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Ausgabe:

1877 Nr. 10

Spalte:

275-276

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rabus, Leonhard

Titel/Untertitel:

Philosophie und Theologie 1877

Rezensent:

Kaftan, Julius

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 10.

276

Rabus, Prof. Dr. Leonh., Philosophie und Theologie. ; haupt ift, fo läfst fich für jetzt nichts anderes darunter

Erlangen 1876, Deichert. (69 S. gr. 8.) M. 1.20.

In diefer Schrift wird eine Frage verhandelt, welche
die Geifter immer wieder befchäftigt, auf die jede Zeit
eine Antwort in ihrem Sinn zu geben verfucht. Es ift
die alte Frage, wie fich Glaube und Wiffen, Religion und
theoretifche Weltkenntnifs zu einander verhalten. Der
Verfaffer will einen Beitrag geben zur Löfung derfelben
für unfere Zeit. Nachdem ein erfter Abfchnitt die Auf-

verftehn, als das fichtbare refp. hörbare Wort der Bibel.
Nämlich der Analogie mit dem übrigen Erkennen zu
Liebe wird dies finnliche Moment auch im theologifchen
Erkenntnifsprocefs befonders hervorgehoben. Das ift
dann jedenfalls eine äufserft gründliche Befchreibung
desfelben.

Aber von der Sache genug. Die Sprache ift ge-
fchraubt und zum Theil allzu blühend. Nebenher ift
von allem möglichen die Rede. 3—4 Mal wird der Lefer

gäbe befchrieben, um die es fich handelt, charakterifirt j durch die ganze Gefchichte geführt. In der Schlufsbe

ein zweiter das Wefen der Philofophie, ein dritter das
Wefen der Theologie, ein vierter befpricht ihr wechfel-
feitiges Verhältnifs, und das ganze fchliefst mit einer
.Schlufsbetrachtung'. Am umfänglichften ift der dritte
Abfchnitt. In ihm werden nach einander behandelt der

trachtung präcifirt der Verf. feine Stellung zu den gegenwärtigen
kirchenpolitifchen .Kämpfen, damit man nicht
etwa aus dem über das Verhältnifs von Theologie und
Philofophie gefagten einen falfchen Schlufs macht auf
feine Auffaffung von Kirche und Staat in ihrem Ver-

Gegenitand der Theologie, das theologifche Erkennen, ! hältnifs zu einander.

Glaube und Wiffen, und der wiffenfehaftliche Charakter j Solche Schriften werden uns nicht fördern. Es ge-
(der Theologie). I hört doch noch etwas mehr dazu, als der gute Wille

Leicht genug macht fich der Verfaffer die Sache. J zu helfen. Und gerade diejenigen Theologen, welche
Was ift Philofophie? In ihr kommt die Einheit der Wiffen- j zwar nicht die wiffenfehaftlichen aber im allgemeinen

die religiöfen Anfchauungen des Verf. theilen, haben am
meiften Grund, derartige Hülfe abzulehnen.

Bafel. J. Kaftan.

fchaft zum Ausdruck, der Zug des menfehlichen Geiftes
zur Einheit auf dem Gebiet des Wiffens und des Erkennens
. Gegenftand alles Forfchens ift aber zunächft
die Natur, die Gefchichte und der in ihr handelnde
Menfch. Endlich weift alles dies nach oben zu Gott

hin, und zwar kann weder Pantheismus, noch Plato's | Deutscher Verein zur Erforschung Palastina's.

Ideenwelt, noch der Deismus den forfchenden Geilt be- Angefichts der hervorragenden Leiftungen, welche

friedigen, fondern nur der Theismus, genauer die Lehre j die Engländer, Amerikaner und FVanzofen auf dem Ge-
von dem in fich unterfchiedenen Gott, wie es das Chrilten- i biete der Paläftinakunde aufzuweiten haben, ift es nach-
thum mit feiner Trinitätslehre will. Das ift die Philofo--| gerade Ehrenfache geworden, dafs auch die Deutfchen
phie. Dafs fich nun in diefer Philofophie gar leicht ein j fich zu rühren beginnen, und nicht mehr den Anftreng-
Platz für die Theologie ausfindig machen läfst, das liegt 1 ungen Einzelner den ungleichen Kampf mit dem Ausauf
der Hand. Aber wird denn eine brennende PTage j lande überlaffen. Schon aus diefem Grunde, noch mehr
gelöft, wenn man fie für nicht vorhanden erklärt? aber im Intereffe der Sache begrüfsen wir es mit Freuden,

Näher denkt fich der Verf. die Gliederung der i dafs fich nun auch ein ,Deutfcher Verein zur Er-
Wiffenfchaften fo. Die Naturwiffenfchaften bilden die | forfchung Paläftina's' gebildet hat. Das ,Executiv-
Bafis. Spitze des ganzen ift theofophifche Speculation. ! committee', von welchem die Anregung dazu ausgeht,
Zwifchen beiden vermitteln die Anthropologie und Theo- ! befteht aus den Herren Dr. C. Zimmermann Gymn.-
logie, welche letztere die Wiffenfchaft von der göttlichen [ Rector in Bafel, Dr. A. So ein Prof. in Tübingen, und
Offenbarung ift. Und von einer regen Wechfelwirkung j D. E. Kautzfeh Prof. in Bafel. Der erftgenannte

ift nur gutes zu erwarten. Namentlich thut es noth,
dafs auch die Philofophie fich vom Geift der Offenbarung
tragen lafse. — Aber nochmals: wozu follen diefe Aus -
einanderfetzungen nützen? Die, welche die Sache fo anfeilen
wie der Verf., bedürfen ihrer nicht; denn für fie
exiftirt die betreffende Frage nicht. Und andere werden
fich fchwerlich davon überreden laffen. Oder follten die
hier gegebenen Erörterungen über das theologifche Erkennen
, über Glauben und Wiffen dazu im Stande fein?
Doch wohl fchwerlich. Was zuerft die letztere betrifft,
fo beruht fie darauf, dafs der Glaube eben im Gemüth
wohnt, für welches die vulgäre Pfychologie wenig Ver-
ftändnifs befitzt. Dies Gemüth ift aber ,ein Vermögen
zu thun und zu leiden — ein wefentliches Organ im feeli-
fchen Organismus, nicht das Erdgeficht und nicht die
Himmehsklarheit der Seele, fondern ein mittleres von
beidem, der Seele ewiger Jugendftand'. Dies Gemüth'
fteht der Offenbarung offen. Von da und von den
Sinnen her wird fie dem Denken dargeboten und von diefem
nach feinen allgemeinen logifchenGefetzen verarbeitet.
So entfteht das Wiffen um die Offenbarung oder die
Theologie. — Dem entfpricht, was hier vom theologifchen
Erkennen gefagt wird. Zunächft wird der allgemeine
Erkenntnifsprocefs gefchildert. Diefer enthält:
1. Die Phantafie und das Denken, 2. das finnlich-feelifche
Wefen, in deffen innerem Bezirk eben die Phantafie und
das Denken ihr Werk vollbringen. Diefer allgemeine
Procefs befondert fich nun für die verfchiedenen Gebiete.
Das theologifche Erkennen kommt zu Stande, indem das
Gemüth in der finnlichen Erfcheinung der Offenbarung
ihre höhere Bedeutung erfafst. Fragt man aber, was
denn diefe finnliche Erfcheinung der Offenbarung übe'r-

ift den Lefern der Literaturzeitung bereits durch
feine ,Karten und Pläne zur Topographie des alten
Jerufalem' (f. Jahrg. 1876, 409), der zweite durch feine
Bearbeitung des Bädeker für Paläftina und Syrien (f.
Jahrg. 1876, 27), der dritte endlich als fleifsiger Mitarbeiter
bekannt. Diefen drei Herren ift fodann ein Weiteres
Committee' von zunächft 15 Mitgliedern zur Seite
getreten, in welchem man die Namen fo ziemlich aller
deutfchen Notabilitäten der Paläftinakunde erblickt. Die-
fes weitere Committee hat die Statuten und deren etwaige
Abänderung zu genehmigen, das Rechnungswefen zu
überwachen etc.

In der richtigen Erkenntnifs, dafs die Mittel des
Vereines zunächft keine grofsen Forfchungs-Expeditonen
geftatten werden, hat das Committee vorläufig in erfter
Linie die Gründung einer Zeitfchrift in's Auge
gefafst, welche in vierteljährlichen Heften im Com-
miffions-Verlage von K. Bädeker in Leipzig erfcheinen
foll. Diefelbe foll umfaffen: 1) topographifche, 2) natur-
wiffenfchaftliche, 3) ethnographifche Abhandlungen zur
Landeskunde, 4) ftatiftifche Nachrichten und jeweilig po-
litilchc Ueberfichten, 5) Münz- und Infchriftenkunde,
6) literarifche Berichte. Das Erfcheinen des erften Heftes
, in welchem auch die Statuten nach erfolgter Genehmigung
durch das weitere Committee veröffentlicht
werden follen, ift bereits für den Sommer in Ausficht
genommen.

Jedes Mitglied zahlt einen Jahresbeitrag von beliebiger
Höhe, jedoch mindeftens im Betrage von 10 Rmark.
Die Mitglieder erhalten die Zeitfchrift gratis. Soweit die
Beiträge nicht durch die Kotten der Zeitfchrift abforbirt
werden, follen fie zu einem Fonds angefammelt werden,