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Ausgabe:

1876 Nr. 18

Spalte:

460-461

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oort, H.

Titel/Untertitel:

Israel, het volk van den godsdienst 1876

Rezensent:

Diestel, Ludwig

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 18.

460

Hollenberg, Jon., Der Charakter der alexandrinischen des Kanons oder wenigftens der gefchichtlichen Bücher
Uebersetzung des Buches Josua und ihr textkritifcher dcs A- T-'s zufammenhängend unterfucht werden. Wenn

Werth unterfucht. Moers 1876, Gymnafial-Programm. ?n B m, f fP- 2°> 3- 5^ 6 im (Griechifchen gerade die
, c lheue tehlen, die Knobel dem Dcuteronomiker zufchrei-

v20 b. 4.) j ben und ausfeheiden zu muffen glaubt, fo ift doch klar,

Ein kleiner, von richtigen Grundfätzen ausgehender
und darum willkommener Beitrag zur altteftamentlichen
Textkritik. — Nach einigen einleitenden Bemerkungen
über die principielle Uebereinftimmung der altteftament-

dafs dicfelben nicht von dem eigentlichen Deuterono-
miker herrühren können. Jofua, mit den Büchern Samue-
lis und der Könige bietet Stellen genug, auf die fich
eine folche Unterfuchung gründen könnte. Auch die

liehen Forfcher verfchiedenfter Parteirichtung über das | vom Verf. vorläufig bei Seite gelaffene Frage, ob der
Vorhandenfein von Verderbnifsen im mafforethifchen I Ueberfetzer des Buches Jofua mit einem der Pentatcuch-
Text einerfeits und andererfeits über das Schwanken des vertenten identifch fei, hätte in diefem Zufammenhang
Urtheils über die Ausdehnung derfelben und dem ent- 1 Bedeutung; letzteres ift übrigens nach Egli's eingehen-
fprechend über das Mafs, in welchem die alexandri- j der Beweisführung nicht der Fall. — Wir danken dem
nifche Ueberfetzung als textkritifcher Zeuge zu ver- i Verfaffer für feine Arbeit, die wir als bequemes Hülfs-
werthen fei, befpricht der Verfaffer in fachgemäfser mittel allen Erklärern desBuchesjofua empfehlen können.
Ordnung 1) die Verderbni f s e, welche der griechifche 1 London. Dn E> Neftle.

1 ext des Buches Jolua erfahren hat, durch Eindringen
von Bruchftücken aus andern griechifchen Ucberfetzungen

(Dupletten), durch Gloffeme und Schrcibvcrfchen in ein- ; Oort, Dr. H., Israel, het volk van den godsdienst. Rcde-
zelnen Wörtern, befonders den Eigennamen; 2) die 1 T ., „ D ... . c Q,

Methode des Ueberfetzers, als deffen Streben er- voenng- Leiden l875> BrilL (44 S. gr. 8.)

kannt wird, bei der fachlich treuen Wiedergabe des
Originals formell durch kleine Abänderungen feine Sprache
dem griechifchen Colorite zu nähern (z. B. durch Auf-
löfung hebräifcher Tropen, Zufammenziehung breiter

Der Verf., längft durch tüchtige altteftamentliche
Unterfuchungen bekannt, will in diefer Rede, mit welcher
er eine Profeffur in der ,literarifchen' Facultät zu Leiden
antritt, den Beweis führen, dafs man Israel ,das Volk der

Ausdrücke, häufige Anwendung von Participien, Ab- Religion' nennen kann. Nachdem er die enge Verbin

wechslung in der Uebertragung eines und desfelben
Wortes;, und das Verftändnifs des Inhaltes dem Lefer
zu erleichtern (durch kleine Zufätze, Vereinfachung des
Satzes dadurch, dafs er die Perfoncn womöglich gleich
macht, alles auf dasfelbe Subject bezieht, Singular und
Plural vertaufcht u. f. w.); 3) die hebräifchen Kennt-
nifse des Vertenten, die ihn zwar nicht vor allen Ver-
fehen fchützen (z. B. Appellativa als Eigennamen zu betrachten
, oder an manchen Stellen Conftruction und
Zufammenhang zu verkennen), die aber .durchaus nicht
unter den der meiften ? find es fo gar viele ?] Penta-
teuchvertenten flehen', daher auch Maurer's Urtheil, dafs
die Ueberfetzung felbft den billigften Anforderungen
nicht genüge, als auf unrichtigen Vorausfetzungcn beruhend
fich ergebe. Im letzten Abfchnitt wird fodann
der dem Ueberfetzer vorliegende Text befprochen,
und zwar fo, dafs zuerft an einer Auswahl von Stellen
nachgewiefen wird, wie manche der griechifchen Lesarten
theils offenbar beffer find, als die mafforethifchen, thcils
wenigftens als alte Ueberlieferung ernfte Beachtung verdienen
, und dann die übrigen Varianten als Material zu
weiterer Forfchung zufammcngeftellt werden, ohne dafs
über ihren Werth im einzelnen ein Urtheil abgegeben
wird. Wir hätten letzteres gewünfeht, es hätte in der
kürzeften Weife gefchehen können z. B. dadurch, dafs
Verf. die Stellen, wo er der LXX den Vorzug giebt, und
die wo er die Maffora für richtig hält, zufammengeordnet
hätte; denn nur dadurch könnten wir fehen, wie weit er
das Mafs der Verderbnifse im mafforethifchen Texte
und der aus dem griechifchen zu machenden Corrccturcn
ausdehnt; die Schwierigkeit der Entfcheidung im einzelnen
Falle kann von der Pflicht diefelbe zu treffen
nicht überheben, und die hebräifchen Kcnntnifse des
Verfaffers bürgen dafür, dafs die von ihm vorgefchla-
genen Lesarten ficherlich an vielen Stellen Zuftimmung
gefunden hätten. Auf einzelne derfelben wollen wir
nicht eingehen; im erften Abfchnitt hätte der Verfaffer
durch die Benutzung der Hexapla eine gute Stütze
für das Erkennen von Dupletten gewonnen, freilich
haben wir beim Gebrauch derfelben wieder aufs neue
Anlafs gehabt, den Verluft der Handfchrift des Mafius
zu bedauern, denn feiner Ausgabe kann man nicht ganz
trauen. Die Besprechung der Stellen Jof. 15, 28 und
20, 3—6, mit der wir ganz übereinftimmen, hat uns den
Wunfeh erregt, es möchte doch auch einmal die Bedeutung
der LXX für die Compofitionskritik und die Gefchichte

dung zwifchen Religion und Sittlichkeit, wie fie im mo-
faifchen Gcfctzc erfcheint, als ,dcn Griff eines Genie's'
gepriefen, giebt er eine kurze, lebendige Schilderung der
bedeutendften Propheten, namentlich nach ihrer fittlichen
Seite. Freilich erhält man dadurch, dafs aus einem
Volke einige religiöfe Genies hervorgegangen find, noch
nicht das Recht, das ganze Volk als ein fpeeififeh reli-
giöfes zu bezeichnen. Aber alle diefe bedeutenden
Gcifter, Jefus miteingefchloffcn, hatten ihre ,Geiftesver-
wandten, ihre Freunde, ihre Helfer' (S. 20). Nur durch
feinen tiefreligiöfcn Sinn hat fich das judenthum erhalten.
Der Verf. fchildcrt in kurzen Zügen die enge und tiefe
Vcrwandtfchaft zwifchen dem Judenthum einerfeits, und
den beiden anderen bedeutendften Religionen, dem
Chriftenthume und dem Islam, andererfeits. Mit vollem
Rechte betont er endlich, dafs die Archäologie das eigentliche
Leben Israels nach allen Seiten zur Anfchauung
bringen müffe, namentlich das religiöfe, und fich in letzterer
Beziehung z. B. nicht an einer blofscn Darfteilung
des .mofaifchen Gcfetzes' im Pentateuch dürfe genügen
laffen. Ref. felbft hat längft die Archäologie unter dem
Gefichtspunktc einer Gefchichte der Cultur Israels dar-
zuftcllen gefucht — eine Auffaffung, die mehr zufällig
in der Literatur nicht verbreitet ift, aber ohne Zweifel
von vielen Fachgcnoffen gctheilt wird. Freilich ftellen
fich der ftrengen Durchführung desfelben nicht nur di-
daktifchc, fondern auch mannigfache fachliche Hindernifse
entgegen. — Im Eingang der Rede fpricht fich der Verf.
nicht nur mit Entfchiedcnheit gegen die Traditionaliftcn
und überflrengen Supernaturaliftcn aus, fondern auch gegen
Ewald u. A., die zu den ,halbblindcn Bewunderern' gerechnet
werden. Damit fchlage man der Gefchichte ins
Angefleht und mache aus Israel ,ein Ideal einer Carri-
catur' (S. 9). Der Verf. hat darin natürlich fehr recht,
dafs man mit einer folchen Bewunderung nicht .beginnen'
folle — aber warum nicht vielleicht damit enden, nachdem
man in vorfichtiger, nüchternfter Weife geforfcht
und dann entfprechende Vergleichungen gezogen hat?
Indcfs geben wir dem Verf. fehr gern zu, dafs ein vor-
fchneller Finthufiasmus vielfach das klare Auge der F"or-
fcher getrübt hat. Diefe begeifterte Sprache Ewald's
hat, wie man aus vielen Aeufserungen auch anderer Gelehrten
wahrnehmen kann, befonders in Holland unangenehm
berührt, in Deutschland deshalb weniger, weil
man fie als eine zum Theil rein individuelle F'ärbung
Fiwald'fcher Darftellungsweife aufzufaffen gewohnt war.