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Ausgabe:

1876 Nr. 4

Spalte:

109-113

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Leimbach, Carl L.

Titel/Untertitel:

Das Papiasfragment. Exegetische Untersuchung des Fragmentes u. Kritik der gleichnamigen Schrift von Weiffenbach 1876

Rezensent:

Weizsäcker, Carl

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109 Theologifche Literaturzeitung. 1876. No. 4. 110

fieberen Krkenntnifs der Perfon und der Gefchichte Jefu. I führt aber offenbar eine neue Claffe von folchen Autori-
Von diefem Gefichtspunkte geleitet bietet der Verfaffer j täten ein, welche Papias nicht anerkennt, und zwar mit
hier eine deutfehe Ueberfetzung von zwei Grundlagen | Steigerung. Er wollte nichts von denen, welche ohne
der fynoptifchen Berichte im Zufammenhange. Aber j Sorge um die Wahrheit nur den Stoff häuften, aber auch
das Verfahren hierbei gibt Anlafs zu gerechten Bedenken, nicht (noch weniger) von denen, welche fremdartige
Eher noch kann man fich mit der Darftellung des Ur- j {tilközgiog nicht blofs die eines anderen) Anweifungen
evangeliums nach Markus mit Einfchaltung der Ver- ] mittheilen. Im dritten Satze, dem wichtigften, ift es nicht
fuchungsgefchichte und der Lukas'fchen Bergpredigt be- berechtigt: si ds nov xal nagiyxokov&rjxmg zig—'h'k&ot,
freunden, obwohl fchon diefe Zugaben fehr fraglich find, j zu überfetzen: fo oft aber auch irgend einer — kam;
und der Text des Markus ficher nicht als ein urevan- doch ift dies untergeordnet. Dagegen bekämpft Leim-
gelifcher Text geboten werden darf. Aber was foll man t bach ohne Zweifel glücklich die Holtzmann-Weiffenbach'-
zu dem zweiten Stücke, der älteften Spruchfammlung j fche Erklärung der Worte:zovg ztov ngsoßvzsgoov dvsxgi-
fagen, welche hier geboten wird? Der Verfaffer nimmt I vov Xöyovg' zi 'Avögsag— slnsv etc., welche diefelben fo
zwei ältefte Sammlungen an , die Reden des Matthäus, ; verheilt: er habe die Presbyterjünger gefragt nach folchen
und den Reifebericht des Lukas. Schon getrennt find 1 Berichten der Presbyter, in welchen erzählt war, was An-
diefelben von ganz ungleichem Werth. Er hat Tie aber j dreas etc. gefagt haben. Er kehrt auch hier zu der her-
nicht für fich gegeben, fondern beide fo ungleichartige ; gebrachten und natürlichen Auffaffung zurück, wonach
Quellen zu einem Ganzen vereinigt, welches nun hier als ; Papias fagt: er habe bei diefen Presbyterjüngern nach
ältefte Spruchfammlung erfcheint. Dies ift nicht mehr j den Worten der Presbyter geforfcht, nämlich danach,
ein Ergebnifs der Wiffenfchaft zu nennen, fondern der ! was Andreas etc., das heifst eben die Presbyter gefagt
Dichtung. Und wenn wir in unferen fynoptifchen Evan- j haben. Nicht glücklich aber ift Lcimbach's Erklärung
gehen Compofitionen finden, welche ältere Quellen ver- der letzten Theilc diefes Satzes, von //' rtg £t£poe an. Er
einigt haben, fo find diefe Evangelien doch immer noch ! lieft nämlich mit anderen ij zig szsgog xcöv zov xvglov

urfprünglicher, als eine folche freie und willkürliche Com- j ua%rjzcov (feil, sinev), a zs'Agioxlaiv--keyovötv, und über-

pofition der Gegenwart. Ich geftehe daher, dafs ich i fetzt: oder welcher andere von den Jüngern Jefu etwas
glaube, das Lefen der kanonifchen Evangelien führe der ' gefagt habe, was ebenfowohl Ariftion als der Presbyter
wirklichen Gefchichte näher, als das Lefen diefes neueften Johannes —■ fagen. Die Nachfrage nach den einfügen
Evangeliums. ; Berichten der Presbyter Andreas etc. hätte dann nur den

Tübingen. C Weizfäcker i Sinn, dafs durch diefelben eine Controle gegeben werden

_"____'__ I follte für die Ausfagen des Ariftion etc. Aber diefe Erklärung
ift unmöglich vor allem, weilä zs 'Agiozloov xal etc.
nicht heifsen kann: ebenfowohl Ariftion als der Presbyter
Johannes, weil mit anderen Worten ts dann nach
l/ptßriwv flehen müfste. Aber auch der Uebergang von
der Frage xl 'Avögsag — slnsv — zu zig szsgog (slnsv) a 'Agi-
Ozibiv—ksyovGiv ift ebenfo unnatürlich, als der diefer Satzabtheilung
zugefchriebene Gedanke unklar ausgedrückt
wäre. Uebrigens hat Leimbach darin ganz Recht, dafs
ihn in der gewöhnlichen Auslegung die Auffaffung des
a zs als Fragewort nach xl — slnsv ftört, diefer Uebergang
ift durchaus befremdlich. Und auch das hebt er
mit Grund hervor, dafs man nicht fo ohne weiteres vorausfetzen
darf, der Schriftftcller habe nach blofser Laune
gefchrieben ij' zig i'zsgog, wo er f, szsgog zig fchreiben
follte. Es geht daraus wohl hervor, dafs wir trotz aller
umfangreichen Bearbeitungen und alles Streites in der
Erklärung diefes Satzes noch nicht am Ende find, und
fo will ich denn auch hier einen Vorfchlag machen, nicht
gerade aus Luft an Vermehrung der Hypothefen. Wenn
man das « in a zs 'Agiozicov etc. nicht gut als Fragewort faffen
kann, noch weniger aber eine Gelegenheit da ift, es als
Relativ zu faffen, fo bleibt nur noch der Ausweg, dafs
es mit zs verbunden und azs als Partikel ^xaüänsg genommen
wird. Dafs es fo mit dem Verbum finitum vorkommen
kann, ift aufser Zweifel, doch wäre, fo viel ich
weifs, der Sprachgebrauch der fpäteren Profa noch zu
unterfuchen. Einer näheren Ausführung kann ich mich
hier um fo mehr enthalten, als wie ich glaube, die Ent-
fcheidung über die Hauptfache unabhängig von diefer
Frage ift. Aber auch das müffen wir dem Verfaffer zugeben
, dafs die Stellung von zig vor szsgog ihren behinderen
Grund haben mufs. Sie ift aber erklärt, wenn man
annimmt, dafs es nicht heifsen foll: ein anderer von der
gleichen Kategorie, fondern: irgend einer, der einer anderen
Kategorie angehört, übrigens doch zu den uavtjzal
zov xvglov gehört. Wir haben dann einen Uebergang
von einer Kategorie zur andern, ähnlich wie Gal. 1, 19.
— Endlich müffen wir zur Erklärung des dritten Satzes
noch anführen, dafs Leimbach recht gut übereinftimmend
mit früheren darthut, dafs die ngsoßvzsgoi des Papias die
Autorität der erften Generation bedeuten, alfo die Apoftel
mitbefaffen. Nur hat er zu viel bewiefen, wenn er einen
entfprechenden Sinn auch bei Irenacus überall da nach.

Leim bach, Palt. Lic. Lehr. Dr. Carl L., Das Papias-

fragment. Exegetifchc Unterfuchung des Fragmentes
[Eufebius, hist. eceles. III, 39, 3 — 4I u. Kritik der
gleichnamigen Schrift von Lic. Dr. Weiffenbach. Gotha
1875, F. A. Perthes. (XVIII, 129 S. gr. 8.) M. 2. 40.

Man kann diefer neuen Monographie über das Papias-
fragment das Zeugnifs einer gründlichen und fcharf-
finnigen Unterfuchung nicht vertagen, und doch mufs
man Angefichts dcrfelbcn zweifeln, ob der Eifer der Erklärung
, in welchem jetzt über die vier von Eufebius
aufbewahrten, der Einleitung des Papias entnommenen
Sätze ganze Bücher gefchrieben werden, das wirkliche
Verftändnifs fördert. Schädlich ift hierbei von vorneherein
das Abfehen auf die Johannesfrage, welches doch auch
hier, wenn nicht der leitende Gefichtspunkt, fo doch ein
bewegendes Moment ift; fchädlich kann aber auch die
peinliche Worterklärung werden, wenn fie fich in immer
neuen Möglichkeiten erfchöpft. Der Verfaffer ift dabei
überdies fortwährend von der Abficht beftimmt, die
Schlüffe und Ergebnifsc der Wciffcnbach'fchen Arbeit zu
berichtigen, und hat dabei dem klaren Gange feiner
eigenen Unterfuchung faft Eintrag gethan. Seine Ergeb-
nifse find im wefentlichen folgende. Im erften Satze:
ovx 6xvr)0(O de 601 xal boa noxls etc. beftreitet er zunächft
Weiffcnbach's Auffaffung, dafs diefes xai das erfte Glied
eines xai-xal fei, deffen zweites dann im dritten Satze st
ös nov xal nagnxokov^vxcög zig nachfolge, und hält daftm
feft, dafs jenes xal des erften Satzes mit ,auch' zu überfetzen
fei und alfo auf etwas vorangehendes zurückweife.
Ebenfo beftreitet er im erften Satze bei Gvyxazazdtai xaig
sgurjvsimg die Erklärung: dafs Papias die der Tradition
entnommenen Sprüche mit Erläuterungen (über fie felbft)
verbinden wolle, und hält an der älteren Auffaffung feft,
wonach Papias hier fagt, dafs er zu feinen Erläuterungen
(koyiav xvgiaxäv s%rjynGsig) auch noch Sprüche aus der
Tradition "beifügen wolle. Man wird ihm in beiden
Fällen Recht geben müffen. Der zweite Satz des Fragments
bietet bekanntlich weniger Schwierigkeiten. Eines
feheint aber in Lcimbach's Ueberfetzung nicht richtig.
Er meint nämlich: twds zoig zag dUozgiag svzokag fivnuo-
vsvovcitv, heifsc: und zwar nicht zu denen. Diefes ovös