Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1877

Spalte:

212

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Beck, J. T.

Titel/Untertitel:

Gedanken aus und nach der Schrift für christliches Leben und geistliches Amt. 3. verm. Aufl 1877

Rezensent:

Lindenberg, H.

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

211

hange fleht. Aber auch diefer Begriffsbeflimmung bleibt
er nicht treu und folgt im Allgemeinen mehr dem ungenaueren
, gewöhnlichen Sprachgebrauch. Dies tritt
befonders zu Tage, wo der Verfaffer feine individuellen
Sympathien und Antipathien zur Geltung bringt, wie
z. B. wenn er die Tendenz auf Zurückdrängung des
Perfönlichen als einen beklagenswerthen Zug unferer Zeit
hinftellt, oder wenn er als beachtenswerth hervorhebt,
wie die römifche Kirche die Macht des Perfönlichen
kenne und benutze.

Von mehr apologetifcher Tendenz und zunächft dem
Zweck populärer Belehrung dienend ift das Schriftchen:
Woher und Wohin? Schlagwörter der Zeit im
Lichte der Ewigkeit, von Profeffor G. Weitbrecht,
Diaconus an der Garnifonkirche in Stuttgart (Stuttgart
1877, J. F. Steinkopf. 213 S. gr. 16. M. 2. —).
Es enthält zunächft einen Vortrag über Glauben und
Wiffen, in welchem die beiden Sätze ausgeführt werden:
Kein Wiffen ift, dem nicht ein Glauben zu Grunde läge,
und kein Glaube ift, der nicht den Trieb und die Kraft
hätte, fich zum Wiffen zu entfalten. In den daran fich
anfchliefsenden drei Auffätzen über Gewiffen, Bildung
und Fortfehritt geht dann der Verfaffer auf ethifche
Fragen ein. Der erftc derfelben enthält umfichtige und
klare Erörterungen über den unveränderlichen Kern des
Gewiffens bei der Veränderlichkeit feiner Erfcheinungs-
form und über die Ergänzungsbedürftigkeit desfelben
durch eine richtige, üttliche Begriffsbildung, treffende
Bemerkungen über das Gewiffen Jefu und befonnene
Urtheile über die Gewiffensfreiheit. In dem zweiten
Auffatz führt der Verfaffer aus, dafs wahre Bildung fich
im tiefften Grunde als fittliche Charakterbildung ausweifen
muffe und daher in enger Beziehung flehe zu
Religion und Chriftenthum. Möge die Bildung negativ
gefafst werden als Hinwegbildung des Egoismus oder
pofitiv als Hineinbildung in's rechte Menfchheitsideal,
immer führe uns das menfehliche Bildungsbcdürfnifs auf
die Perfon Chrifti, und die rcligiöfe Bildung erweife fich
als der lebendige Quell, aus welcher auch die fittliche,
die intellectuelle und die des äufseren Benehmens ent-
fpringe. In dem letzten Auffatz endlich wird erörtert,
dafs wahrer Fortfehritt nur gefafst werden könne als
geiftiges Fortfehreiten der Menfchheit zu den ihr be-
ftimmten Zielen, und daher der Glaube an denfelben
nur befteb.cn könne bei einer fittlich religiöfen Weltan-
fchauung. Der Verfaffer zeigt, däfs ohne Ueberwindung
des Böfen als des abfolut Unvernünftigen kein Fortfehritt
möglich fei, befpricht die einzelnen Gebiete, in denen
der Fortfehritt fich zeigen müffe, und das Verhältnifs
des Chriftenthums zu demfelben, und weift darauf hin,
wie der menfehliche Fortfchrittsglaube fich verklären
müffe zum chriftlichen Glauben an das Reich Gottes,
das in der unfichtbaren Welt wurzelt und in der fichtbaren
feine Zwecke verwirklicht. Das Büchlein ift vorzüglich
geeignet dazu, in weiteren Kreifen Intereffc für
ethifche Fragen zu erwecken. Der Verfaffer verfleht es,
diefelben mit einer fall fpielenden Leichtigkeit und in
lebendiger, anfehaulicher Darftellungsweife zu behandeln
und hat eine köftliche Gabe ad liominem zu demonftriren.
Dabei gelingt es ihm auch fchwierigere Begriffe klar und
verftändlich zu entwickeln. Seine Polemik ift ohne verletzende
Schärfe, fein Beftrebcn ift allenthalben, an Gegebenes
anzuknüpfen, zu vermitteln und zu gewinnen;
und befonders wohlthuend berührt die religiöfe Wärme
und Innigkeit, mit welcher die Perfon Jefu Chrifti als die
Verwirklichung des wahren Menfchheitsideals immer
wieder hervorgehoben wird.

Taucha. Diac. Dr. Wetzel.

Beck, Prof. Dr. J. T., Gedanken aus und nach der Schrift

für chriftliches Leben und geiftliches Amt. 3. verm.
Aufl. Heilbronn 1876, Scheurlen's Verlag. (VII, 205 S.
gr. 8.) M. 2.70.

Wie verfchieden auch die Urtheile über Beck's Stellung
zur theologifchen Wiffenfchaft lauten mögen, den
klaren, durch tiefe Erfaffung der biblifchen Wahrheit
gefchärften Blick für alle Fragen der Paftoraltheologie
wird ihm Niemand abfprechen wollen. Die jetzt in dritter
Auflage vorliegenden ,Gedanken aus und nach der Schrift'
enthalten gelegentliche, aus der Schrift und reicher Erfahrung
gefchöpfte Urtheile und Bemerkungen über die
verfchiedenartigften Vorkommnifse des äufseren und
inneren paftoralen Lebens. Sie find urfprünglich nicht
für den Druck beftimmt und geben fich daher ,im Hauskleide
'. Bald find es briefliche Rückäufserungen auf bc-
ftimmte Anfragen, bald aphoriftifch hingeworfene Gedanken
, manchmal aber auch nur Hinweife auf diefe oder jene
Schriftflelle. Damit entziehen fie fich von vorneherein
der Kritik. Man müfste meiftentheils die fpecielle Ver-
anlaffung kennen, um fie vollkommen richtig beurtheilen
zu können. Wer in Beck's Anfchauungen fich eingelebt
hat, wird vieles zwifchen den Zeilen lefen können; den
Fernerftehenden wird Einzelnes dunkel, Plinzelnes zu allgemein
erfcheinen. Dazwifchen aber findet fich eine
folche Fülle treffender Bemerkungen, durchfchlagender
Gefichtspunkte, praktifcher Winke, dafs diefcs Buch mehr
als irgend eine andre Beck'fche Schrift geeignet erfcheint,
auch über den Kreis feiner eigentlichen Schüler hinaus
dem ehrwürdigen ,Fechter' für biblifches Chriftenthum
Freunde zu erwecken. Es ift im» edclften Sinne des
Wortes ein Erbauungsbuch für Geiftliche. Neu hinzugekommen
find in der neuen Auflage die Nummern 87,
96, 98, 100, 102 und 103, unter denen namentlich die
erfte von befonderem Intereffe ift, weil fie die in der
,Lehre von den Sakramenten' ausführlicher begründete
Anfchauung Beck's von der Kindertaufe übcrfichtlich
zufammenfafst.

Nuffe bei Mölln in Lauenburg. H. Lindenberg.

Theologische Programme und Dissertationen.

An die Herren Verfaffer theologifcherProgramme
und Differtationen richten wir hiermit die Bitte, uns
alle derartigen Gelegenheitsfchriften im Intereffe einer
weiteren Verbreitung derfelben möglichft bald cinfenden
zu wollen. Wir werden bemüht fein, auch über diefen
Zweig der theologifchen Literatur möglichft vollftändig
Bericht zu erftatten.

Leipzig, im April 1877.

Die Redaction.

Bibliographie

von Dr. Caspar Rene" Gregory,
neuefte Literatur.

Bickell, G., Outlines of Hebrezv Grammar. Reviscd by
tlie author, and annoiated by the translator S. I.
Curtiss, Jr. With a litliographic table of Semitd
characters by J. FMting. Leipzig, Brockhaiis. (XIII,
140 S. 8.) 3. —

Ehlers, R., Das alte Gefetz u. die neue Zeit. Die 10 Gebote
f. die Gegenwart ausgelegt. Frankfurt a/M., Heyder
& Zimmer. (VIII, 256 S. 8.) 3. 60.

Targum Scheni zum Buche Eimer, nebfl variae lectioncs nach
handfchriftl. Quellen erläutert u. m. e. literarhiflor. Ein-
leitg. verfehen v. L. Münk. Berlin 1876, Benzian. (V, 37
u. 45 S. gr. 8.) 2. —