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Ausgabe:

1876

Spalte:

43-45

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bensly, Rob. L.

Titel/Untertitel:

The missing fragment of the latin translation of the fourth book of Ezra, discovered and edited with an introduction and notes 1876

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 2.

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Probe mögen einige der Erklärungen zu Cap. 3 noch I allen bisherigen Herausgebern deffelben entgangen war.
Platz finden. V. 3: ,der Tag, an dem ich geboren werde'; J Er fiäumte nicht, die Handfchrift zu vergleichen; und
V. 10 ,die Pforten meines Leibes'. In V. 8 ift natürlich 1 fiehe da: fie enthielt das im Sang, und allen andern
das Krokodil gemeint, denn es kommt fonft im Hiob j Handfchriften fehlende Stück. In der obigen Publica -
,keine Spur' von mythologifchen Vorfiellungen vor. Wo j tion theilt er nun feinen Fund mit: den Text des ver-

fie angenommen werden, find fie überall von den Auslegern
hineingetragen, denen es an dem heil. Tact der
Schrift gebricht, die fich auf diefes profane Gebiet nicht
begiebt (S. 127 ff.; dem entfprechend ift 29, 18 nicht
vom Phönix, fondern vom Sande die Rede). V. 12: ,und
wozu fog ich an der Mutterbruft' (wegen Jerem. 20, 17
im Verfe vorher ,im Mutterleibe'); V. 14 ,Trümmer',
fpöttifch von bald wieder einfcürzenden Bauten; V. 19:
,Klein und Grofs ift dort'; die Faffung des hü' durch
,derfelbe' ergäbe keinen paffenden Sinn: flatt derfelbe
müfste es heifsen daffelbefi). V. 21 : ,die nach ihm
graben vor Schätzen'. Cap. 4, 2: ,Verflicht man ein
Wort an Dich, der Du müde bift' u. f. w. In 19, 23 ff.
findet H. die Hoffnung auf eine Wiederherftellung nach
dem Tode (wie fchon 14, 14 Glauben an die Unfterb-
lichkeit auf Seite des Verf., nur dafs er zur Löfung des
Problems keinen Gebrauch davon mache). — Es verfteht
fich, dafs alle die gemachten Ausflellungen nicht den
Sinn haben können, diefem Commentar — fo wenig er
für Anfänger geeignet fein dürfte — eine gewiffe Bedeutung
abzufprechen. H. fchrieb nie langweilig, und
wer an die Benutzung des Buches geht, um es vor allem
für die praktifche Auslegung des Hiob im Einzelnen zu
nutzen, der wird; unbeirrt durch die Schattenfeiten des
Buchs in ftreng wiffenfchaftlicher Hinficht, reichlich
feine Rechnung finden, insbefondere auch in den ein-
geftreuten Proben der älteren geifilichen Auslegung. Als
Probe einer feinfinnigen und im Gegenfatz zu der jetzt
herrfchenden Auffaffung fehr beachtenswerthen Darlegung
nennen wir z. B. den Paffus über den Satz, dafs
die Lehre von einer zukünftigen Vergeltung allein nicht

lorenen Stückes, zuerfl genau nach der Handfchrift
columnenweife gedruckt (p. 43 — 54), dann kritifch her-
geftellt mit reichhaltigem Commentar (p. 55—73). Der
Text ftimmt dem Sinne nach genau mit dem der orien-
talifchen Verfionen überein, namentlich mit dem der
befien unter ihnen: der fyrifchen.

Die Handfchrift, welcher wir diefe Bereicherung
verdanken, flammt aus der alten Bencdictiner-Abtei
Corbie bei Amiens {Corbeja vetus). Von dort kam fie
gegen Ende des vorigen Jahrhunderts nach Amiens, wo
fie in ftiller Verborgenheit liegen blieb, bis fie der
emfige Spürfinn des englifchen Gelehrten an's Licht
gezogen hat. Sie enthält die fämmtlichen Efrabücher
in folgender Ordnung und Zählung: Als L Efra die
kanonifchen Bücher Efra und Nehemia; als II. Efra
das apokryphifche Buch diefes Namens; als III. Efra
vdie beiden erften Capitel unferes fog. 4. Buches Efra ;
als IV. Efra diefes felbft (d. h. Cap. 3—14); endlich
als V. Efra die beiden letzten Capitel deffelben. Die
Handfchrift ift nicht nur ungefähr gleichen Alters mit
dem Sangermanensis, fondern auch hinfichtlich ihres
Textes, ihrer orthographifchen und grammatifchen Eigen-
thümlichkeiten mit demfelben nahe verwandt. Der Herausgeber
hat beide Handfchriften mit minutiöfer Sorgfalt
unterfucht, und giebt auf Grund feiner Unterfuchung
eine genaue Befchreibung der Textbefchaffenheit des
cod. A (fo nennt er die Handfchrift von Amiens) unter
fteter Vergleichung von S (S. 9—19). Jeder, der fich
mit Grammatik und Orthographie des altkirchlichen
Lateins befchäftigt, wird diefe Beobachtungen dankbar
zu berückfichtigen haben. Ein photographifches

ausreiche, das Problem des Buches Hiob zu löfen (vergl. I Facfimile giebt uns ein getreues Bild der neuentdeckten
S. 12 ff.). — Von finnftörenden Druckfehlern bemerken : Handfchriit. Gelegentlich hat der Herausgeber auch
wir nachträglich: S. 69, Z. 2 lies ,ächt'; S. 80, Z. 5 inf. j bemerkt, dafs der cod. Sangcrm. nach einer in ihm felbft
lies ,Befiegte'; S. 103, 10 inf. lies ,feierlichfte'; S. 255, | enthaltenen Notiz genau im J. 822 n. Chr. gefchrieben
Z. 11 v. u. lies jächdal'; S. 257, Z. 14 v. u. lies ,meine' ift 'p. 5).

(für ,deine'). Wenn fchon das Bisherige geeignet ift, dem Heraus-

Barei jr Kautzfeh geber unfern Dank zu fichern, fo wird derfelbe noch

wefentlich gefteigert infolge der Refultate, welche theils

Bensly, Rob. L., M. A., The missing fragment of the latin j Untersuchungen Gildem e ift er's über das Textyer-

haltnifs des cod. Sang, zu allen anderen Handfchriften,

translation of the fourth book of Ezra, discovered
and edited with an introduetion and notes. Cambridge
1875, at the University Press. [Leipzig, Brockhaus
Sort.] (95 S. gr. 4., mit 1 photograph. Facfim.)
geb. M. 10. —

Wer fich je mit dem 4. Buche Efra eingehender

theils die Unterfuchungen des Herausgebers über das
Verhältnifs von A zu S zu Tage gefördert haben.
Schon im Jahre 1865 hat Gildemeifter, wie er dem
Herausgeber brieflich mittheilte, bemerkt, dafs im Sang, an
der lückenhaften Stelle (genau zwifchen 7, 35 dormibnnt
und 7, 36 primus) ein Blatt ausgefchnitten ift; dafs alfo
der Codex urfprünglich die ganze Stelle enthalten haben
befchäftigt hat, wird durch die obige, in jeder Beziehung I müffe. Daraus ergab fich fofort der Schlufs, dafs fämmt

mufterhafte Publication in freudiges Erftaunen verfetzt
werden. Bekanntlich hat die lateinifche Ueberfetzung
jenes Buches, die wörtlichfte und darum wichtigfte von
allen, im 7. Capitel (zwifchen 7, 35 und 7, 36) eine nicht

liehe Handfchriften, deren Text genau diefelbe Lücke
hat, erft aus dem Sang, nach deffen Verftümmelung ge-
floffen find. Und diefen Schlufs fand G. durch eine
Vergleichung der Texte durchweg beftätigt. Der Herausunbeträchtliche
Lücke. Diefe läfst fich zwar aus den j geber hat diefes Refultat durch neue Beobachtungen
orientalifchen Verfionen dem Sinne nach vollftändig er- j noch mehr erhärtet, und zugleich dahin ergänzt, dafs
gänzen. Aber der Verluft des lateinifchen Textes ift : die neue Handfchrift von Amiens, trotz ihrer Verwandt-
damit doch nicht erfetzt. An die Möglichkeit einer fchaft mit S, doch dem Sang, als einziger unabhängiger
Wiederauffindung des fehlenden Stückes hat wohl längft i Zeuge ebenbürtig zur Seite trete (p. 19—31). Die Be

Niemand mehr gedacht; denn die Lücke findet fich fchon
in der älteften uns bekannten Handfchrift, dem cod.
Sangcrm. saec. IX, und fo auch in allen übrigen bisher
unterfuchten. Wider alles Erwarten kommt nun das
verlorene Stück plötzlich doch zum Vorfchein. Herr
Rob. Bensly, Bibliothekar zu Cambridge, fand in dem
bereits 1843 gedruckten Handfchriftenkatalog der Biblio-
theque Communale zu Amiens von J. Garnier u. a.
die Notiz, dafs die dortige Bibliothek eine Handfchrift
des 4. Buches Efra aus dem 9. Jahrh. enthalte, welche

weife für Beides find in der That völlig überzeugend.
Am fchlagendften find diejenigen Fälle, wo im Sang, und
in allen andern bisher unterfuchten Handfchriften infolge
eines Homoioteleuton eine Lücke ift, welche allein durch
A richtig ergänzt wird. So z. B. 7, 42: proplcr hoc
oravemnt [quipotuernnt] pro invalidis. Die eingeklammerten
Worte fehlen bei S und allen Andern. Die neueren
Herausgeber haben nach den orientalifchen Verfionen
validi ergänzt. Aber nur A giebt uns die richtige Lesart.
Andere Beifpiele f. S. 30. Durch diefes doppelte Re-