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Ausgabe:

1876

Spalte:

41-43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hengstenberg, E. W.

Titel/Untertitel:

Das Buch Hiob erläutert. Zwei Theile in einem Bande 1876

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

L Jahrgang. 22. Januar 1876. N°- 2.

Hengftenberg, Das Buch Hiob (Kautzfeh).

Bensly, The missing fragment of the latin
translation of the fourth book of Ezra
(Schürer).

llilgenfeld, Einleitung in das Neue Tefta-

Lightfoot, St. Paul's epistles to the Colos- , Schulz, Tabellen der Kirchengefchichte (Möl-

sians and to Philemon (Schürer).
Ewald, Die Lehre der Bibel v. Gott, 4. Bd.
(Baudiffin).

Hole mann, Die Reden des Satan (Kühler).
Köftlin, Martin Luther (Möller).

ment (Mangold). | Schwarz, Jakob Wimpheling (Plitt)

ler).

Hemann, Hartmann's Religion der Zukunft
(Kaftan).

Dillmann, Rede beim Antritt des Rectorats.
llofmann, Rede beim Antritt des Prorektorats
.

Hengstenberg, weil. Prof. Dr. E. W., Das Buch Hiob ! teriftifcher find die Stellen, wo fich zeigt, dafs die con-
erläutert. Zwei Theile in einem Bande. Leipzig 1875, | fequente Beibehaltung diefes Standpunkts felbft für ihn

Hinrichs' Verl. (XX, 311 u. XXIII, 364 S. gr. 8.)
M. 11. —

Der erfte Theil diefes opus postkumum Hengftenberg's
vdie Einleitung und den Commentar zu Cap. I—14 enthaltend
) erschien bereits 1870 in Berlin bei Schlawitz,
ift aber jetzt nach dem Uebergang in den neuen Verlag
mit dem 2. Theil vereinigt nochmals herausgegeben wor-

rein unmöglich war. Nicht feiten nämlich wird der Begriff
des Züchtigungsleidens unmerklich in den des
Läuterungs-, ja felbft den des Prüfungsleidens umgefetzt,
wie wenn z. B. S. 12 als der einzige praktifche Zweck
des Buches der angegeben wird ,dcn leidenden Gerechten
zu tröffen und zu ermahnen (vergl. S. 107)',
S. 17 als Löfung des Problems der Satz: Trübfal ift der
einzige Weg zum Reiche Gottes (vergl. bef. S. 69).

den. Dafs das Werk, dem jede Vorrede des Heraus- | Dabei ift unfehwer zu erkennen, wodurch eigentlich H.

gebers und felbft eine Notiz über denfelben mangelt, [ zu feiner fchiefen, dem Wortlaut des Prologs fo völlig

aus einem Collegienheft hervorgegangen ist, ergiebt sich widerfprechenden Grundanfchauung gekommen ist. Der

weniger aus der fehr ausführlichen und sorgfältig ausge- ! Grund ift kein anderer, als der abfolute Widerwille gegen

arbeiteten Einleitung, als aus dem Commentar selbst, jede kritifche Conceffion hinsichtlich der Reden des Elihu.

Nicht als ob es diefem an Sorgfalt gebräche, wohl aber Die Animirtheit, mit der H. diefen Punkt behandelt und

ift die Behandlung hinsichtlich der Ausführlichkeit eine , mit welcher er auch einem Delitzfch (S. 68) Zugeftändniffe

fehr ungleichartige, wie dies fchon die oben angegebenen
Seitenzahlen darthun; die exegetifche und grammatifche
Begründung (für letztere wird anfangs Böttcher citirt) be-

an die rationaliftifche Auffaffung vorwirft, zeigt deutlich,
dafs er fich unwillkürlich immer hitziger in den Ent-
fchlufs hineinredete, das kritifche Giftkraut damit gründschränkt
sich, je weiter die Auslegung fortschreitet, defto 1 lieh auszurotten, dafs er gerade in diefe Reden den
mehr nur auf das Allernöthigfte; von Gewährsmännern ; Schlüffel zum Ganzen und die Löfung des Problems

wird aufser einigen älteren faft nur Ewald angeführt,
refp. widerlegt — alles Dinge, die einem Collegienheft
nicht zum Vorwurf gemacht werden können. — Fragt
man nun, was bei einem Hiobcommentar immer in erfter
Linie in Betracht kommt, wie der Verf. das Problem des

verlegte. Elihu ift der Träger des ,Wiffens' in diefer
Sache (S. 47); dafs er als Jüngling dargeftellt wird, deutet
auf eine neue Offenbarung für das Volk Gottes. Alle
die bekannten, fchwerwiegenden Gründe gegen die
Urfprünglichkeit der Figur des Elihu werden mit der an

Gedichts benimmt habe und worin er die Lösung des- i H. gewohnten Fertigkeit in ebenfo viele Beweife für die
felben erblicke, fo wird zunächft die Erwartung nicht j Echtheit verwandelt; die letztere antaften, heifse dem

getäuscht, dafs er auch hier einen felbftändigen Weg
gegangen fein, und denfelben bis zu den äufserften Con-
fequenzen verfolgt haben werde. Leider müfsen wir aber
von vorn herein conftatiren, dafs ihn hier die Zähigkeit,
mit der er allezeit die einmal eingenommene Position zu
verfechten pflegte, zu gänzlich unhaltbaren Aufftellungen
getrieben hat. Die Grundanschauung, von der H. aus-

Buche die Augen ausftechen (S. 25). Wir müffen indefs
bekennen, dafs nicht leicht ein ftärkerer Beweis für die
Unnahbarkeit der Elihureden erbracht werden könnte,
als diefe verzweifelte Art ihrer Rettung durch Hengftenberg
. — Hinfichtlich der Entftehung des Gedichts
wird die Abfaffung im falomonifchen Zeitalter nur als
,wahrfcheinlich' bezeichnet (S. 63); der Verf. war ein

„cht, ift der Satz: alles Leiden ift Strafe, das Leiden 1 Israelit (S. 44) und fchrieb zu Jerusalem (S. 52); die An
Hiob's alfo ein Züchtigungsleiden und zu dem Behufe nähme eines hiftorifchen Kernes für die Gefchichte Hiob's
über ihn verhängt, die heilfame Erkenntnifs feiner tiefen ! ift rationaliftifch (S. 35 ff.); eher haben die Reden eine
Sündhaftigkeit in ihm zu erwecken. Für Jeden, der fehen j gefchichtliche Grundlage. — Die Art der Auslegung erwill
, läuft diefe Behauptung fo fchnurftracks der Anlage ; innert ganz an die des Pfalmencommentars. Zu den
d"es Ganzen und den klarften Ausfagen des Prologs zu- Vorzügen find zu rechnen: die klare und fliefsende Re-
wider, dafs H. zu den gewaltfamften Künften greifen producirung des Gedankengangs, die Wörtlichkeit der
niufs, um fie dennoch aufrecht zu erhalten. Da foll die Ueberfetzung (die freilich nicht feiten erft aus dem Com-
Selbftgerechtigkeit (nach S. 7) fchon früher der faule Fleck mentar verftändlich wird), fowie die Scheu vor allen un-
jn Hiob's Leben gewefen fein; das Kreuz foll bei Hiob eine nöthigen Conjecturen und Hypothefen in fprachlicher
Kr>fis herbeiführen (S. 97), deren letztes Refultat das ift, , Hinficht. Dagegen müffen wir wieder die endlofe Zah-
uafs die Schlacken der Selbftgerechtigkeit und des Hoch- lenfpielerei mit der 10, die fich in der 5 und 5 oder 7
muths von ihm ausgefchieden werden u. f. w. (vergl. j und 3 vollendet — die 7 wieder getheilt durch die 4 und
Dej- auch S. 105 und Iii). Aber je gefliffentlicher H. 3 — mit in Kauf nehmen, fonderbare Ueberfetzungen
-,ede Gelegenheit wahrnimmt, diefe Sätze immer aufs durch lexikalifche Machtfprüche gerechtfertigt fehen, bisneue
m die Auslegung hereinzuziehen, defto charak- 1 weilen auch eine eigentliche Begründung vermiffen. Als

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