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1876 Nr. 6

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164-165

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Synesii Episcopi Hymni metrici. Apparato critico adjecto ed. Johs. Flach 1876

Rezensent:

Möller, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 6.

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wegen feines amtlichen Charakters gelten. Hiernach ent-
fcheidet er, dafs die Anklage gegen Felix nicht erwiefen
fei. Auch der neuefte Herausgeber entfcheidet fich dahin,
weil ihm die Ausfagen des Cäcilianus das Gepräge der
Wahrheit zu tragen fcheinen. Ich geftehe, dafs ich davon
nicht eberifo überzeugt bin, namentlich fcheint Cäcilian
die Fälfchung des Briefes noch nicht in der Vorunter-
fuchung behauptet zu haben, fondern jetzt erft vor dem
Froconful einzuwenden. Der letztere felbft hat ihm offenbar
nicht getraut, vgl. S. 18, Z. 1, und fich dann nur
fummarifch beruhigt. Ift das kaiferliche Ausfehreiben,
vgl. S. 8, an den Proconful Probianus acht, fo war man
auch am kaiferlichen Hofe nicht ganz beruhigt, denn hier
wird Ingentius noch an den Hof zu weiterer Vernehmung
beftellt. Uebrigens find diefe Actenftücke noch in ver-
fchiedener anderer Beziehung merkwürdig, namentlich
erfieht man daraus, wie die Befehle in Anfehung der
Verbrennung der Schriften und der Zerftörung der Kirchen
in Afrika näher gelautet haben. Wurden die Schriften
herausgegeben, fo wurden fie aufsen verbrannt und dann
nur die Thüren des Gebäudes zerftört. Wurde die Herausgabe
aber verweigert, und die Schriften fanden fich bei
der Vifitation der Kirche vor, fo wurde die Kirche felbft
demolirt, vgl. S. 12. 13.

Das zweite Stück bilden die Gesta apud ZenophUllm,
dem Statthalter von Numidien, vom Jahre 320, welcher
auf die Klage des Diakonus Nundinarius eine Unter-
fuchung gegen den Bifchof Silvanus von Cirta, der den
Majorinus geweiht hatte, anftellt. Diefer hatte den Diakonus
abgefchafft, und wurde nun von ihm befchuldigt,
Traditor zu fein und Betrügereien verübt zu haben. Die
Unterfuchung ergibt nicht viel ficheres, als dafs offenbar
Nundinarius der Mitwiffer von Dingen gewefen war,
welche dem Bifchof und feiner ganzen Partei gefährlich
werden mufsten. Es ift deutlich, dafs hier von der Partei
Cäcilian's der Gegenfchlag gegen die Majoriner geführt
wurde. Hatten diefe behauptet, Cäcilian fei von einem
Traditor geweiht, fo behaupteten nun die andern, vielmehr
gerade bei Majorin fei dies der P'all gewefen.
Dafs die Refultate der Unterfuchung fo unficher find,
hängt übrigens auch damit zufammen, dafs nach dem
ganzen Gange der Verfolgung feiten ein Verhalten gefunden
werden mochte, welches fpäter den Vorwurf, zum
Traditor geworden zu fein, unmöglich machte. Diefes
Actenftück bietet der Erklärung viel weniger Schwierigkeit
, und es giebt in anderer Richtung, nämlich in archäo-
logifcher eine um fo reichere Ausbeute.

Von dem genannten Nundinarius flammt das dritte
Actenftück, genannt ex actis concilii Cirtensis, nämlich ein
Protokollftück über Verhandlungen des Bifchofes Secun-
dus von Tigifis mit Collegen, welche mit ihm in Cirta
zur Weihe eines neuen Bifchofes zufammengekommen
waren. Nach diefem Protokoll bekennt einer um den
andern, theils Traditor zu fein, theils Verbrechen begangen
zu haben, fchliefslich aber vereinigen fie fich,
einander zu abfolviren. Nun haben wir zwar guten Grund,
von der Moralität diefer Kirchenmänner nicht allzuhoch
zu denken, und ebenfo ihrer Naivität viel zuzutrauen.
Aber diefes Protokoll verräth doch zu ftark die Fiction.
Namentlich die Aeufserungen des Bifchofs Purpurius, er
fchlage jeden todt, der etwas gegen ihn mache, und Se-
cundus werde wohl wiffen, dafs er fich um keinen Men-
fchen bekümmere, geben offenbar nur wieder, was andere
ihm nachfagen mochten. Nicht viel anders verhält es
fich damit, dafs im Protokoll fleht, der Neffe des Secun-
dus habe diefem in der Verfammlung den Rath gegeben,
nicht weiter die Sachen zu verfolgen, da diefe Leute
fonft alle zum Schisma bereit feien. So wirft diefe
Fälfchung nur ein bedenkliches Licht auf die Mittel,
welche die Parteigänger der Katholiken gegen die Dona-
tiften anwendeten, ganz ebenfo wie diefe umgekehrt.
Auch der Verfaffer neigt fich bei aller Zurückhaltung im
Urtheil doch zur Annahme der Unterfchiebung.

Die Ausgabe felbft fowohl als die Bemerkungen
verdienen Dank durch die pofitive Förderung der Er-
kenntnifs fowohl, als durch die mancherlei Anregung,
welche fie zu weiterer Ausnützung diefer intereffanten
Dokumente geben.

Tübingen. C. Weizfäcker.

Synesii Episcopi Hymni metrici. Apparato critico adjecto
ed. Johs. Flach. Tübingen 1875, Fues. (XVI, 53 S.
gr. 8.) M. 1. 60.

Dafs weder Krabinger noch Thilo dazu gekommen,
uns eine kritifche Ausgabe der Hymnen des Synefius zu
geben, ift wohl von Manchen bedauert worden. Man
war bis vor wenigen Jahren zumeift doch angewiesen
auf den Abdruck in den ziemlich verbreiteten Petavius'-
fchen Ausgaben der Werke des Bifchofs von Ptolemais,
oder mufste zu dem irgend einen felbftändigen Werth
nicht beanfpruchenden Abdruck in Daniel's thefaurus
hymnolog. greifen. Freilich gab es eine kritifch werthvolle
Ausgabe in Boiffonade's Sylloge poetarum graec.
tont. XV, aber wie vielen war und ift diefe Sammlung
erreichbar! Nun hat allerdings W. Chrift in der von ihm
und Paranikas herausgegebenen Anthologia graeca car-
minutn chrißianorum {Lips. 1871) dem Mangel durch einen
kritifch bearbeiteten und wefentlich verbefferten Text
der Hymnen abgeholfen. Indeffen eine billige Einzelausgabe
der Hymnen findet daneben ihren Platz, zumal wenn
fie wie die von Flach an der Textkritik weiter arbeitet
und vermehrtes handfehriftliches Material bietet. Zu den
drei Münchner Handfchriften, von denen die bei Chrift
und Flach mit A bezeichnete (urfprüngliche Augsburger)
die wichtigfte ift, und den von Boiffonade gelieferten
Lesarten des Parifer Codex kommen bei Flach noch
Lesarten zweier Vaticanifcher Handfchriften und einer
der barberinifchen Bibliothek, welche immerhin für manche
Textftellen von Gewicht find. Flach giebt in der Prac-
fatio Rechenfchaft über die Handfchriften und Hilfsmittel
und eine Zufammenftellung der Varictas lectionum, fowic
der Chrift'fchen Lesarten und läfst dann blos den grie-
chifchen Text folgen. Die Einrichtung hätten wir in
mehreren Punkten anders gewünfeht. In der Varietas
lect. hat man nicht das vollftändige krit. Material zufammen
, fondern man mufs es fich aus den verfchiedenen
Angaben der Pracfatio mühfam zufammenfuchen für jede
einzelne Stelle. Beim Text vermifst man, wenn man
eine citirte Stelle auffuchen will, fchmerzlich die Bezeichnung
der Nummer des Hymnus am Kopf jeder
Seite und mufs fuchend herumblättern. Als ein Vorzug
mufs hervorgehoben werden, dafs Flach die wichtige
Ausgabe von Canter (zufammen mit einigen profaifchen
Schriften des Synefius Bafil. Oporin. 1567), welche Chrift
unberücksichtigt gclaffen, herangezogen hat; nur' ift zu
bedauern, dafs er dabei den Lefer im Unklaren darüber

! läfst, welche der von Canter an den Rand gefetzten Le-
fungen auf handfehriftlichen Lesarten ruhen, welche Con-

I jecturen Canter's find, obgleich C. beide deutlich unter-
fchieden hat (f. die epiflola p. 74). Bei weitem die Mehrzahl
find Conjecturen, aber werthvolle; mit mehreren
trifft auch Chrift zufammen, auch G. Hermann's Refti-
tution V, 5 tovieiQctv findet fich fchon bei Canter; desgleichen
, worüber Flach ganz fchweigt III, 391 (Chrift
392): uro* tri. (Zu IV, 291 ift es wohl nur Druckfehler,
wenn Fl. oödv ft. höhv als Marginaliesart Canter's an-
giebt.). — Gegen Chrift's Text hat fich Fl., wie mir

j fcheint, etwas zu fpröde verhalten. Läfst man die Stellen

| bei Seite, in denen Chrift aus metrifchen Gründen fich
nicht unerhebliche Textänderungen erlaubt hat, über
welche diefer felbft in der Vorrede das Bedenken aus-
fpricht, ob er nicht vielleicht voreilig verfahren —■ hier-

! über hat Ref. kein Urtheil — fo fcheint uns Fl. an gar
manchen Stellen das von Chrift gebotene ohne Noth