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Ausgabe:

1877

Spalte:

338-340

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Appuhn, A. W.

Titel/Untertitel:

Entwürfe zu Predigten an den Festen und in den Festzeiten 1877

Rezensent:

Fay, Friedrich Rudolf

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337 Theologifche Literaturzeitung. 1877. No. 12. 338

len gab Dr. W. Schulz in Schwerin Erlangen 1876,
Deichert. IV, 96 S. 8. M. Ii 20). Er will, wie er im Vorwort
fagt, bei aller Kürze das wefentlich Nothwendige
bieten, durchweg auf dem Grunde der Schrift und des
Bekenntnifses ruhen und die Glaubenslehren in fyftema-
tifch geordneter Weife geben. Im Wefentlichen hat er
(ich auf Mittheilung von Begriffsbeftimmungen befchränkt,
und dies läfst die Darftellung nicht befonders anziehend
werden. Dabei ilt was fonft die ,Einleitung' zu erörtern
pflegt möglichft kurz behandelt worden. Die biblifchen
Beweisftellen aber find mit Recht nicht nur citirt, fondern
ihrem Wortlaut nach auch mitgethcilt; unter ihnen
freilich S. 19 Pfalrrt 33, 6 als Beweisftelle für die Drei-
heit der Perfonen in dem einen göttlichen Wefen, S. 38
Coi 2, 15 als Beweisftelle für die .Höllenfahrt' u. A.
Ein .Anhang' fügt noch die drei ökumenifchen Bekcnnt-
nifse und (deutfch und lateinifch) die Augsburg'fche Con-
feffion bei. Bei Erklärung diefer letzteren würde die
Schrift vom Pfarrer Lic. R. Neffelmann, die Augsburg
'fche Confeffion, Dienfie leiften (Eisleben 1876,
Chrifti. Verein. IV, 206 S. 8. geb. M. — 90). Doch ift fie
nicht blofs für die Schule, fondern für das evangelifche
Volk überhaupt gefchrieben. Früher fchon in der .evangel.
Volks-Kirchcnzeitung'abgedruckt, fucht fie den Inhalt des
Bekenntnifses zu den Bewegungen der Gegenwart in enge
Beziehung zu fetzen. — Wie fehr fpeciell der kirchenhifto-
rifcheUnterricht auf höheren Schulen beachtet wird, bewei-
fen drei Lehrbücher, welche in rafcher Polge neuerdings
erfchienen find. Wir meinen zunächft G. R. Haufchild's
Grundzüge einer Kirchengefchichte in entwickelnder
Darftellung für höhere Lehranftalten (Leipzig 1876,
Zungenberg &rlimly. VII, in S. 8. M. I. 60), zur deren
Beurtheilung die Recenfion im .Literar. Centralblatt'
1876 Nr. 18 verglichen zu werden verdient. Die erfte
Hälfte, welche bis jetzt vorliegt, umfafst die alte Kirchengefchichte
(bis Jahr 800). Doch legt der Verf. Gewicht
darauf, dafs er auch die Vorgefchichte der chriftlichen
Kirche in den Umkreis der Betrachtung gezogen und
hier zwifchen Leben und Lehre Jefu (dem Chriftenthum
Chrifti) fcharf unterfchieden hat. Nächft ihm gab Prof.
Eerd. Bäfsler in Pforta einen Abrifs der Kirchengefchichte
für evangel. Gymnafien (Berlin 1876, v.
Decker. VII, 95 S gr. 8. M. 1. 50), welcher anhangsweife
auch zwölf lateinifche Hymnen, die Confessio Augustana
(lat.) und eine Zeittafel enthält. Wir find nicht der
Meinung, dafs folch' ein ,Abrifs' wie das Excerpt eines
akademifchen Lehrbuchs geartet fein und den Schüler
mit Memorirfloff überbürden darf. Aber in manchen
Partien ift uns doch B.'s Schrift als zu wenig gehaltvoll
erfchienen. Befonders mager ift die Behandlung des
18. und 19. Jahrhunderts ausgefallen; und doch kann
die kirchliche Gegenwart ohne genaueren Einblick in die
neueren Kirchengefchichte nicht richtig beurtheilt werden.
Die dritte Schrift verwandten Inhalts hat vom anderen
Extrem fich nicht völlig fern gehalten: Grundrifs der
Kirchengefchichte für höhere Lehranftalten von
Dr. Theod. Löhlein (Karlsruhe 1877, Braun. VIII,
89 S. 8. M. — 50). Er regiftrirt nicht blofs S. 40 f. die
Schulen der Scholaftiker, S. 65 f. die Lehrftreitigkeiten
innerhalb der lutherifchen Kirche des 16. Jahrhunderts,
fondern ordnet S. 70 f. die .Vertreter der neueren Theologie
', je nachdem fie fich an Schleiermacher reihen oder
dem hiftorifch-kritifchen, vulgären, philofophifch-äfthe-
tifchen, fpeculativen Rationalismus huldigen oder der
kritifchen Richtung oder endlich der ftreng lutherifchen
Schule zugehörig find; ja felbft die Namen der bedeu-
tendften Kirchenhiftorikcr werden S. 2 den Schulern
nicht vorenthalten. Wir meinen, dies Alles gehört nicht
auf höhere Lehranftalten. Doch verkennen wir nicht,
dafs die Darfteilung des Verf.'s knapp und lichtvoll ift.
Die Geographie von Paläftina hat Dompred. Dr.
R. Schramm in Bremen bearbeitet (Bremen 1876, Hein-
fius. IV, 85 S. 8. M. — 80; mit Karte M. 1. 25) und

I dabei den Religionsunterricht vor Seminariften und Kate-
chumenen im Auge gehabt. Wiffenfchaftliche Forfchungen
der neueren Zeit möchte er der Schule und Gemeinde
zugänglich machen und hat auch neun Anflehten von
Paläftina beigegeben. Dazu ift's ihm nöthig erfchienen
zu conftatiren, dafs er die Ausprägung eines befonderen
theologifchen Standpunktes gänzlich zu vermeiden be-
ftrebt geweftn ift.

Leipzig. Wold. Schmidt.

1. Caspers, Kirchenpropft Hauptpaft. A., Praktische Auslegung
der Sonn- und Festtags-Episteln des Kirchenjahrs.

Bredftedt 1875, Chriftliche Buchh. (906 S. gr. 8.
M. 5. -; geb. M. 6. —

2. Fuchs, Oberpfr. Carl Rob., Schriftgemässe Predigtentwürfe
über die epistolischen Pericopen des chriftlichen
Kirchenjahres. 2. umgearb. Aufl. Halle 1877, Mühl-
mann. (710 S. gr. 8.) M. 9. 60.

3. Fuchs, Oberpfr. Carl Rob., Schriftgemässe Predigtentwürfe
über freie Texte für die Feftzeiten und die wich-
tigften Abfchnitte des Kirchenjahres, mit Benutzung
der vorzüglichften Kanzelredner. Halle 1877, Mühlmann
. (258 S. gr. 8.1 M. 5. 60.

4. Appuhn, Confift.-R. Dompred. A. W., Entwürfe zu
Predigten an den Festen und in den Festzeiten. Magdeburg
1876, Heinrichshofen. (V, 226 S. gr. 8.) M. 3. 50.

Die vorliegenden Schriften gehören in die Kategorie
homiletifcher Hülfsbücher. Zwifchen den ftreng wiflen-
fchaftlichen Commentaren auf der einen und den Predigtwerken
auf der anderen Seite nehmen fie eine mittlere
Stellung ein und zwar in der Weife, dafs Nr. 1 mehr
P uhlung nach dem Gebiete der Exegefe hin hat, während
Nr. 2—4 fich mehr demjenigen der Predigt felbft annähern
.

Was zunächft Nr. 1 anbelangt, fo erinnert das tüchtig
gearbeitete Buch an H. L. Heubner's praktifche
Auslegung des Neuen Teftaments, ift jedoch in dogma-
tifcher Beziehung nicht fo unbefangen, wie Heubner.
Es nimmt einen ftreng confeffionellen, orthodox-lutheri-
fchen Standpunkt ein. Anfchauungen, wie fie zur Epiftel
des 2. Weihnachtstages (Tit. 3, 4—7) über die h. Taufe,
zur Palmfonntagsepiftel (Phil. 2, 5 —11) über die y.Aaxug,
zur Gründonnerstagscpiftel (1 Kor. II, 23- -32; über das
h. Abendmahl vorgetragen werden, vermögen wir uns
nicht anzueignen. Denn das heifst dem Text Gewalt
anthun, wenn ,Er entäufserte fich felbft' erklärt wird
durch: ,Er theilte feiner menfehlichen Natur die göttlichen
Eigenfchaften feiner göttlichen Natur nur allmählich
mit, fo dafs er wuchs und zunahm an Alter, Weisheit
und Gnade bei Gott und den Menfchcn Luc. 2, 40 u. 52'
(S. 328;. Von einer folchen communicatio idiomatwn weifs
Paulus gar nichts. Auch möchten wir fehr bezweifeln,
ob dem Apoftel, als er 1 Kor. 11, 25 die Worte des
Plerrn niederfchrieb: ,Solches thut zu meinem Gedächt-
nifs!' ein Gedanke vorgefchwebt hat, wie diefer: ,Alfo
nicht fie follten fich erinnern, fondern der „in, mit und
unter dem Brode" vorhandene Leib Chrifti, das „in,
mit und unter dem Wein" vorhandene Blut Chrifti follte
fie erinnern. Die erinnernde Kraft liegt alfo nicht in
der Andacht der Abendmahlsgenoffen, fondern in dem
Abendmahlsbrod und Abendmahlswein' (S. 343).
Was heifst das anders, als Brod und Wein wirken beim
Genuffe des h. Abendmahls vollftändig magifch auf die
Communicanten ein, die in Folge diefer Einwirkung fich
auch dann an den Verföhnungstod Chrifti erinnern, wenn
fie gar nicht andächtig find! Das find doch höchft bedenkliche
Uebertreibungen der lutherifchen Auffaffung
des Abendmahls. Dafs in der Epiftel des 2. Weihnachts-