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Ausgabe:

1877 Nr. 11

Spalte:

284-289

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Clementis Romani epistulae. Edidit, commentario critico et adnotationibus instruxit

Titel/Untertitel:

Mosis assumptionis quae supersunt collecta et illustrata addidit, omnia emendata iterum edidit Adolphus Hilgenfeld 1877

Rezensent:

Overbeck, Franz

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. II.

284

hervor — die Arbeit von der Berten einem (an wiffen-
fchaftlichem Sinn wie nicht minder an religiös-fittlichem
Ernfte) unter Denen, welche im Namen der römifchen
Kirche Exegefe lehren.

Dem Herausgeber find unverhältnifsmäfsig viele
Druckfehler in den wenigen eingertreuten hebräifchen
Wörtern wie in den griechifchen Accenten vorzuwerfen.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

geboten. Gerade hier bekundet fich nicht feiten ein
fcharfer Blick, der nach D. Beck's Weife auch das zu-
nächft Verborgene richtig zu erfaffen verrteht.

Leipzig. Wold. Schmidt.

t. Clementis Romani epistulae. Edidit, commentiirio critico

et adnotationibus instruxit, Mosis assumptionis quae

supersunt collecta et illustrata addidit, omnia emendata

iterum edidit Adolphus Hilgenfeld. Leipzig 1876,
Lindenmeyer, Jul., Geschichte Jesu nach der hei igen T „ ,,, . . ,VT TV cs 0, /
o 1. -u u ,ft , t. o - * t.' 1 T. O. Weige . XLIX, 135 S. gr. 8.) M. 6. 40.

Schrift. 2 Hälften. Gütersloh 1875 u. 76, Berteis- ' 5 ;

mann. (VII, 198 u. IV, 260 S. gr. 8.) ä M. 3. — I 2- Patrum apostolicorum opera. Textum ad fidem codicum

et graecorum et latinorum adhibitis praestantissimis
Ueber vorliegendes Werk können wir kürzer refe- | editionibus rccensuerunt, commentario exegetico et
nren, als die Ausdehnung desfelben zunachft erwarten

läfst. L. ift an die Abfaffung feiner ,Gefchichte Jefu' hustonco filustraverunt, apparatu critico, yersione
mit der Vorausfetzung gegangen, dafs unfere Evangelien latina passim correcta, prolegomenis, indicibus m-
weder vom Standpunkte der alten Infpirationslehre noch struxerunt Oscar de Gebhardt, Adolfus Harnack,

auch als Werke von Chroniften fondern als Geiftes
erzeugnifse im höchften Sinne zu betrachten find; dafs
ferner die Erklärung des Uebernatürlichen, von dem fie
berichten, fich rein unter Anwendung der biblifchen Begriffe
und Anfchauungen, in der Gewifsheit des ,Inne-
feins Gottes in der Welt' zu vollziehen hat; dafs endlich
nur eine biblifche Pfychologie zum guten Ziele
führt, welche einerfeits dem Göttlichen in Jefu feine
richtige Stellung beläfst, andererfeits eine wirklich
menfchliche Entwickelung Jefu ermöglicht. Tragen diefe
Principien, in kurzer Vorrede entwickelt, jedenfalls nicht
den Vorzug wiffenfchaftlicher Bertimmtheit an fich, fo
reizt der Verf. zu ausdrücklichem Widerfpruch, wenn
er vornehm die ,moderne Gefchichtsmacherei' tadelt,
die fich durch Annahme von Urfchriften und fpäteren
Ueberarbeitungen das Spiel erleichtere. Ohne Zweifel

Theodorus Zahn. Editio post Dresselianam alteram
tertia. Fascic. 1. pars 1.

A. u. d. T.: Clementis Romani ad Corinthios quae
dicuntur epistulae. Textum ad fidem codicum et Alexandrini
et Constantinopolitani nuper inventi rccensuerunt
et filustraverunt Oscar de Gebhardt, Adolfus Harnack
. Editio altera. Lipsiae 1876, Hinrichs. (LXXVI,
159 S. gr. 8.) M. 4. 50.

Von diefen zwei neuen Ausgaben der Clemens-
Briefe durfte Referent die eine fchon in feiner Anzeige
des erften Heftes der trefflichen Umarbeitung von Drcffel's
Patres apostolici den Lefern diefer Zeitfchrift ankündigen.
Vom unverdroffenen Eifer des Herausgebers des Novitui
Testarrientum extra canonem reccptum wird eine baldigrte

gehört die Entdeckung einer alten Evangelienfchrift zu Verwerthung des koftbaren Fundes des Metropoliten
den gefichertften Refultaten der neueren, auch pofitiven Bryennius allgemein erwartet worden fein. Unverhofft
Schriftkritik, und diefer Urfchrift in unferen erften ka- rafch immerhin lagen diefe neuen Ausgaben vor, zumal
nonifchen Evangelien nachzufpüren, braucht nicht noth- | vom bewährten Fleifse der Herausgeber nur Arbeiten
wendig zu einem ,gemachten Chrirtus', nicht nothwendig i der gründlichften Art fich erwarten liefsen. Sofern auch
zur ,Verwirrung' zu führen. Der Verfaffer unterläfst es ' diefe Erwartung nun in der That nicht getrogen hat,

freilich, auf die Quellenfrage einzugehen. Er beginnt
mit einer ,Einleitung' (S. 1—11), welche die Lage der
Welt zur Zeit der Erfcheinung Chrirti zu fchildern unternimmt
, und mit einem erften Capitel ,Gott geoffenbart
im Fleifch', nach einer Anmerkung in der Vorrede (S. IV)
fich für fpäter vorbehaltend, über das Verhältnis der
Evangelien zu einander fich auszufprechen. So mufs
fein ganzes Werk als vaxtQOv ttqötsqoi' gelten: hat doch,
wer Gefchichte erzählt, feinen Lefern zuvor einen Einblick
in die Quellen diefer Gefchichte zu eröffnen. Wen
L. als Lefer feines Buches gedacht hat, haben wir uns

haben fich die Herausgeber auf Dank um fo gröfseren
Anfpruch erworben. Hat doch die Gebhardt-Harnack'-
fcheAusgabe während des kurzen Zeitraums, der zwifchen
ihrer erften und ihrer gegenv/ärtigen Geftaltung liegt, es
fertig gebracht, fich nicht nur den Ertrag des neuen
conftantinopolitanifchen Textes in aller nur zu wünfehen-
den Vollftändigkeit einzuverleiben, fondern auch noch
durch einzelne fonftige Nachträge in den Prolegomenen
(vcrgl. z. B. die genaueren Angaben über den Alexan-
drinus p.VIII ff.) und felbft im Commentar ihre Benutzer
zu verpflichten. Es mag freilich diefe Fülle von Clemens-

ernftlich gefragt, aber keine befriedigende Antwort ge- j texten, mit welchen wir neuerdings befcheert worden find,
funden. Unferes Erachtens bietet er für Theologen I etwas unverhältnifsmäfsig vorkommen, in unferem Falle

entfehieden zu wenig und für Nichttheologen in mancher
Hinficht zu viel. Denn der gelehrte Apparat befteht im
Wefentlichen nur aus einigen Verweifungen auf Jofephus
und Eufebius, aus der Anführung befonders wichtiger

wird man fich dies Luxuriren der Betriebfamkeit der
Gelehrten um fo eher gefallen laffen, als es fich um zwei
Arbeiten handelt, welche, bei aller Ebenbürtigkeit im
Fleifse und in der Sachkcnntnifs, in ihren kritifchen

Worte des Urtextes und — wenn dies hierher zu rechnen ! Grundfätzen charakteriftifch und lehrreich auseinandei
ift — aus fehr häufigen Beziehungen auf Beck's ,chrift
liehe Reden'. Von den letzteren abgefehen, dürfte fchon

dies für Nichttheologen eine unnöthige Beigabe fein. Da-

gehen.

Zu den nunmehr zwei Handfchriften, welche uns den
Text der fogenannten Briefe des Clemens von Rom über-

gegen hatte fich L. — gleichviel ob er für diefe oder liefern, dem alten Alexandrinus(A) und dem neuenConftan
jene fchrieb — nicht blofs der Evangelienfrage zuzu- tinopolitanus (C), verhalten fich nämlich die zwei vorwenden
, fondern auch die innere Bedeutung der einzel- liegenden Ausgaben entgegengefetzt. Die Schätzung
nen Facta zu gröfserer Klarheit zu erheben. Oft be- j diefer Handfchriften, welche bei der Herftellung der
gnügt er fich mit einer Reproduction der evangelifchen j Gebhardt-Harnack'fchen Texte mafsgebend gewefen ift,
Gefchichte, und was er daneben z. B. I. S. 85 f. über , ift aus dem Harnack'fchen Bericht in diefer Zeitfchrift
das Wunder in Kana oder I. S. 160 f. über das Wan- ; (1876 Nr. 4) deren Lefern fchon bekannt. Hiernach ift
dein Jefu auf dem See bemerkt, dürfte kaum ausreichend ; von Gebhardt dem Text A, ungeachtet der ungleich
fein, tiefere Erkenntnifs Anftrebenden Handreichung zu geringeren Sorgfalt des Schreibers, zu Grunde gelegt
thun. Mehr hat der Verfaffer für eine verftändnifsvolle , worden, während Hilgenfeld feinem Text umgekehrt C
Betrachtung der Reden, befonders Gleichnifsreden Jefu zu Grunde gelegt hat. Hieraus haben fich für den erften