12 Anm.) zu entnehmen. Bei dem Aufkommen der
Reflexion über das Verhältnifs Jahwe's zur Völkerwelt,
abgefehen von Ifrael, bedurfte es einer Erklärung feines
besonderen Verhältnifses zum Volke Ifrael, und diefe
konnte ebenfo gut gegeben werden durch die Annahme
eines nach Jahwe's Willen mit diefem Volke eingegangenen
Bundes, wie fie vom Deuteronomiker gegeben
wird mit der Erwählung Ifrael's aus der Menge der Völker
. Aber Verbindungslinien zwifchen der univerfalifti-
fchen Anfchauung und der Bundesidee finden fich allerdings
bei Jer. ausdrücklich niemals gezogen.

Die nichtjefajanifche Abkunft der Stelle Jef. 24, 5
hat der Verf. S. 11 mit unnöthiger Zaghaftigkeit aus-
gefprochen. Für n*i~N ,Nachkommenfchaft' S. 33 hätte
Pf. 37, 37 f. angeführt'werden können. S. 57 Z. 6 v. o.
ift zu c. XXXIII, 20 (1. 21) u. 26 hinzuzufügen v. 15.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Fraas. Prof. Dr. Ose, Drei Monate am Libanon. 2. Aufl.
Stuttgart 1876, Levy & Müller. (IV, 108 S. gr. 8.)
M. 2. -

Der Verf. folgte im April 1875 einer Einladung des
Gouverneurs über den Libanon, Ruftem Pafcha, um eine
geologifche Unterfuchung jener Provinz vorzunehmen
und fo zu entfeheiden, welche Hoffnungen auf nutzbare
Mineralien im Libanon zu fetzen feien. Die allgemeinen
Eindrücke von diefer Reife (9. April bis Ende Juni)
veröffentlichte der Verfaffer im Juni und Juli 1875 in der
Chronik des ,Schwäbifchen Merkurs' in der Eorm von
Reifebriefen. Er felbfl bezeichnet fie anfpruchslos als
,Plaudereien'; jedenfalls find es nicht müfsige Plaudereien,
fondern frifche Skizzen, die von guter Beobachtung zeugen
und vieles Belehrende bieten. Ganz befonders gilt
das Letztere von Abfchnitt Iv' (.Studien über den Libanon
nach der Reife'), der in der vorliegenden Brochüre
S. 54 ff. den früher erfchienenen Auffätzen beigefügt
wurde. Die Abfchnitte über die Phyfiognomie und Flora,
fowie über die geologifchen Verhältnifse des Libanon
bilden eine werthvolle Ergänzung zu den wichtigen
Auffchlüffen, die wir dem Verf. (,Aus dem Orient', Stuttgart
1867) über andere Theile des heiligen Landes verdanken
. Nicht minder dürften die Aufftcllungcn über
das Volk und die focialen Verhältnifse befonders diejenigen
intereffiren, welche den Libanon aus eigener, wenn
auch flüchtiger Anfchauung kennen gelernt haben. Mancherlei
werthvoUe Notizen find endlich in den 39 .Noten'
S. 85 ff. aufgefpeichert. Im Einzelnen heben wir hervor
den Abfchnitt über den Weinbau im Libanon (S. 26 ff.),
den über die 377 Cedern (S. 33 ff.) — der Verf. berechnet
das Alter der 5 gröfsten Exemplare nach den Jahresringen
auf 2—3000 Jahre — ferner den über die Mönche
des Libanon, denen der Verf. ein wenig günftiges Zeug-
nifs ausftellt, endlich die intcreffanten Bemerkungen über
die Seidenzucht S. 87 ff. — Für den Fall eines nochmaligen
Abdrucks würden wir nur eine Revifion der
hier und da eingeflochtenen arabifchen Ausdrücke empfehlen
; bei der Wiedergabe nach dem blofsen Gehör
ift der Abendländer zu leicht Täufchungen unterworfen.
So wäre S. 7, Z. 6 riglak und jeminak zu fchreiben (dein
Fufs! deine rechte Hand!), S. 21, Z. 18 ketir ftatt kebir;
S. 33 ah: die Bekaa; S. 72, Z. 10 ne/iärak, ferner Kai-
viakäm S. 91 al.) und Mirjam (S. 90 ah). — Barada i
(S. 97, Z. 18) ift der Beiname des Mönches Jakob und
bedeutet eigentlich den Mann ,im groben härenen Gewand
'. Doch es wäre fträfliche Pedanterie, mit dem gelehrten
Geologen über Details der Kirchengefchh hte zu
rechten. Wir laffen daher die theologifchen Notizen in
Note 28 bei Seite und fprechen nur darüber noch unfer

Bedauern aus, dafs fleh der Verf. von einer Landung
auf Rhodus hat abhalten laffen. Ref. wenigftens hat die
geäufserten Bedenken im April 1876 ganz ungegründet
gefunden; die Landung wurde damals auch von Damen
ohne alle Behelligung unternommen und lohnte fleh
reichlich unter der artigen Führung eines Einheimifchcn.

Bafel. E. Kautzfeh.

Wood, J. T., Discoveries at Ephesus, including the Site
and Romains of the Great Temple of Diana. With
numerous illustrations from original drawings and
photographs. London 1877, Longmans Green & Co.
(XX, 285, 4, 42, 20, 12, 10, 74, 20, 44 S. 4)

Im Jahre 1863 begann der Engländer Wood im
Auftrage des Britifchen Mufeums Ausgrabungen in Ephe-
fus zu veranftalten, als deren Hauptzweck er von vornherein
die Aufdockung des berühmten Diana-Tempels
ins Auge gefa'st hatte, von deffen Exiftenz auf der Erdoberfläche
nirgends mehr eine Spur zu fehen war. Zu-
nächfl wurden jedoch Arbeiten in Angriff genommen, die
einen fleheren Erfolg verfprachen: Ausgrabungen im
Odeon und im grofsen Theater. Erft im Jahre 1867 erhielt
er von den Curatoren des Britifchen Mufeums die
Erlaubnifs, einen Theil feiner Mittel auf Nachforfchungen
nach dem Dianatempel zu verwenden. Die Arbeiten
blieben aber längere Zeit erfolglos, und die Curatoren
hatten bereits die Hoffnung faft aufgegeben, als es Wood
im Jahre 1869 glückte, die erften fleheren Spuren zu entdecken
. Nun wurden die Nachforfchungen mit grofser
Energie und mit reichen Mitteln fortgesetzt und nicht
eher wieder eingeftellt, als bis man im April 1874 die
Aufgabe als gelöft anfehen konnte: Der Platz des Tempels
war bis ,auf beträchtliche Eintfernung aufserhalb der
unterflen Stufe der Plattform, auf welcher fleh einft der
Tempel erhoben hatte' blofsgelegt. Die Korten des
ganzen Unternehmens beliefen fleh auf 16,000 Pf. Dafür
hatte man aber aufser den werthvollen topographifchen
Entdeckungen auch eine reiche Ausbeute an Infchriften
und Sculpturreftcn aller Art gewonnen.

Die Refultate von Wood's Entdeckungen find in
Deutfchland theilweife fchon durch Ernrt Curtius bekannt
gemacht und verwerthet worden (Beiträge zur Ge-
fchichte und Topographie Klein-Afiens, in den Abhandlungen
der Berliner Akademie 1872, phil.-hift. Claffe
S. 1—95; vgl. auch: E. Curtius, Ephefos, ein.Vortrag,
1874; Zimmermann, Ephefus im errten chrirtlichen
Jahrhundert, 1874).

In dem obengenannten Werke berichtet nun der
: Entdecker felbfl mit grofser Ausführlichkeit über die
| Gefchichte feiner Forfchungen und Entdeckungen. Der
Text des Buches berteht faft ausfchliefslich aus diefer
ETzählung über den allmählichen E"ortgang feiner Arbeiten
, während die Refultate am Schlufs nur ganz kurz
zufammengefafst werden. In den Text aber ift, mit
englifchem Luxus, eine grofse P"ülle von Abbildungen
! der aufgefundenen Sculpturrefte, von Anflehten der Fund-
! Hätten, von Situationsplänen und Reconftructionsver-
fuchen (z. B. ein Plan von Ephefus, ein Plan des üdcons,
des grofsen Theaters, des grofsen Dianatempels u. f. w.)
j eingefchaltet. Endlich find als Appendix die aufgefundenen
Infchriften, nach den Eundftätten geordnet, ihrem
Wortlaute nach mitgetheilt — eine reiche Fundgrube für
i die Localgefchichte von Ephefus, befonders für die Ge-
' fchichte feiner Culte und feiner ftädtifchen Verfaffung.

Leipzig. E. Schürer.

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