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Ausgabe:

1876 Nr. 3

Spalte:

81-85

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rossi, G. B. de

Titel/Untertitel:

Musaici cristiani e saggi dei pavimenti delle Chiese di Roma anteriori al secolo XV 1876

Rezensent:

Brockhaus, Clemens Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 3.

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gefchriebene, je mehr Tie in die Hände des Clerus als
des hauptfächlichften Trägers der Cultur in der Zertrümmerung
der alten Welt gelangt, defto wichtiger ift
es dann wieder im Einzelnen theils das Verfchmelzen
der altrümifchen Culturelemente mit den chriftlichen, theils
das naive Nebeneinanderherlaufen beider zu beobachten.
Ganz befonders für diefe fpätern Zeiten wird gewifs vielen
Theologen, wie dem Referenten, ein fo zuverläffiger Führer
willkommen fein. — Der verehrte Verfaffer wird es
nicht als eine Krittelei anfehen, wenn Ref. fchliefslich
ein paar Defiderata nennt, die fich ihm zufällig aufgedrängt
haben. Bei 408 No. 7 find aufser Acht ge-
laffen die von Mai, Script. Vett. nova Coli. III, 2 ver- i
öffentlichten Commentare des C. Marius Victorinus (Viel.
Philosoplms), wonach das Gefagte einer Berichtigung bedarf
(beiläufig mag erwähnt werden, dafs in demfelben |
jü". No. 1, hinfichtlich des dort erwähnten Victorinus
Petabionensis auf das Fragment bei Cavc, Script, ecel. hisl.
lit. p. 95 verwiefen werden konnte). Bei ^ 418, 2 ift dem
Verfaffer entgangen, dafs die von Pitra dem Hilarius zuge- !
fchriebnen Commentare über die kleinen paulin. Briefe, wie
Jacobi in vier Hallifchen Univerfitätsprogrammen (1855 ff.)
nachgewiefen, nur die lateinifche Ueberfetzung aus dem
Griechifchen des Theodor von Mopsveftia enthalten. Bei
Pelagius (443) durfte erwähnt werden, dafs deffen expo-
sitioncs in cpistolas Pauli fich, allerdings nur in katholi-
firender Ueberarbeitung, in den Werken des Hieronymus [
{cd. Vall. XI, 835 sqq.) erhalten haben. Bei Arnobius
dem Jüngern (469, 1) wäre die edit. prineeps der Schrift
conflictus de deo trino etc. von Feuardentius zu erwähnen
gewefen, welche diefer feiner Irenaeusausgabe (Col. 1596)
angehängt hat, daher die Schrift fich auch in andern
Irenäusausgaben beigegeben findet.

Kiel. W. Möller.

Rossi. G. B. De, Musaici cristiani e saggi dei pavimenti
delle Chiese di Roma anteriori al secolo XV. Tavole |
cromolitografiche con cenni ftorici e critici. Fase. 1—6. j
Roma 1872—75, Spithoever.

Das unter dem angeführten Titel in der Herausgabe
begriffene Prachtwerk des genialen Archäologen gehört j
in erfter Reihe der Kunftgefchichte an und füllt eine [
wefentliche Lücke in dem Apparat derfelben aus. Dennoch
verdient es im vollen Umfang auch Berückfichtigung
feitens eines theologifchen Publikums. Ks ift ja unferer j
Tage wohl allgemein zugeftanden, dafs eine Kenntnifs- 1
nähme der chriftlichen Kunft für den gebildeten Theologen
keine indifferente Luxusfache, fondern eine ideale !
Pflicht fei, und dafs die lange Vernachläffigung derfelben
in theologifchen Kreifen nicht nur fo viel hiefs, als fich
eins der fchönften und reichften Gebiete des chriftlichen
Schaffensgeiftes verfchliefsen, fondern auch eine Quelle
unbenutzt laffen, aus der ein fonft oft gar nicht zu gewinnender
Einblick in das Cultur- und Geiftesleben der
chriftlichen Vergangenheit möglich wird, aus der manche ,
dunkle Partien der chriftlichen Literatur Licht enipfangen, J
und ein nicht zu unterfchätzendes Mittel, auf (Sb ideale j
Empfänglichkeit der Gemeinde zu wirken, gefchaffen
werden kann.

Unter den chriftlichen Kunftwerken gehören die in
der Mofaiktechnik ausgeführten zweifellos zu den inter-
effanteften. Es ift bekannt, dafs diefe Kunftgattung, aus J
dem claffifchen Alterthum in die chriftliche Welt mit ,
hinübergenommen, von der conftantinifchen Zeit an bis
ins Mittelalter hinein zur innern und äufsern Ausfchmü-
ckung der Kirchen angewendet wurde, und namentlich
in der altchriftlichen Zeit, bei dem Zurücktreten der ;
Plaftik, faft die einzigen Refte monumentaler bildender
Kunft enthält. Abgefehen von der wunderbaren Dauer- |
haftigkeit der Technik, durch die viele mufivifche Darftellungen
faft unverletzt auf uns gekommen find, der

hohen Vollendung, die bei den Mofaiken der Blüthezeit
aus der Grofsartigkeit der Zeichnung und der frifchen und
harmonifchen Zufarnmenftellung der Farben fpricht, find
fie namentlich bedeutend durch den Charakter zugleich
feierlicher und dufterer Majeftät, mit der ihre beften
Erzeugniffe wirken, und durch'den eingehenden und
originellen Vorwurf, den fie zur Ausführung bringen.
Wir haben hier die erften monumentalen Porträtge-
ftalten Chrifti, der Apoftel, der vornehmften Heiligen,
und einzelner hervorragender Fürften. Hier jene grofs-
artigen Compofitionen aus der Apokalypfe, die Anbetung
deffen, der das A und das „<i, der Erfte und
j der Letzte, die Welt regiert und richtet, fodann einen
reichen Cyklus biblifcher Darftellungen, gewiffermafsen
eine Bibelilluftration an den Wänden, in eigenthüm-
I lichfter von den fpäteren durchaus verfchiedener Auf-
faffung, zum feierlichen Schmuck der Kirche, aber auch
zur Belehrung der Gemeinde beftimmt.

Es fehlte bisher an einem Werke, das diefe Mofaiken
in einem kunfthiftorifchen und archäologifchen Zufam-
menhang behandelte und namentlich durch entfprechende
bildliche Wiedergabe dem, der die Originale nicht felbft
gefehn hat, einen Begriff von ihrer Eigenthümlichkeit gewährte
. Das ältere Werk von Ciampini über die Mofaiken
Roms genügt trotz feiner Verdienfte namentlich
wegen feinen zum Theil ungenauen, jedenfalls rohen
bildlichen Darftellungen nicht mehr; beffer ift die bildliche
Wiedergabe der hauptfächlichften römifchen Mofaiken
I in dem Werke von Gutenfohn und Knapp, dieBafiliken
des chriftlichen Rom. In einzelnen Prachtwerken wurde
dann auch verfucht, den malerifchen Charakter diefer
b-Mofaiken wiederzugeben, fo in Gally Knights Werk
über die italienifchen Kirchen, in Hübfch's allchriftlichen
Kirchen; indeffen fehlte diefen Abbildungen doch das
Eigentümliche des Mofaikencharakters. Und nach der
Seite haben für die byzantinifchen Kirchen das Werk von
j Texier undPullan, für die römifchen das von de Roffi
I das Aufserordentlichfte geleiftet, was die Vervollkomm-
l nung des Kunftdruckes nur irgendwie hervorbringen
konnte. In der That ift diefe vorliegende Publication
de Roffi's nicht nur dem Namen nach ein Prachtwerk,
das in Anfchaulichkeit und Charakteriftik der Abbildungen
weit über den Tafeln zu feiner Roma sotlerranca, und was
Richtigkeit der Darftellungen anbelangt, weit über den
Perret'fchen Katakombenbildern fteht. Uns ift kein Bei-
| fpiel bekannt, dafs die Chromolithographie fo Vorzügliches
1 geleiftet hätte, als hier. Der photographifchen Treue der
Zeichnung gefeilt fich eine Genauigkeit der Farbenwieder-
i gäbe zu, die nicht nur den gröfseren Partien, fondern
I dem Farbencharakter jedes Steinchens gerecht wird, und
es wird dadurch ein Studium der Mofaiken ermöglicht,
das oft an Ort und Stelle nur mit gröfstem Aufwand
an Zeit und Anftrengung durchzuführen ift, und das
den, der die Originale gefehn, erft zum vollen Ver-
ftändnifs derfelben zu führen, den, der fie zu fehn
vor hat, in geeignetfter Weife vorzubereiten im Stande
ift. Zu diefen ausgezeichneten Abbildungen, bei deren
j Ausführung dem Zeichner und Drucker fowie dem
Verleger in erfter Reihe die Ehre gebührt, kommt
der ausgezeichnete erläuternde Text de Roffi's, der zu
den Tafeln italienifch und in beigefügter franzöfifcher
1 Ueberfetzung gegeben ift. Allerdings enthält er noch
nicht die allgemeineren Erörterungen über den Gegen-
ftand, den wir in einer Einleitung zu finden gewohnt
find, fondern es find diefelben erft am Schluffe des
: Werkes in Ausficht geftellt; auch find die Besprechungen
zu den einzelnen Tafeln einmal dem Plane des
ganzen Werkes gemäfs fehr knapp und, wenn man will,
fehr vornehm gehalten, d. |h. de Roffi fetzt die allge-
[ meinen Kentniffe, auf die es beim Verftändnifs der Mofaiken
ankommt, voraus, und befchränkt fich wefentlich
darauf, befondere Eigenthümlichkeiten der Bilder und In-
fchriften zu erörtern, und feine von den hergebrachten