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Ausgabe:

1876

Spalte:

635-637

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hamburger, J.

Titel/Untertitel:

Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud. II. Abth., Heft 1 u. 2 1876

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche' Literaturzeitung. 1876. Nr. 25.

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resp. die Dageffirung, nur die kleinere Zahl auf die [ Galiläa u. a.), die Naturgefchichte (durch Artikel wie
Vocalifirung. Darnach beruht der Hauptvverth der erften 1 Eule, Feuerthiere, Früchte, Gartenpflanzen, Gartenblumcn
Abtheilung auf der Möglichkeit, die Concordanz nach j etc.) und die Medicin (Aderlaffen, Augenkrankheiten,
der Mafora zu controliren und zu berichtigen; in der 1 Geburt u. a.); flärker die. Ge fc h ich t e (Agrippa I u. II,
zweiten Abtheilung find von befonderer Wichtigkeit die Alexander d. Gr., Antiochus, Antoninus, Barkochba,
maforct. Angaben über die Eigennamen, betreffs deren Chaber, Chafidim, Diocletianus, Effäer, Exilarch, Felix,
uns die Concordanz verläfst, vielfach auch die über die Feftus, Florus, Griechenthum, grofse Synode, Hadrian,
Partikeln. — Ueber den Gebrauch veralteter termini, | Hadrianifche Verfolgungsedicte). Viele Artikel find natür-
wie futurum für imperfectum, wollen wir mit dem Verf. j lieh den talmudifchcn Gefetzeslehrern gewidmet
nicht rechten; dagegen hätten wir die Ueberficht über ! (Abaji, Abbahu, Akiba, Antigonus von Socho, Chanina,
die maforetifchen termini und Abkürzungen theils voll- , Chia, üofa, Elafar, Eliefer b. Hyrkanos , Elifa b. Abuja,
ftändiger , theils minder knapp in der fprachlichen Gamaliel I und II, u. a.). Wenige, aber umfangreiche
Erklärung gewünfeht. Wenn auch ein aufmerkfamer | Artikel befchäftigen fich mit der inneren Seite der
Lefer bald die Bedeutung des Mf. Mm.Mp. {Mas. finalis, talmudifchcn 1-iteratu rgcfchi ch te (Agada, Alle-
magna, parva) erräth, fo wird er doch nicht fo fchnell 1 gorie, Exegefe, Fabel). Ferner find behandelt die gottes-
darauf verfallen, in ia'73 die Minchat schaj des Salomo dienftlichen Alterthümer (Abendgebet, Ethrog,
Norzi und in s'is die Oclilali w ochlali Frensdorffs Gebetsfprache, Händewafchcn, Haftara), die Rechts-
wieder zu finden. Ferner fehlen Ausdrücke wie rji30, ' alterthümer (Abbethdin, Auslöfung der Gefangenen,
nb (z. B. Mp. Deut. 32, 6), c-";r {Gen. 5, 29); Abbre- j Genealogie) und die Privatalterthümer (Abend, Ab

viaturen wie b 3£D, p T3, 0 y etc. Die Erklärung der ter
mini befchränkt fleh meift auf die Angabe eines mehr
oder weniger entfprechenden deutfehen Ausdrucks und

fchied, Familie, Gefelligkeit). Endlich ift auch das ganze
Gebiet der Glaubens- und Sittenlehre und des Aberglaubens
mithereingezogen (Abhängigkeit von Gott,

läfst dann die Punctation doppelt vermiffen. Was denkt Armilus, Afchmedai, Bathkol, Bekehrung, Belebung der
fich z.B. der Unkundige unter xdn = 53" ,ift'? x 2*x würde ; Todten, Befferung, Beftimmung, Böfer Blick, Bufsfertiger,
ihn fchon eher auf die richtige Spur bringen, noch beffer Bufsmahnungen, Dogmen, Ewiges Leben, Geheimlchre,
aber wäre eine wirkliche Erklärung der Zufammenfetzung. I Geift und Leib, Geifter, Gottesfurcht).
i8b wird xnc:: (unter n':; p. 9 fehlt das Wort) ohne | Es ilt, wie man fieht, ein buntes Mancherlei, das
weiteres mit ,Lefeart' erklärt; ficher irrig ift endlich 1 uns hier vorgeführt wird. Und doch müffen wir fagen:
p. I2b die Erklärung von -es wr-n (in Bezug auf Ps. 119) I es fehlt die Hauptfache. Eine talmudifche Rcal-Ency-
mit ,8 Alphabethe'. Vielmehr ift einfach 's.x ,Arten' zu ' clopädie müfste vor allem den eigentlichen Inhalt des
lefen, und der Ausdruck geht auf die 8 .Abwandlungen' j Talmud zur Darftellung bringen, d. h. die mit fo überaus
desfelben Confonanten, daher auch der Zufatz (im 1 grofser cafuiftifchcr Kunft ausgebauten gefetzlichen

Alphabeth) gar nicht ,eigenthümlich' ift. P. naZ. 8 inf. Beftimmungen desfelben, alfo das talmudifche Recht,
lies: Ah/m. 25, 12. — Zu DPS p. 24ia ift die Frage, ob Dies gefchieht aber viel zu wenig. Die meiften Artikel
die Mafora wirklich diefc Punctation verlangt in Wider- über Opfer und Abgaben, über Fefte und Reinigungen
fpruch mit Kirnehi Mikhlol, 216', welcher z" fordert. — fehlen hier ganz, und find nur in der erften Abtheilung
Vielleicht gefällt es dem Verf., in Verbindung mit der ■ behandelt. Dort ift zwar auch die fpätere talmudifche
für die fpäteren Bände verheifsenen ausführlichen Ein- ' Entwicklung bertickfichtigt; aber keineswegs in genü-
leitung einige der oben geltend gemachten desiderata zu ; gender Weife. Von den Subtilitäten der talmudifchcn
erfüllen; jedenfalls thun diefelben dem Werth der Gabe, 1 Jurisprudenz erhält man durch das dort Gebotene keine
die er der Wiffenfchaft geboten hat, und unferem leb- 1 Ahnung. Dies hat freilich feinen tiefern Grund. Der Verhaften
Danke für diefelbe keinen Eintrag. faffer rechnet offenbar gerade das, was das eigentliche
Roffi v t^o,,t-,rVv, i Wefen des Talmud ausmacht, nämlich die Genauigkeit

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und Peinlichkeit (einer gefetzlichen Beftimmungen, nicht

Hamburger, Landrabb. Dr. J., Real-Encyclopädie für Bibel
und Talmud. Wörterbuch zum Handgebrauch für
Bibelfreunde, Theologen, Juriften, Gemeinde- und
Schulvorfteher, Lehrer etc. Abth. II, Heft 1—2.
A — Haftara. Neuftrelitz 1874—75, Barnewitz. (336 S.
Lex.-8.) M. 6. —

Die im Jahre 1870 vollendete erfle Abtheilung diefes
Werkes enthält ,Dic biblifchen Artikel'. Die nun folgende
zweite Abtheilung foll ,Dic talmudifchcn Artikel' um-
faffen, wovon bis jetzt zwei Hefte, bis zum Artikel
,Haftara' gehend, vorliegen. Während fchon die erfte
Abtheilung fich von den verwandten Werken Winer's
und Schenkel's hauptfächlich dadurch unterfchied, dafs
bei vielen der aufgenommenen Artikel auch die talmudifche
Entwickelungsperiode mitberückfichtigt wurde, ift
diefe zweite Abtheilung ausfchliefslich der talmudifchen
Zeit gewidmet. Sie foll, wie die Vorrede zur erften Abtheilung
fagt, das ,Wiffenswürdige' des talmudifchen
Schriftthums nach den Refultaten wiffenfehaftlicher For-
fchung in leichtfafslicher Darfteilung zufammenfaffen.
Die Anordnung des Stoffs ift auch hier wieder die lexi-

zu dem ,Wiffcnswürdigen', welches er daraus mittheilen
will. Ihm ift es mehr um das zu thun, was auch dem
modernen Menfchen noch geniefsbar ift: um Gefchichte
und Sage, Glaube und Sitte. Deshalb wird nirgends mit
juriftifchcr Schärfe auf das Detail der talmudifchen Beftimmungen
eingegangen. In dem Artikel über das
.Händewafchen' z. B. wird nicht einmal der fundamentale
Unterfchied zwifchen ,Begiefsen' und .Untertauchen' der
Hände erwähnt, gefchweige denn dafs näher auf die
Sache eingegangen würde Statt deffen erhalten wir eine
Apologie der Cercmonie des Händewafchens überhaupt.
Auch in den Artikeln über die einzelnen Gefetzeslehrer
ift das Augenmerk weit mehr auf die Sagen und Legenden
über fie als auf eine fcharfe Charakteriftik ihrer jurifti-
fchen Thätigkeit gerichtet.

Trotz diefes Mangels ift der Reichthum des gebotenen
Stoffes doch immer noch fo grofs, dafs auch der chrift-
liche Theologe nicht daran vorbeigehen darf. Man
ficht es dem Werke an, dafs es die Frucht jahrelang
fortgefetzten Sammelfleifses ift. Aber freilich nur als
reichhaltige Stofffammhing können wir es empfehlen.
Die fichtendc Kritik mufs der Lefer felbft üben. Ohne
jeglichen Verfuch einer kritifchenSonderung des I Iiftorifch-

kalifche. Die aufgenommenen Artikel umfaffen die ver- Sicheren und des Sagenhaften ift hier alles zufammen-
fchiedenartigften Lebensgebietc, wie fie eben von dem gehäuft, was der fammelndc Fleifs des Verfaffers im
unermefslichen Ocean der talmudifchen Literatur berührt • Laufe der Zeit fich erobert hat. . In dem Artikel über
werden. Verhältnifsmäfsigam fpärlichften berückfichtigt find ; Barkochba werden z. B. alle die abgefchmackten Dinge,
die Geographie (z. B. durch die Artikel: Alexandrien, j welche die glühende Phantafie fpäterer Jahrhunderte über
Antiochien, Armenien, Bethar, Cäfarea, Emmaus, Gadara, jenen Revolutionshelden ausgebrütet hat, als baare Münze,