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Ausgabe:

1877 Nr. 11

Spalte:

289-292

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hergenröther, Joseph

Titel/Untertitel:

Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte. 1. Bd 1877

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 11.

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Mit Dank ift noch die grofse Correctheit des Drucks
unferer Ausgaben anzuerkennen. In der Gebhardt-Har-
nack'fchen ift dem Ref. nur aufgefallen Sei für äti p. 76, 1
und Mart. für Tert. p. 18. Anm. 2. Unklar ift ihm wie
es mit dem re xcu' p. SO, 20 fteht, wo nach Hilgcnfeld
P- 37> 3 C nur xa* ^u haben fcheint. Bei Hilgenfeld ift
p. 22, 9 £jrt tov fffi ftatt inl z%, p. 29, 13 Ini xovg
(pußoi^itvocg ftatt Ini rpoß., p. 51, 8 ißttg ftatt vpäg zu
lefen und find p. 71, 17 nach /.in die Worte itctQiixovetv
eik-iv tüv tvTolcov y.al piij ausgefallen. Auch fehlt p. 53, 5
das Zeichen ' zum Abfchlufs des Citats. Noch möge
anzumerken nicht unterlaffen werden, dafs Hilgenfeld
dem Text der Clemensbriefe wie fchon früher das Fragment
der feiner Meinung nach darin benutzten Assiunptio
Mösts, doch in vielfach verbefferter Geftalt und mit einigen
Zufätzen im Commentar bereichert, angehängt hat.

Bafel. Franz Overbeck.

Hergenröther. Prof. Dr. J., Handbuch der allgemeinen
Kirchengeschichte. 1. Bd. in 2 Abtheilungen. [Theologifche
Bibliothek 8. u. 10. Bd.] Freiburg i'Br. 1876,
Herder. (VIII, 1007 S. gr. 8.) M. 12. —
Die Herdcr'fche Verlagshandlung zu Freiburg i. Br-
hat fich die Aufgabe geftellt, eine Reihe von Lehrbüchern
zu veröffentlichen, die unter dem gemeinfehaft-
lichen Titel einer ,Theologifchen Bibliothek' das
gefammte Gebiet der katholifchen Theologie umfaffen
follen. Diefe Lehrbücher follen eine ,kurzgefafste, im
Ausdruck möglichft beftimmt und durchfichtig gehaltene
Ueberficht alles deffen geben, was fich als dauerndes
Ergebnifs langjähriger wiffenfehaftlicher Arbeit bewährt,
in einer Form, welche den zu eigener wiffenfehaftlichen
Thätigkeit Berufenen zu weiterer Forfchung anregt, und
dem nach pofitiven Auffchlüffen Verlangenden die Müh-
feligkeit weitläufiger Einzelforfchung erfpart'. Kleriker
wie gebildete Laien will man fo befähigen, zu den
Fragen und Kämpfen der Zeit auf fefter wiffenfehaftlicher
Grundlage klare und bewufste Stellung zu nehmen.
Von diefer theologifchen Bibliothek, jn der, als auch für
Laien beftimmt, ,der gelehrte Apparat auf das Aller-
nothwendigfte befchränkt, ganz befonders aber auf
Klarheit, Correctheit und Vollendung des Ausdrucks
Bedacht genommen werden Poll', ift bisher erfchienen:
Dr. J. Kaulen, Einleitung in das alte und neue Iefta-
ment, Thl. I; Dr. J. AI zog, Handbuch der Patrologie;
Dr. M. J. Sehe eben, Handb. d. kathol. Dogmatik,
Thl. Ii Dr. J. E. Pruner, Lehrbuch der kath. Moraltheologie
, Thl. I; Dr. J. H. Vering, Lehrbuch d. kath.
u. proteft. Kirchenrechts. Hieran fchliefst fich das
Handbuch der allgemeinen Kirchengefchichte von Prof.
Dr. J. Hergenröther in Würzburg. Der vorliegende
erfte Band führt die Kirchengefchichte bis zum Tode
des Papftes Bonifacius VIII, der zweite foll das Ucbrige
bringen und in einem Supplementbande will der Verf.,
nachdem die beiden erften Bände ohne jegliche Anmerkung
geblieben find, ,die berückfichtigenswerthen
Werke und die zu weiterer Erudition dienenden Beigaben
' folgen laffen. Zugleich beabfichtigt er diefen
Anhang fo anzulegen, dafs derfelbe mit allmählich eintretender
Erweiterung einen ,Anfang zur Gefchichte der
kirchlichen Hiftoriographie nicht blofs im Grofsen und
Ganzen, fondern auch in allen wichtigen Einzelfragen
bilden' könne. Das giebt für die Zukunft eine ganz
erfreuliche Ausficht, aber für den Augenblick hat es
das Unbequeme, dafs man nun dem Verf. bei feinen
Behauptungen und Urlheilen nicht im Einzelnen prüfend
nachgehen und von ihm fich über feine Gründe Auskunft
geben laffen kann. Und doch fagt er fo unendlich
Vieles, auf deffen genügende Begründung man recht
begierig wäre.

In der Gliederung des Stoffes zeigt der Verf. keine
Befonderhcit; die alte Zeit rechnet er wie Alzog bis

zur Trullanifchen Synode 692, das Mittelalter bis zum
Ende des 15. Jahrhunderts. Bei Beginn des Mittelalters
greift er wieder zurück auf die Anfänge der Kirche
unter den Germanen, und behandelt den erften Theil
der Miffionsgefchichte Deutfchlands erft in diefem Zu-
fammenhang, was fich als dem leichteren Uebcrblicke
förderlich vertheidigen läfst. Für die Scheidung von
Mittelalter und Neuzeit macht er die Bemerkung (S. 11),
es laffe fich darüber Breiten, ob nicht die Entdeckung
Amerikas, weil es fich nicht um Deutfche, fondern um
allgemeine Kirchengefchichte handle, hier bedeutender
fei als das Anfchlagen der Thefen Luther's am 31. Oc-
tober 1517. Als ob die Reformation blofs auf Deutfchlands
Gefchichte eingewirkt hätte! Wie wenig die fonft
fo wichtige Entdeckung Amerikas für die Gefchichte
der Kirche eine entfeheidende Wendung herbeigeführt
hat, fieht man doch deutlich genug an dem Lande, von
dem die Entdecker ausgingen. Alles Verfuche, die
einfehneidende Bedeutung der Reformation abzu-
fchwächen! Aber vergebliche Verfuche! Sie hat einmal
eine neue Zeit heraufgeführt.

Die Stoffmaffe, die mitgetheilt wird, ift wirklich eine
fehr bedeutende; es zeigt fich wieder die auch fonft
bekannte grofse Gelehrfamkeit des Verf. Nicht nur
die allgemeine Kirchengefchichte wird eingehend be-

Srochen, fondern es wird noch aufserdem an geeigneten
rten ein Ueberblick über die Hauptpunkte der kirchlichen
Entwicklung in den einzelnen Ländern gegeben,
z. B. S. 861 ff. Befonders vollftändig ift auch die
Miffionsgefchichte behandelt, doch fehlt es dabei hie
und da an Genauigkeit. So wird z. B. S. 916 dem per-
fönlichen Auftreten Otto's von Bamberg wohl zu viel
zugefchrieben und nicht genug hervorgehoben, dafs zu
der fo fchnellen Bekehrung Pommerns die Furcht vor
dem Polenherzog zunächft das Meifte beitrug. Wenn
es S. 918 heifst, dafs Vicelin im Wendenlande viele
Fortfehritte gemacht habe, fo ift das nicht richtig.
Gerade Vicelin hatte trotz aller Treue und zähen Ausdauer
fich keiner fonderlichen Erfolge zu erfreuen. Man
kann bei ihm kaum von Fortfehritten, gefchweige denn
von vielen, reden. — Da die ,theologifche Bibliothek'
auch eine Dogmen- und Literärgefchichte fowie eine
Archäologie enthalten foll, fo erklärt der Verf., hierüber
nur foviel geben zu wollen, als für eine allgemeine
Kirchengefchichte nothwendig fei. Aber darum darf
man nicht glauben, dafs das vorliegende Handbuch
diefe Gegenftände vernachläffige. Befonders die Lehr-
gefchichte ift fo ausführlich gegeben, dafs eben deshalb
die dürftige Behandlung der Waldenfer S. 927 doppelt
verwundern mufs. Das S. 928 über die Stedinger Gefügte
ift ganz falfch. Der Verf. wiederholt die thörichten
Anfchuldigungen, die ihnen in alter Zeit gemacht wurden
. Mit der gröfsten Breite und mit befondercr Vorliebe
ift die Gefchichte des Papftthumcs behandelt; fie
fteht im Mittelpunkte des Ganzen; fie ift es, um welche
nach dem Verf. eigentlich die ganze Gefchichte fich
dreht. Und das Alles ift nun in klarer Ueberficht und
einfacher, aber lebendiger Darftellung gegeben, fo dafs
das Werk fich gut lieft. Kurz man darf fagen, dafs
von römifch - katholifchem Standpunkt aus betrachtet
diefe Kirchengefchichte die befte der bis jetzt von jenem
Standpunkte aus bearbeiteten zu werden verfpricht. Sie
übertrifft die Werke von Alzog und Kraus entfehieden.
Aber jener Standpunkt, der römifch-katholifche, ift ein
derartiger, dafs genau genommen fich von ihm aus die
Gefchichte gar nicht bearbeiten läfst. Wo er die volle
Hcrrfchaft gewinnt, da kommt es zu keiner Gefchichts-
darftellung, fondern da erwächft mehr oder weniger eine
Karikatur. Wer ftreng römifch-katholifch bleiben will,
der kann der einfachen gefchichtlichen Wahrheit nicht
unbefangen ins Geficht fchauen, jedenfalls darf er fie
nicht auf fich wirken laffen, ja er fteht durch den Ein-
flufs jenes Standpunktes in Gefahr, das Senforium für