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Ausgabe:

1877

Spalte:

249-254

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brugsch-Bey, Heinrich

Titel/Untertitel:

Geschichte Aegyptens unter den Pharaonen 1877

Rezensent:

Kamphausen, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J, C. Hüirichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 10. 12. Mai 1877. 2. Jahrgang.

Brugfch-Bey, Gefcbichte Aegyptens unter den | Girgenfohn, Prudentius und die Bertiniani-

Pharaonen (Kamphaufenl. fchen Annalen (Zoepffel).

Neftle, Die ifraelitifchen Eigennamen nach | Pick, Luther as a hymnist (Pütt).

ihrer religionsgefchichtlichen Bedeutung
(Baudiffm).

Ziegler, Bruchftücke einer vorhieronymiani-
fchen Ueberfetzung der Petrusbriefe (Gebhardt
).

Gerhardi Loci theologici juxta editionem prin-

cipem etc. T. IX (Kattenbufch).
Bender,'Schleiermacher's Theologie mit ihren
philofophii'chen Grundlagen dargeftellt.
1. Bd. (Edm. Pfleiderer).

Lipfius, Lehrbuch der evangelifch-proteflan-
tifchen Dogmatik (Nitzfeh).

Sprinzl, Handbuch der Fundamentaltheologie
(Wetzel).

Rabus, Philofophie und Theologie (Kaftan).
Deutfcher Verein zur Erforfchung Paläftina's.

Brugsch-Bey, Dr. Heinr., Geschichte Aegyptens unter

den Pharaonen. Nach den Denkmälern bearbeitet.
Erfte deutfehe Ausgabe. Mit 2 (chromolith.) Karten
von Unter- und Ober-Aegypten und 4 genealogifchen
Tafeln. Leipzig 1877, Hinrichs. (XIII, 818 S. gr. 8.)
M. 18. —; geb. M. 20. —

Zu den Hülfsmitteln verfchiedener Art, welche in
neuefter Zeit dem deutfehen gebildeten Lefer nähere
Kunde von dem in der heiligen Schrift fo oft erwähnten
alten Aegypten in dankenswerther Weife vermitteln —
ich nenne K. Bädeker's fehr nützliches Reifehandbuch
und die von Richard Pietfchmann nach dem Franzöfifchen
bearbeitete und von Georg Ebers warm empfohlene
Gefchichte der morgenländifchen Völker im Alterthum
von G. Maspero (Leipzig 1877) —■ gefeilt fich jetzt die
für Theologen wie für Hiftoriker gleich bedeutfame Gefchichte
Aegyptens unter den Pharaonen, welche der
fchon feit geraumer Zeit im Dicnfte Ismael Pafcha's
flehende berühmte Göttinger Aegyptologe H. Brugfch
nach den Denkmälern bearbeitet hat. Eine vollftän-
dige Gefchichte des alten Aegypten lag nicht in der
Abficht des Verfaffers, der nur nach den Denkmälern
eine urkundlich beglaubigte Darfteilung geben
wollte und daher für die letzten Zeiten vom Jahre 666
v. Chr. an, in welchen die Berichte der Griechen an die
Stelle der mehr und mehr fchweigenden Denkmäler treten
, auf die üblichen Handbücher der Gefchichte des
Alterthums verweilt (S. 737). Werden aber auch die
letzten fechs Königshäufer oder die Zeiten von Pfame-
thik I bis zur Eroberung Aegyptens durch Alexander den
Grofsen nur kurz (S. 734—764) behandelt, fo fehlt es
doch auch hier nicht an überrafchender neuer Ausbeuteaus
den Denkmälern; dahin rechne ich den aus den
Denkfteinen (vgl. S. 672 ff.) der Apis-Stiere (S. 745.

Verfuch wagen, für den mit dem mir vorliegenden Werke
von Brugfch noch Unbekannten dasfelbe näher zu
kennzeichnen. Das von dem Verfaffer und dem Verleger
gemeinfam dem Khedive von Aegypten gewidmete
Buch ift fehr fchön ausgeftattet; im Intereffe der durch
geringeren Preis bedingten gröfseren Verbreitung des
werthvollen Werkes möchte man faft wünfehen, dafs
mehr als 29 Zeilen auf jeder Seite ftänden. Zu der
Karte von Unter-Aegypten, welche dem franzöfifchen
Schriftchen über den Auszug (vgl. meine Anzeige in
diefer Zeitung 1876 Col. 353 ff.) beigegeben war, ift nun
eine fchöne Karte der 22 Nomoi von Ober-Aegypten
hinzugekommen. Von den beigegebenen 4 genealogifchen
Tafeln ift die über die königlichen Familien der
Dynaftien XX—XXVI fS. 644) von befonderer Bedeutung
; dagegen vermiffe ich in meinem Exemplar die
S. 377 angekündigte Tafel über die Regierungsjahre
Thutmes' III. Druckfehler (z. B. S. 511 wundiglich ltatt:
und ewiglich, S. 176 zwölften ftatt dreizehnten , S. 466
bewiefen ftatt widerlegt; finden fich nur wenige, find auch
faft immer aus dem Zufammenhange leicht zu verbeffern.

Wir müffen es dem Verf., der vor beinahe 20 Jahren
in feiner Histoire d'Egyptc sons les PJiaraons die damals
aus den Steininfchriften und Papyrusrollen gewonnenen
Erkenntnifse der gelehrten Welt mittheilte, aufrichtig
Dank wiffen, dafs er vor Vollendung der zweiten franzöfifchen
Ausgabe feinen Landsleuten diefe ,erfte
deutfehe Ausgabe' überreicht, welche die willkommenen
Ergebnifse der in den letzten Jahrzehnten aufserordent-
lich fortgefchrittenen Erforfchung der altägyptifchen
Denkmäler in einer im Ganzen fchönen Zufammenfaffung
uns darbietet. Wenn Brugfch (S. 6) ,nur mit Zagen dem
Urtheil der Lefer entgegenfieht, mit welchem Glück er
fich feiner herrlichen und kraftvollen Mutterfprache bedient
habe', fo will ich zu Gunften einer zweiten deutfehen
Ausgabe mit meiner Meinung nicht zurückhalten

7S2- 757) geführten Nachweis, dafs die perfifche Er- und den offenen Wunfeh ausfprechen, dafs der Verf.,

oberung nicht im Jahre 525, wie bisher angenommen
wurde, fondern fchon 527 v. Chr. gefchehen fein mufs,
weil Kambyfes nach den Denkmälern fechs volle Jahre
über Aegypten geherrfcht hat. Andererfeits bemerke
ich, dafs Brugfch, obwohl er manche begeifterte Schilderung
der von ihm gefchauten Denkmäler (z. B. des
wunderbaren Felfentempels von Ibfambul, S. 543 ff.) in

eben weil er unfere edle Mutterfprache fehr gut zu
handhaben verfteht, in Zukunft ,den pomphaft aufge-
ftutzten Worten' (S. 65) der alten Aegypter weniger
Einflufs auf feine eigene Redeweife einräumen wolle.
Die Begeifterung des Verfaffers für feinen Gegenftand,
welche ihn fogar bis zur Anrede des Lefers (S. 70 f.)
fortreifst, weifs ich zu ehren, geftehe aber, dafs ich nie

fein Werk mit einfliefsen läfst, natürlich keine vollftän- j ,die mofaifche Sprache als ein ebenbürtiges Abbild der
dige Befchreibung und Gefchichte der Denkmäler (S. 542) ägyptifchen Redeweife' (S. 50x3) bezeichnen würde und
geben konnte, fo dafs er (S. 457 f.) dafür auf die Dar- I auch nicht recht begreife, wie nach der fehr dankens-
ftellungen guter Reifebefchreiber, namentlich des Grafen werthen Mittheilung des ganzen Heldengedichtes Pen-
Anton lTokcfch-Often verwiefen hat. taur's (S. 501 —513) Brugfch diefen fchmeichelnden Tem-
Indem ich vollkommen begreife, dafs dem Lefer pelfchreiber, der den ,zweifelhaften Sieger' Ramfes (8.492;
diefer Zeilen weniger an meinem Urtheile als an meiner J die prahlerifchen Worte fagen läfst: ,Ich war allein fo
Berichterffattung gelegen fein mufs, will ich nun den ' kämpfend und habe widerftanden Millionen von Fremden,
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