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Ausgabe:

1876

Spalte:

541-547

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hort, F. J. A.

Titel/Untertitel:

Two Dissertations. I.: On Monogenes Theos in scripture and tradition. II.: On the Constantinopolitan creed and other eastern creeds of the fourth century 1876

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Jcrufalems find 37+ 17 + 3 4~ 41 + 25 4-8 4-1 4" 6 +
40 4- 29 4- 52 4 16 4- 16 + 29 + 55 4 2 4- 31 -f 11 4-
11 = 430 Jahre, zufainnien mit den 50 J. des Exils, die bis
zur neuen Epoche (= Gründung der zweiten Theokratie)
hinzukommen = 480 Jahre. Ebenfo lange dauert aber auch
nach 1 Reg. 6, 1 die erfte Periode der alten Gefchichte,
von der Epoche des Auszugs bis zir der des Tempelbaus
; und wie fich die 480 J. der tempellofen Zeit nach
Berthcau's und Nöldckc's Ausführungen auf 12 Hohcpriefter
und 12 Generationen zu je 40 J. vertheilen, fo werden

i Chr. 5 von Azarja, der zuerft im Tempel fungirte,
bis auf Jofadak, der in die Gefangenfchaft wanderte,

ii Hohepricfter, inclufive des Exils alfo wahrscheinlich
12 Generationen gerechnet. Die wenig fachverftändige
Stellung, welche Smith der hebräifchen Chronologie
gegenüber einnimmt, beeinträchtigt einigermafsen den
Werth feines zweifelnden Widerfpruchs gegen diejenigen
hiftorifchen Identificirungen feiner Fachgenoffen, welche
fich bei ftarker Vcrfchiedenhcit der Prädicate nur auf
unfichere und z. Th. willkürliche Gleichklänge der Sub-
jecte d. i. der Eigennamen gründen. Immerhin kann
er fich's aber zur Ehre anrechnen, wenn ihn Mr. Sayce
eines excess of seepticism befchuldigt, which defies all
the rules of Strand criticism. Was diefe Art von Keil-
forfchern einem gefunden kritifchen Magen zutraut, kann
man etwa aus ihrer Verdauungsweife der Widerfprüche
erkennen, welche zwifchen dem Berichte Sanherib's und
dem der Bibel über den erften paläftinifchen Feldzug
jenes Königs beftehen.

Im Ganzen halte ich G. Smith's vorliegendes Buch
für eine recht dankenswerthe Publication. Freilich in
unkritifchen Händen wird fie mehr Schaden wie Nutzen
bringen; aber zweifchneidige Meffcr mit Erfolg zu benutzen
, wird durch die Gefahr fich zu fchneiden nicht
ausgefchloffen.

Greifswald. J. Wellhaufen.

Nach fehr ift der Redaction: Nachdem obige Anzeige bereits
gefchrieben war, ift der verdiente Affyriologe George Smith auf einer
wiflenfchaftlichen Reife am 19. Auguft in Aleppo geftorben.

Hort. F. J. A., Two Dissertations. I.: On "Hovoyevfjs ®«°'s
in scripture and tradition. IL: On the Conftantinopo-
litan creed and other eastern creeds of the fourth
Century. Cambridge and London 1876, Macmillan
and Co. (X, 150 S. gr. 8.)

In dem neueften Commcntar zum Johannes-lvvangel.
(Luthardt, Bd. I 4875] S. 309) wird zu 1,18 die Lesart
des Vatic. angeführt: dibv ovbeig icöjficxsv mlmme. /.tovo-
yt>'i]g O-ebg b uh eig Eov vMmov mv srutgog, i/.eivog
ifyjrfotno, und bemerkt: /Sic ift) eine durch V. 1 veran-
lafste dogmatifche Aenderung wider allen biblifchen und
fpeciell johanneifchen Sprachgebrauch'. Aehnlich haben
fich Meyer u. A. ausgefprochen. Der Einzige, der die
LA. in den Text aufgenommen hat, ift unfercs Wiffens
Tregelles. In der That das ftovoyevijg ireög klingt fehr
befremdlich, und die Abweifung diefer LA. kann deshalb
wie eine fofort gebotene Pflicht des textkritifchen Tactes
erfcheinen. Der Verf. vorftehender Abhandlungen hat
nun in der erften (S< 1—72, den Verfuch gemacht, die
urfprüngliche LA. hier zu ermitteln und ift dabei zu dem
Refultate gekommen, dafs Ev. Joh. 1,18 ftOPoytvijg 9-eög
zu lefen fei, und dafs diefer in der altchriftlichen Literatur
nicht feltene Ausdruck eben auf jenen Schlufsvers
des Prologs des Joh.-Ev. zurückgehe. Das aufserordent-
liche Intereffe, welches diefes Refultat für fich in An-
fpruch nehmen darf, und die hohe Wichtigkeit, welche
ihm, falls es gefichert zu nennen ift, für die Bcftimmung
der johanneifchen Theologie zukommt, werden eine ausführlichere
Darlegung der Beweisführung des Verf.'s rechtfertigen
. Zuvor aber fei noch folgendes bemerkt: Die
Unterfuchungen find hier mit jenerj» Behutfamkeit und

zugleich umfaffendenSachkenntnifs geführt, durch welche
fich eine Reihe neuerer englifcher Arbeiten auf dem
Gebiet der biblifchen Kritik und Exegefe auszeichnen.
Mehrere Jahre hindurch hat der Verf. gearbeitet, zu
vorfichtig und fkeptifch, um ein abfchliefsendcs Urtheil
J fällen zu wollen. Erft nach oft wiederholten Erwägungen
und umfaffenden patriftifchen Studien ift er feiner Sache
ficher geworden und tritt nun mit feiner Anficht hervor,
während noch der berühmte Textkritiker E. Abbot
[Biblioth. Sacra. Octob. 1861. Unitarian Review. Juni
1875) und Prof. J. Drummond {Theolog. Rcv. Octob.
1871) für die reeipirte LA. eingetreten find.

Der Verf. beginnt, wie billig, mit einer Ueberficht
| über die Ucberlieferung in den Bibelhdfchr. Das Refultat
derfelbcn ift folgendes: »BC*L jlinuse. 33 (nc und
33 praemitt. 6). Syr. vulg., Syr. Hanl, n/arg., Mempk.
j [Aethd] bieten imvr,ytv))g ihbg. — ACeEFQHKM
SUVXl'JH F. Mimisc omn. except. 33. Ital. Vulg. Syr.
vet. Syr. Hanl. Syr. Hiersol. Armen. [AetA.]haben:
n fiovnyevtjg ring.

Mit gröfster Umficht ift nun die Unterfuchung über
die patriftifchen Citate geführt. Der Verf. ift hier überall,
, foweit es ihm irgend möglich gewefen, auf die verfchie-
denen Codd. felbft, in welchen die Schriften der KW.
i überliefert find, zurückgegangen. Er hat dann noch am
I Schlufij in einer Reihe von Excurfen einzelne wichtige
i Punkte der patriftifchen Ucberlieferung befprochen (I:
The details of ear/y Greek Patristic Evidenee p. 30 f. II:
The details of Latin Evidenee p. 43 f. III; Some details
of Aethiopic Evidenee p. 46 f. IV: ,Unicus' and ,uni-
genitus' among the Latins p. 48 f. V: On Movoyevhy
&Bng in the Niecne Creed p. 54 — 72). Seine Mühe ift
keine vergebliche gewefen: denn nicht nur erfcheint
nun der patriftifche Apparat in einer wefentlich anderen
Geftalt als in Tifchendorf's Editio oetava, fondern die
patriftifchen Texte, felbft in den beften Ausgaben, erfahren
vielfache Correcturen. Es ift die LA. ito)oyer))g ,'tebg
nicht nur fort und fort von den fpätcren Abfchreibcrn
corrigirt worden; fie ift auch oft genug von fonft forg-
famen Herausgebern ,bona fide male informatf wider die
noch durchfichtige Textüberlieferung ausgemerzt und
durch die andere b fiovoyerijg vwg erfetzt worden. Ein
fehr lehrreiches Beifpiel bietet die Ueberlieferung des
Irenäus-Tcxtes (fowohl I, 8, 5 Mass. p. 40. Harvey I,
p. 76, als III, 11,6 Mass. p. 189. Harvey II, 44. iV,
20,6 Mass. p. 255. Harvey II, 218. IV, 20, 10 Mass.
p. 256. Harvey II, 221) und die recht verkehrte Behandlung
dcrfclben durch Harvey tu A. Die patriftifche
Ueberlieferung ift folgendermafse zu gruppiren:

I. Für f.iovoytvtjg Dtög treten ein:")

* Valenliniani (Ptolem. ap. Iren. I, 8,5. ap. Clem.Alex.
in Exeerpt. ex Theodoto p. 968 Pott.) * Iren. (Graece).

* Clemens. *Origenes. [Euseb.] Synod.Ancyr. * Epiphan

* Didym. * Basil.^ * Greg.Nyss.^ . * Cyrill.Alex. Caesarins.

II. Die LA. 0 fiovoyepijg viög bezeugen:

* PF. Lat. omn. [Iren. lat.}]. ?f Epist.Antioeh. (c. a.
260—270). ?f Act.Archel. [lat.). * Euseb. * Athanas.
f Eustath. ?f Alexand. Alex. [?? Basil.}. GregorNaz.

[?? GregorNyssX 4 TitusBostr. * Theod.Mops. " Chry-
sost. etc.

Hieraus im Zufammenhang mit der Ueberlieferung
in den Bibelhdfchr. ergeben fich folgende Erkenntnifse.
1) Beide LA. können bis in das dritte Drittel des 2. Jahrh.'s
zurückvcrfolgt werden. 2) Im Orient war von Anfang
an bis in das 4. Jahrh. hinein die LA. iiovoy. Htbc die
alleinherrfchende. 3) Die LA. b fiovoy. u/dg ift eine von
den zahlreichen antinieänifchen abendländifchen LÄ.
(das Wort ,abendländifch' hier nicht im ftricten geogra-
phifchen Sinn), welche in den eklektifchen griechifchen

*) Das Zeugnifs der Autoren, deren Namen mit einem * bezeichnet

ift, i(t klar und ausreichend; wo ein f davorfteht, handelt es fich um

eine einzige Stelle, deren Abhängigkeit von Joh. 1,18 nicht völlig
ficher ift.