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Ausgabe:

1876

Spalte:

481

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steglich, E. A.

Titel/Untertitel:

Skizzen über Schrift- und Bücherwesen der Hebräer zur Zeit des alten Bundes 1876

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hüirichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1. Jahrgang. 16. September 1876. N°- 19.

Steglich, Skizzen über Schrift- und BUcher-

wefen der Hebräer (Baudiffin).
Neteler, Das Buch Ifaias (Baudiffin).
Jatho, Blicke in die Bedeutung des mofaifchen

Cultus (Diestel).
Wattenbach, Schrifttafeln zur Gefchichte der

griechifchen Schrift (Gebhardt).
B raunsberge r, Der Apoftel Barnabas (Harnack).

l'reger, Gefchichte der deutfehen Myflik im

Mittelalter (Weizfäcker).
l'litt, Di.e vier erften Luther-Biographien

(Möller).

Calinich, Aus dein 16. Jahrhundert (Möller).

Krantz, Die evangelifche Kirchenverfaffung in
den deutfehen Städten des XVI. Jahrhunderts
(Weizfäcker).

Rocholl, Die Einführung der Reformation in

Colmar (Plitt).
Reinkens, Revolution und Kirche (Fay).
Buder, Ueber die apologetifche Aufgabe der

Theologie in der Gegenwart (PUnjer).
Gizicki, Philofophifche Confequenzen der La-

marck - Darwinschen Entwicklungstheorie

(E. Pfleiderer).

Steglich, E. A., Skizzen über Schrift- und Bücherwesen
der Hebräer zur Zeit des alten Bundes. Leipzig 1876.

befcheidenen Worten (ich gebende kleine Abhandlung
befpricht: i) Ausdrücke für den Begriff des Schreibens,
2) Gegenftände, auf die man fchrieb, 3) Gegenftände,
mit denen man fchrieb, 4) Perfon des Schreibenden. —
Sie will nicht mehr bieten als eine Aufzählung und Erklärung
der betreffenden Ausdrücke und ift in diefer

Infchriftüberfetzungen aus Schräder abgedruckt find

(S. 7 — 37), wird die in dem Titel grofsartig angekün-

"7- "T T c c a a/t , diete Affyriologie zur Erklärung des Jefaja weiterhin

(IIinnchs hört.) (10 h. 4.) m. 1. — & / & . , , J J, „,

' ^' fD W)C gar nicht benutzt. Wie es mit der Chrono-

Die unter befcheidenem Titel^ angekündigte und in iogje (jes Verf. beftellt fei, möge man daraus entnehmen,

dafs er S. 9 ff. die Regierungszeiten fämmtlicher Könige

Juda's und Ifrael's behandelt, ohne ein Wort darüber

zu verlieren, dafs die Angaben beider Reihen nicht über-

einftimmen. Wie es um feine Affyriologie fleht, zeigt

die Bemerkung über den Namen Tiglathpilefer [Tuklat-

liabal-asar) S. 17; weil der Verf. bei Schräder die

Hinficht etwas vollftändiger als z. B. die Artikel ,Schreib- Angabe gefunden hat, habal-asar ,Sohn des Gnaden
kunft' bei Win er und .Schreiber,' Schreibkunft' von i tempels' fei ,wahrfcheinlich Ehrenbeiname des Gottes
Merx in Schenkel's B.-L. Unter den zum Schreiben Adar' (K A T. S. 134), giebt er an, die ,richtigfte Form'
verwendeten Inftrumenten vermiffen wir nbsrr -|?n 1 des Namens Tiglathpilefer fei Tuklat-Adar oder Tnkulti-
,Federmeffer' Jer. 36, 23. In Etymologieen bringt der 1 Adar. - - Ueber ,die Echtheit des Buches Ifaias' wird
Verf. nichts Neues. Berückfichtigung der Entwickdung auf dem Raum einer Seite (S. 42 f.), fage auf 30 Zeilen,
der Schreibkunft bei anderen Völkern hat er mit Bewufst- | gehandelt. Diefer Abfchnitt hebt an: ,Es giebt nicht
fein ausgefchloffen. Wünfchenswerth aber wäre gewefen, J viele Bücher des Alterthums, bei denen die Echtheit mit
dafs zur Vollftändigkeit Einiges gefagt wäre über Anfänge > folcher Sicherheit nachgewiefen werden kann, wie beim
und Entwickdung der Schreibkunft bei den Ifraeliten, j Buche Ifaias'. Als Bcweife dienen Sirach c. 48, 20—28
wozu auch bei demfelben Umfang durch einige Ein-

fchränkung der ziemlich breiten Darfteilung Raum gefunden
werden konnte.
Leipzig. Wolf Baudiffin.

Neteler, Dr. B., Das Buch Isaias aus dem Urtext überfetzt
und mit Berückfichtigung feiner Gliederung und
der auf feinen Inhalt fich beziehenden affyrifchen

. r , .r , ,.. «».. n o-z: tu -rr 1 c - vergifst. Von Knobel s Gommentar ift ihm die vierte
Infchnften erklart. Munfter 1876, Ihe.ffing. (320 S. 1 ,fthprnrotP An^hPdfoA vnn^iuia.rM,-,.

48,

und die ,einheitliche und confequente Gliederung, welche
alle Theile und Stücke des Buches vollftändig beherrfcht'.
— ,. . . da die vollendete Symmetrie fich auf die kleinften
Theile erftreckt, fo ift fpäter weder ein Glied hinzugefügt
noch abgetrennt'. In dem Nachweis diefer fymme-
trifchen Gliederung des Buches (S. 37—42) leiftet der
Verf. Unglaubliches. — Bei Angabe der ,befferen' Com-
inentare S. 47 f. fand der Verf. es nicht angemeffen,
Hitzig zu nennen, während er Rofenmüller nicht

, vonDieftel beforgte Ausgabe (1872), von dem Delitzfch's
gr. 8.) M. 5.-— ! die zweite (1869) unbekannt.

Dafs zur Erklärung des Buches lediglich eine Ueber-
fetzung mit darauf gegründeten Bemerkungen ohne
irgendwelche Berückfichtigung des hebräifchen Textes

Wer fich ein Urtheil über diefes Buch bilden will,
braucht nur den erften und letzten Satz desfelben anzufeilen
. Jener lautet: ,Die Zeit, aus welcher das Buch

Ifaias flammt, wurde früher für eine mythifchc (?!) ge- gegeben wird, wollen wir nicht tadeln. Der Verf. mufs

halten; durch die affyrifchen Infchriften ift fie jedoch
jetzt vollftändig in den Kreis der hiftorifchen Zeiten
eingetreten' — diefer (zu c. 66, 24: ,und fie find zum
Abfcheu allem Fleisch'): ,alles Fieifch bezeichnet alle
Auferftandenen, die nicht zur Hölle verdammt werden.
Zu diefen gehören die ungetauften Kinder, die in ewiger
Kindheit auf der wieder hergeftellten Erde bleiben, und
die Seligen, die mit Chriftus in den Himmel auffahren'.
Der Text des B. Jefaja ift hier ausgeftopft mit katho-
Hfcher Dogmatik und behängt mit einigem affyrifchem
Flitterkram. Der Affyriologie feheint der Verf. lediglich
zu bedürfen, um den Beweis zu liefern, dafs Jefaja nicht
der mythifchen Zeit angehöre, denn nachdem in der
Einleitung einige chronologifche Bcftimmungen mit Hinzuziehung
der affyrifchen Daten angegeben und einige

einen des Hebräifchen unkundigen Leferkreis im Auge
gehabt haben — wohl aus triftigen Gründen. Andere
Ausleger werden in den dürftigen Erläuterungen nicht
berückfichtigt. Zur Charakterifirung der Erklärung nur
einige Beifpiele. Die Eunuchen und Fremdlinge c. 56,
3—7 find Symbole Derjenigen, welche die beiden evan-
gelifchen Rathfchläge der Ehelofigkcit und Armuth befolgen
. ,Da nun den unter dem Symbole der Eunuchen
dargeftellten Ehelofen eine Nachkommenfchaft verheifsen
wird [? der Prophet redet nur von einem Antheil und
Namen, der beffer ift als Söhne und Töchter], fo mufs es
im meffianifchen Reiche eine geiftige Abftammung geben,
welche bekanntlich durch die Weihe ftattfindet. Einer
unter ihnen erhält fogar einen ewigen Namen und wird
nicht ausgerottet [vielmehr: jeder erhält einen Namen,

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