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Ausgabe:

1877 Nr. 10

Spalte:

263-264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gerhardi, Joa

Titel/Untertitel:

Loci theologici cum pro adstruenda veritate, tum pro destruenda 1877

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Seite 1

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263

Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 10.

264

enthält die fämmtlichen Lieder des Reformators, felbft als Vorrede feiner Ausgabe mitgab. Die Indiccs flehen

das von den zween Märtyrern in Brüffel fehlt nicht.
Einige find in mehrfacher Ueberfetzung aus alten und
neuen Tagen gegeben, ja von dem LIauptliede Luther's:

noch aus, find aber für die nächfte Zeit verheifsen. Auf
die Cotta'fchen Bemerkungen werden wir wohl ganz verzichten
muffen. Preufs hat hinfichtlich der Defidericn,

Ein' fefte Burg, find nicht weniger als 16 Uebertragungen welche diefelben übrig laffen, in der Vorrede Richtiges

und die nur als eine Auswahl mitgctheilt. Wie weit das
Ueberfetzen gelungen ift, d. h. die Lieder nun auch
wirklich gut englifch find, vermag genügend natürlich

bemerkt. Es wäre in der That Thorheit gewefen. diefelben
in extenso und ohne Ueberarbeitung zu übernehmen
. Dennoch ift es fchade, dafs nicht das Wich-

nur ein Engländer zu fühlen. 1 tigfte, was diefelben für den gegenwärtigen Gebrauch

Erlangen - G Plitt Gerhard's darbieten, nämlich die zahlreichen Notizen

° ', . ' über Perfoncn und Bücher, beibehalten und fogleich

- - unter dem Texte an den betreffenden Stellen beigefügt

Gerhardi, Joa., Loci theologici cum pro adstruenda veri- ! ifb Gerhard's Gelehrfamkeit war eine ganz aufscrordent-

t,f. ^„„^.„„„j^ ,2-, jj„_*s, „, I liehe und in der gewiffenhafteften Weife werden alle

täte, tum pro aestruenda quorumvis contradicentium .. ,. , r. r , & , r , , . „ ., .

r , .„ " n ... . möglichen, oft fehr obfeuren 1 heologen leiner Zeit und

fals.tate per theses nervöse, solide et copiose ex- des Mittelalters bei ihm berückfichtigt. Oft orientirt er
plicati. Opus praeclarissimum IX tomis comprehen- felbft genügen 1 über die Perfönlichkeit der Leute und
sum denuo juxta editionem prineipem accurate typis 1 über die Werke, mit denen er fich auseinanderfetzt, oft
exscriptum adjectis notis ipsius Gerhardi posthumis a ! aber bleibt auch Raum für fehr dringend wünfehens-

filio collectis etc. Tomus IX. Leipzig 1875, Hinrichs. wpDhe f ^llfT5?,. ?S Editor. Hlcr ^^te^x9.0t.ta'S
,,„„TT „ o T os 1 Noten, die im Wefenthchen ausreichen, wohl den Wieder-

(XXVI, 428 S. Lex,8.) M. 7. 5o. abdruck verdient.

Im Jahre 1863 begann der damalige Privatdocent I Die neue Ausgabe ift, für ihre Wohlfeilhcit zumal,
der Theologie an der Univerfität Berlin Ed. Preufs die : recht hübfeh ausgeftattet. Leider war mir die ed. princ,
neue w ohl feile Ausgabe der Gerhard'fchen loci, welche auf welcher fie fufst, nicht zugänglich. Soweit ich den
nunmehr glücklich zu Plnde gebracht ift, nachdem Preufs' 1 Druck ohne fie habe controliren können, habe ich beArbeit
daran nach Abfolvirung des fechften Bandes 1868 ' merkt, dafs er an Correctheit allerdings gelegentlich
durch bekannte Umftände fiftirt worden. Wer die letzten j — befonders in den Bibelcitaten — zu wünfehen
drei Bände beforgt hat, erfahren wir nicht. 1 übrig läfst. Möchte diefe Gerhard-Ausgabe an ihrem

Gerhard's Werk erlebte fchon im 17. Jahrh. mehrere j Theile dazu beitragen, das Studium unferer alten
Auflagen. Der editio prineeps Jena 1610—25 folgte nach 1 Dogmatik in den Originalen wieder etwas zu be-
Gerhard's Tode (1637) zunächft eine von reformirter leben. Die Compendien derfelben, z. B. H. Schmid's
Seite veranftaltete Ausgabe, Genf 1639, dann eine dritte ,Dogmatik der luth. Kirche' (6. Aufl. 1876), erfetzen die
von Joh. Ernft G., dem Sohne des Verfaffers, Hamburg Werke felbft doch nur unvollkommen, fchon weil fie keinen

1657. Eine vierte Ausgabe, die Cotta'fche, Tübingen
1762—89, war bislang die anerkanntefte. Die Hamburger
Ausgabe überbot infofern die editio prineeps, als fie
mancherlei Zufätze und kleinere Aenderungen, die der
Verf. in feinem Exemplare am Rande notirt hatte, aufnahm
: fie nennt fich felbft eine innumeris locis vermehrte

Einblick gewähren in die Zufammenhänge der Ideen der
alten Theologen. Die Kenntnifs eines orthodoxen
Dogmatikers im Originals wird fchon ein richtigeres
Bild der merkwürdigen Zeit, die für uns noch fo vielfach
wichtig ift, gewähren. Es ift allerdings zu empfehlen,
dafs man erft, nachdem man die Reformatoren und zwar

und verbefferte Auflage, was einigermafsen hyperbolifch I nicht nur Luther, fondern ebenfo fehr die Schweizer,

ift. Diefe Auflage hat nach Cotta den Uebelftand, dafs
fie eine Menge oft finnverderbender Druckfehler und
viele Verfehen in den Bibelcitaten hat. Cotta felbft will
hauptfächlich hierRemedur fchaffen, aufserdem aber durch
Anmerkungen und eine Anzahl gröfserer Excurfe zu

kennen gelernt hat, an die Epigonen herantritt. Sonft
hat man kein Auge für ihren Werth und Unwerth.
Kennt man die Motive des reformatorifchen Proteftantis-
mus, fo wird man gefichert fein vor der Verwechslung
des orthodoxen mit dem echten, unverkümmerten Prowichtigeren
Lehren das Verftändnifs erleichtern. Ferner ; teftantismus. Aber dann erkennt man auch erft, welche
hat Cotta's Ausgabe den Vorzug, dafs, während die | wefenthchen religiöfen Anfchauungen oft auch folchen
Hamburger Ausgabe zwar hinter jedem Bande forgfältige : Lehren, die zunächft rein fcholaftifch erfcheinen, zum
Regifter über alles Wünfchenswerthe enthielt, aber kein j Grunde liegen. Ohne Zweifel ift unter den lutherifchen
Generalregifter, fie ein folches, bearbeitet von dem Stutt- Theologen des 17. Jahrh. Joh. Gerhard derjenige, der
garter Pfarrer Müller, in grofser Ausführlichkeit darbietet. | am eheften im Stande ift, uns das Bild eines ,orthodoxen'
Preufs nun hat die cd. princ. zum Grunde gelegt, fo : Lutheraners in feinen übelen, aber auch in feinen guten
zwar, dafs er die Zufätze der Hamburger, welche durch j Eigenfchaften zu gewähren.
Sternchen ausgezeichnet find, in derfelben Art mit in
den Text aufnimmt. Dabei trifft er eine Verkürzung
des Materials. Nämlich von den loci über die heil.

Göttingen. F. Kattenbufch.

Schrift, über Gott und über die Perfon Chrifti, welche Bender, Prof. Dr. Wilh., Schleiermachers Theologie mit

den erften Band füllen, exiftirt eine doppelte Recen
fion: eine kürzere von 1610 und eine ausführlichere
von 1625 , die den Titel hat: exegesis sive nberior ex-
plicatio articulorum de scriptum sacra etc. in tomo

ihren philofophifchen Grundlagen. 1. Thl. Die philo-
fophi l chen Grundlagen der Theologie Schleiermachei s.
Nördlingen 1876, Beck. (IX, 295 S. gr. 8.) M. 5. —

primo locorum theologicorum concisius pertractatprum. Die fleifsige und getreue Darftcllung des Verfaffers

Die Hamburger und die Tübinger Ausgabe nahm beide ; ift gewifs ein verdienftliches Werk. Mit Recht betont
Recenfionen in extenso auf. In der richtigen Einficht , das Vorwort, dafs unfere üppige Schleiermacher-Literatur
aber, dafs dies überflüffige Weitläufigkeit fei, hat Preufs ! fich bis jetzt vorwiegend in der monographifchen Behand-
fich mit einer Bearbeitung begnügt, nämlich mit der ! lung einzelner bevorzugter Lehrpunkte des Syltems zer-
zweiten. Preufs beabfichtigte zum Schluffe des ganzen 1 fplittert habe. Natürlich kann dies, fo trefflich zum Theil
Werkes eine Biographie Gerhard's, eine Bearbeitung der 1 die einzelnen Beiträge find, doch nur als Vorarbeit für
Müller'fchen Indices und eine viedidla der Cotta'fchen I den Verfuch einer Gefammtdarftellung betrachtet werden,
Erläuterungen beizufügen. Er hat diefe Verfprechungen 1 wie fie eben der Verf. unternimmt. Von allen fachlichen
nicht mehr halten können. Im neunten Bande erhalten 1 Abweichungen abgefehen dürfte fie wenigftens formell
wir jetzt einen Abdruck der vita Gerhardi, welche Cotta am meiften Aehnlichkeit mit Wcifsenborn's bisher viel-