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Ausgabe:

1876

Spalte:

134-138

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lipsius, Rich. Adelb.

Titel/Untertitel:

Die Quellen der ältesten Ketzergeschichte neu untersucht 1876

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1, Seite 2, Seite 3

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 5.

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ihrem Verhaltnifs zu den ältcftcn Handfchriftcn und ] ift, wcnigftcns fofern es fich um die fchriftliche Fixirung

Uebcrfetzungen geprüft worden find. — Viel gibt es
namentlich auch noch zu thun, um den vierten der oben
angeführten Sätze in gröfserem Mafsftabc für die neu-
teftamentliche Textkritik fruchtbar zu machen. Auch Scr.
nämlich unterfcheidet, darin gegen Hug mit Griesbach
übereinftimmend, drei grofse Textfamilien: die des
chriftlichen Weftens und der älteften Väter der afrikani

handelt, aus Gründen, deren Gewicht Scr. felbft weit
entfernt ift zu verkennen, durchaus unwahrfcheinlich.

Ref. kann von dem ausgezeichneten und ihm wie
feiten eines liebgewordenen Buche nicht fcheiden, ohne
dem Wunfeh Ausdruck zu geben, dafs es dem Verf. gefallen
möge, daffclbe auch in einer deutfehen Bearbeitung
erfcheinen zu laffen. Eine folche würde um fo

fchen und gallifchen Kirchen, die in Aegypten und deffen ! freudiger begrüfst werden, je unleugbarer und fühlbarer
Nachbarländern verbreitete, und drittens die anfänglich I die Lücke ift, welche die theologifche Literatur Deutfch-

lands gerade in diefem Gebiete aufweift.

Leipzig. O. Gebhardt.

in Syrien und Antiochien, fpätcrim Patriarchat von Con
ftantinopel ausgeprägte Gruppe. Aber während in der 1 land
Griesbach's und feiner Schule die geographifche Gruppi-
rung zu einem fetten Schema fich gcftaltete, auf Grund
deffen der Text faft mechanifch zu Stande kam, fleht Lipsius, Rieh. Adelb., Die Quellen der ältesten Ketzer-
Scr. die Grenzen vielmehr als fliefsende an und verzichtet geschiente neu unterfucht. Leipzig 1875, Barth. (VIII,
darauf, in diefer Theilung nach Familien eine für alle j g g gr 8) M e 60

Fälle giltige Richtfchnurzu erblicken. 5 • s • •

Dafs das Verfahren der neuteftamentlichcn Textkritik
auf diefem Wege nicht vereinfacht wird, liegt auf
der Hand. Ein Rcfultat, welchem zufolge der bei weitem
gröfste Theil des jetzt den kritifchen Apparat befchweren-

Es ift dem Ref. und gewifs nicht wenigen Fachge-
noffen mit ihm eine grofse Freude gewefen, als er von
dem Erfcheinen vorftehenden Buches hörte, und das
vollendete Werk überrafchend fchnell die Ankündigung

den Materials als unbrauchbar über Bord geworfen werden bewahrheitete. Seit dem Jahre 1865, in welchem Lipfius
könnte, wäre ohne Zweifel viel willkommener gewefen i feine Unterfuchungen ,Zur Quellenkritik des Epiphanios'
als diefes. Doch bleibt der Ausblick auf ein folches ' veröffentlicht hatte, war zwar nicht Vieles, aber doch
Ziel uns unbenommen. Je mehr es gelingt, durch raft- ; Einiges hervorgetreten, was ebenfofehr als Fortfetzung
lofe Detailarbeit jetzt noch weit auseinander fallende 1 wie als Umarbeitung jener Unterfuchungen gelten konnte;
Factoren auf Einheiten zurückzuführen, defto mehr nähern I das Urtheil deffen zu vernehmen, der das in Frage fte-
$vir uns diefem Ziel. Damit es aber nicht all zu lange hende kritifche Gebiet — wenn auch nicht entdeckt —
währe, thut es noth, dafs der Seufzer, mit dem Scr. f fo doch zuerft umgrenzt und bearbeitet hatte, war daher

feine Aufzählung der Handfchriftcn bcfchliefst, bald aufhöre
eine fo traurige Wahrheit zu fein, wie fie es jetzt
auch unter uns noch ift: rO uiv &igi0uog jtoAüc, of di
tQydrui ollyoi.

allgemeiner Wunfeh. Unfere Wünfche haben fich nun
rafch in einen aufrichtigen Dank verwandeln dürfen, als
das neue Werk wirklich erfchien. Dasfelbe führt fich als
eine Fortfetzung jener Unterfuchungen zur Quellen-

Es erübrigt uns jetzt nur noch ein Blick auf den kritik des Epiphanius ein. In den Hauptpunkten, er
letzten Abfchnitt des Scrivencr'fchen Buchs, enthaltend , klärt der Verf., habe fich ihm feine frühere Auffaffung
die Application of the foregoing matcrials and principles des Quellenverhältnifses von Neuem beftätigt, ,allerlei
to the criticism of sclect passages of the New Testament, j morfches und anbrüchiges Geftein' aber habe er entfer-

Je unbedenklicher in dcn«illermeiften Fällen den hier getroffenen
Entfcheidungen zugeftimmt werden kann, defto
mehr überrafcht es, in einem Pralle mit aller Entfchie-
denheit eine Anficht vertreten zu fehen, welche in
Deutfchland längft aufgehört hat Gcgenftand der Con-

nen müffen. Ref. will mit dem Verf. nun darüber nicht
rechten, ob die in der Vorrede fo gewählten Ausdrücke
und Bilder wirklich treffend das Verhaltnifs der älteren
Arbeit von 1865 und der vorliegenden neuen bezeichnen
Gleichnifse hinken ja immer —; feine Pflicht ift es

troverfe zu fein. Schon in der erften Auflage feiner In- vielmehr an erfter Stelle hervorzuheben, in wie ho
troduetion hatte Scr. fich für die Echtheit von Marc. 16, I hem Grade durch die neue Arbeit die Sache gefördert
9—20 ausgefprochen und findet fich jetzt durch das in- worden ift, wie viel neue Fragen — das untrügliche
zwifchen erfchienene Buch J. W. Burgon's, The laste Kennzeichen lebendigen Fortfehritts — nun aufgetaucht
keelve verses of the Gospel aecording to S. Mark vindi- find und wie manches alte drückende Problem nun als
cated against 'recent ohjectors and established (Oxford und gelöft aus der Bahn gerückt worden ift. Hatte Lipfius in
London 1871), darin nur noch beftärkt. Ref. bedauert, dafs j feinem erften Werke fehr mit Recht behufs Unterfuchung
ihm die genannte Monographie bisher nicht zugänglich j der Quellenverhältnifse feinen Ausgangspunkt beim Ende
war, bezweifelt es aber, dafs die Kenntnifsnahme derfelben . des vierten Jahrhunderts genommen und den Weg von da
ihn in feiner bisherigen Anficht über den fraglichen Ab- 1 aufwärts eingefchlagen, fo konnteer nun den umgekehrten
fchnitt irre machen wird. Denn mag man die äufseren Weg wählen unter Vorausfetzung einiger allgemein an-
Zeugnifse für denfelbcn deuten und wenden wie man erkannter Ergebnifse jenes erften kritifchen Ganges, zu
will, fo wird man damit doch nur das hohe Alter diefes denen freilich auch die Einficht gehörte, dafs man auf
Zufatzes erweifen, niemals die fo fchwer in die Wag- dem Wege von unten nach oben nie bis zum letzten
fchale fallenden inneren Gründe dagegen entkräften Ziele gelangen werde. Dem Ref. folgend beginnt er dies-
können. Schwankend, doch mehr der Unechthcit zuge- | mal nach einer kurzen Einleitung (S. 1 — 5) mit Juftin.
neigt, ift Scrivener's Urtheil über die Pericope von der ] Eine Unterfuchung über die Angaben Juitin's betreffs
Ehebrecherin. Er möchte es nicht für völlig undenkbar feines Syntagma's wider alle Ketzereien eröffnet die Ar-
haltcn, dafs fie zwar auf den Apoftel felbft zurückgehe, beit, woran fich eine Kritik der hegefippifchen Ketzer-

uns aber auf einem von der fonftigen Uebcrlieferung der
heiligen Schrift völlig verfchiedenen Wege erhalten fei.
Hier nämlich fowie Joh. 5, ßf. 13, 26 u. f. denkt Scr.

lifte fchliefst (S. 5—36). Im 2—4. Abfchnitte werden die
härefeologifchen Quellen des Irenäus, Tertullian, Orige-
nes (und Clemens Alex.) befprochen (S. 36—90;. Dann

an die Möglichkeit von Zufätzen und Acnderungen, mit : folgen Abfchnitt 5—7 (S. 91 — 179) die Unterfuchungen
welchen die Verfaffer felbft nachträglich ihre Schriften über das verloren gegangene Syntagma Hippolyt's 'Zeit
verfahen, nachdem fie fie vorher ohne diefelben hatten und Ort feiner Abfaffung, Quellen deffelben u. f. w.), und
ausgehen laffen. Dafs hieraus manche anfeheinend als im 8. Abfchnitt, der den Befchlufs bildet (S. 179—190,.,
völlig gleichberechtigt nebeneinander überlieferte Lesarten wird das Verhältnifs, welches zwifchen Tertullian und
fich erklären könnten (z. B. Act. 20, 4. 15. 24, 6 f.), Hippolyt obwaltet, behandelt. Zwei fehr ausführliche
wollen wir nicht von vornherein in Abrede (teilen. Dafs und werthvolle Zugaben (I. der ältefte Gebrauch des Gno-
ein folcher Fall aber auch Joh. 7, 53—8, 11 vorliege, ftikernamens S. 191— 225. II. Das Zeitalter Markion's S. 225

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