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Ausgabe:

1876 Nr. 22

Spalte:

553-558

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harkavy, A.

Titel/Untertitel:

Catalog der hebräischen Bibelhandschriften 1876

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1. Jahrgang. 28. October 1876. N°- 22.

Hark'avy und Struck, Catalog der hebräifchen
Bibelhandfchriften der kaiferl. öffentl. Bibliothek
in St. Petersburg, I. u. 2. Tbl.
(Kautzich).

Strack, A. Firkowitfcli und feine Iintdeck-
ungen (Kautzfeh).

Patrum apostolicorum opera. Fase. II: Ignatii

et Polycarpi epiftulae martyria fragmenta. Graue, Der Mangel an Theologen und der

ed. Zahn (Ilarnack). wiffenschaftliche Werth des theologifchen

Heppe, Gefchichte der quietiflifchen Myftik Studiums (Kraufs).

in der katholifchen Kirche (Tfchackert). I Schufter, Die Ausbildung der Theologen im

Iloffmann (Chrph.), Occident und Orient. Prediger-Seminar des Klofters Loccum

Eine kulturgefchichtliche Betrachtung vom | . (Kraufs).

Standpunkte der Tempelgemeinden in Pa- Spitzer, Nominalismus und Realismus in der

läftina (Meier). neueftendeutfchenPhilofophie(E.Pfleiderer).

1) Harkavy. A., und H. L. Strack. Catalog der hebräischen
Bibelhandschriften der kaiferl. öffentlichen Bibliothek
in St. Petersburg. I. und 2. Thl. St. Petersburg 1875,
C. Ricker. 'Leipzig, Hinrichs.)

A. u. d. T.: Catalog der hebräischen und samaritanischen
Handschriften der kaiferl. öffentlichen Bibliothek in
St. Petersburg. Bd. I: der hebräifchen Bibelhandfchriften
1. und 2. Thl. (XIX, 296 S. gr. 8.) M. 6. —

2) Strack. Dr. Herrn. L., A. Firkowitsch und seine Entdeckungen
. Hin Grabstein den hebräifchen Grab-
fchriften der Krim. Leipzig 1876, Hinrichs. (III, 44 S.
gr. 8.) M. 1.—

Seit Pinner's ,Profpcctus der der Odeffaer Gcfellfchaft
für Gefchichte und Alterthümer gehörenden älteften hebräifchen
und rabbinifchen Manufcriptc' (üdeffa 1845) war
die Aufmerkfamkeit der europäifchen Hebraiftcn auf die
von dem Karäer Abraham Firkowitfch in Kupatoria ver-
anftaltcte Handfchriftenfammlung gerichtet. Ihre Bedeutung
beruhte nicht allein auf dem (angeblichen) überaus
hohen Alter einiger Manufcripte, fondern auch auf dem
merkwürdigen Inhalt verfchiedener Epigraphe zu den
Codices, der in Anwendung gebrachten Berechnung nach
der Exilirung der 10 Stämme u. a. in. »Die Spannung
wuchs noch, als fich aus den gleichfalls von Firkowitfch
gefammelten Grabinfchriften die Exiftenz von Judengemeinden
auf der Halbinfel Krim mindeftens feit Anfang
der chriftlichen Zeitrechnung zu ergeben fchien; um fo
weniger konnte man an der Möglichkeit zweifeln, dafs
fich im Schoofse diefer Gemeinden Handfchriften von
felbft i4oojährigem Alter erhalten haben könnten. Die
von einigen gegen die Echtheit oder doch die richtige
Lefung der Epigraphe geäufserten Bedenken drangen
entweder nicht in das gröfserc Publikum oder fchienen
nur Einzelheiten in Frage zu ltellcn. Der Wunfeh nach
einer gründlichen Aufhellung der Sachlage mufste indefs
lange feiner Erfüllung harren, auch nachdem die Sammlung
Firkowitfch's (1862) fammt der früheren in üdeffa
befindlichen (1863"1 von der käiferlichen Bibliothek in
Petersburg angekauft worden war. Doch fchien die
Echtheit der Epigraphe in der Hauptfache gefichert,
feit Prof. Chwolfon in Petersburg in feinen ,18 hebräifchen
Grabfchriften aus der Krim' (Petersburg 1865; für
beide' (die Epigraphe und die Grabfchriften) nachdrücklich
in die Schranken getreten war.

Durch die oben genannten Arbeiten Harkavy's und
Strack's ift nun endlich volles Licht über den wahren
Sachverhalt verbreitet worden. Auch ohne Autopfie der
Handfchriften und Grabfteinc wird fich kein Unbefangener

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dafs es den beiden Verfaffern gelungen ift, nicht nur die
Thatfache von Fälfchungen überhaupt, fondern auch die
Art und das Mafs derfelben, ihre Veranlaffung und ihre
Zwecke dem Lefer ad oculos zu demonftriren. Harkavy
hatte fich bereits 1870 für die Exiftenz von Fälfchungen
in den Epigraphen erklärt und Strack, der im Frühjahr
1873 nach Petersburg kam, hatte gleichfalls die Unecht-
heit vieler Beifchriften erkannt, ehe die gemeinfamc
Arbeit begann. Nach pag. XXVIII der Einleitung zum
Catalog waren die Verfaffer auch nachher bemüht, jede
einzelne Fälfchung unabhängig von einander zu finden,
um fich von ihrem Vorhandenfein defto ficherer zu überzeugen
'. Wenn nach den Mittheilungen auf pag. XXVIII
und XXXII des Catalogs und befonders nach pag. 41 der
unter 2) genannten Schrift der Hauptantheil an der Ab-
faffung des Catalogs Herrn Strack zufiel, welcher feine
Befähigung für eine folche Arbeit durch feine Prolego-
mena critica in vct. teß. hebr. (Lips. 1873) bereits hinlänglich
documentirt hatte, fo ift doch offenbar die Verbindung
desfelben mit Herrn Harkavy, welche eine
umfaffendere Benutzung von Hülfsmitteln auch in ruffi-
fcher Sprache ermöglichte, den Zwecken des Catalogs
fehr erfpriefslich gewefen.

Die Einleitung in den Catalog verbreitet fich zuerft
pag. I—XVIII über die Gefchichte der Erwerbung der
Handfchriften. Schon das im Auszug mitgctheilte Pro-
memoria Firkowitfch's von 185g an den damaligen Direc-
tor der Petersburger Bibliothek gewährt einen Einblick,
wie fich der fchlaue Fälfcher der Tragweite feiner Fic-
tionen wohl bewufst war, indem er mit befonderem Nachdruck
auf die für die Textkritik bedeutfamften Momente
verweift. Zugleich erfahren wir jedoch, dafs gerade die
merkwürdigfiten Varianten fchon längfit von dem bekannten
Reifenden Jakob Sappir als eigenhändige Fälfchungen
Firkowitfch's entlarvt worden waren. Von den Gutachten
, welche der Director der Bibliothek 1859 von
Chwolfon, Tifchendorf und dem Bibliothekar Becker
einforderte, lautet das erfte unbedingt zuftimmend auch
in Bezug auf die Datirungen, das zweite (Tifchendorf's)
begnügt fich mit der Behauptung, dafs eine fehr grofsc
Zahl der Handfchriften paläographifch den Eindruck des
hohen und höchften Alterthums mache; das Dritte endlich
fcheint die angeblichen Datirungen als zweifellos voraus-
zufetzen und betont befonders auf Grund der Seltenheit
hebraifcher Bibelhandfchriften die Wünfchbarkeit des
Ankaufs. Als fchliefslich auf Befehl des Kaifers noch
die Akademie der Wiffenfchaftcn um ihre Meinung befragt
wurde, äufsertc die von derfelben niedergefetzte
Commiffion (1862; zwar die ftärkften Bedenken gegen
die Epigraphe, theils wegen ihres hiftorifchen Inhalts,
theils wegen ihrer Aeren, erkannte aber den hohen

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der vollften Ueberzeugung mehr verfchliefsen können, vviffenfehaftlichen Werth der Sammlung an. Nach beiden

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