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Ausgabe:

1876 Nr. 17

Spalte:

435-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Psalmen. Hebräischer Text mit einer kurzen Auslegung von Aug. Heiligstedt. I. Heft: Psalm 1 - 25 1876

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 17.

436

nur auf ein Schwanken innerhalb der verfchiedenen ma-
foretifchen Schulen gefchloffen werden; mit andern Worten
: wir haben es mit einer orthographifchen, nicht mit
einer grammatifchen Differenz zu thun, ebenfo wie bei
dem 3, 5 von Baer aufgenommenen ~*3isri etc. In
"btivt etc. würde nun vollends ein langes'ä aller Analogie
fpotten, und fo geben auch die LXX das hierher
gehörige nnnAr-iN 1 Mof. 36, 2 ff. (vergl. auch die ähnlichen
Namen Ez. 23, 4) durch olißsua, ohne dafs fich
nach de Lagarde zu diefer Lefung eine Variante fände.
Sonach mufs das fpäter mifsverftandene Metheg ur-
fprünglich eine andere Bedeutung gehabt haben und
zwar fcheint mir ein Fingerzeig für das Richtige in dem
Metheg der Formen ^p.";, 153?'] etc. zu liegen. — Wenn
wir in den genannten Fällen von dem verehrten Herausgeber
abweichen, fo theilen doch auch wir die Ueber-
zeugung, dafs die aufserordentliche Sorgfalt und tiefeindringende
Erforfchung der Mafora, wie fie Delitzsch bei
der Behandlung diefer Fragen an den Tag legt, usui
fore adgrammaticam Hebr. et emendandam et excolendam.
— Am Schluss der Praefatio ift (Anm. 2. Z. 7 v. u.) ftatt

3, 19 zu lefen 3, 20; pg. VI Z. 11 v. o. lies: 12, 15. — Bezüglich
des Textes felbft, der uns in gewohnter Akribie und
Schärfe des Druckes geboten wird, haben wir nur den fehlenden
Punkt in -:sb"> 8, 12 zu notiren. Für die Schreibung
ODO 16, 4 beruft fich Baer in den Appcndices auf Kimchi
Mikhlol 216 a (ed. Ven. 264b Rittenb. 192:l ); nur hätte bemerkt
werden follen, dafs diefe Form nicht blofs Hiob 16,4,
fondern in allen von Noldius pg. 360 aufgezählten Fällen die
allein correctc ift. Darnach find alle unfere Grammatiken
(Rödiger pg. 215, Böttcher II, pg. 56, Ew. pg. 2)
zu berichtigen. — In den appcndices criticae et masoreti-
cae pg. 33—72 giebt Baer zunächft Rechenfchaft über
einige der aufgenommenen Lefungen. Den Vocal- und
Confonantentext betreffen darunter bc:s 3, 16: i^atB

4, 12; SMtB"< 8, II; ri'jis 9, 9; ro.1 9, 12; N-MJtt 12, 23;
n:j"N 19, 7; TpnN 22, 6; tIöib 26, 9; Nbi 29, 24 und 40, 23.
Daran fchliefst'fich pg. 56 ff. eine Ueberficht über die
wichtigften Differenzen der babylonifchen und paläftinen-
fifchen Accentuation, pg. 59 ff. über die Differenzen
zwifchen Ben Afcher und Ben Naftali, pg. 63 ff. noch 5
maforetifche Tabellen. Wir aber fchliefsen mit dem
herzlichen Wunfche, dafs den verdienten Herausgebern
Kraft und Leben zur glücklichen Vollendung ihres
Werkes gefchenkt werden möge.

Bafel. E. Kautz fch.

Die Psalmen. Hebräifcher Text mit einer kurzen Auslegung
von Dr. Aug. Heiligftedt. 1. Heft.: Pfalm
1—25. Halle 1876, Herrmann. (72 S. gr. 8.) M. 1. —

Der Verfaffer hat früher eine ,Präparation' zu den
Pfalmen erfcheinen laffen (1867. 2. Aufl. 1874). In der
vorliegenden Arbeit foll eine kurze Erklärung gegeben
werden ,mit Rückficht auf die Bedürfnifse der ftudirenden
und fich zum Predigtamt vorbereitenden Theologen'.
Wenn danach diefe Schrift den Anfpruch fcheint erheben
zu wollen, eine ausreichende Erklärung zur Orientirung
im Pfalter zu bieten, fo müffen wir die Berechtigung
dazu entfehieden ablehnen; denn dies Heft ift nichts als
ein dürftiger Auszug aus den vorhandenen Commen-
taren (unter denjenigen, welche er vorzugsweife benutzt
habe, hätte der Verfaffer wohl auch den von Hitzig
nennen follen; übrigens wird H. in der Erklärung zuweilen
erwähnt). Die Studirenden würden übel berathen
fein, wenn fie glaubten, fich mit einem folchen Hilfsmittel
begnügen zu können. Während wir aber ,Präpa-
rationen' zu altteftl. Schriften unbedingt alle Exiftenz-
berechtigung abfprechen, weil fie den Studirenden nur
erfchweren, fich felbftändig mit Hilfe eines Lexikons zurechtzufinden
, könnte eine kurze Erläuterung als Vorbereitung
für das Colleg, aber nur dazu, gut zu heifsen

fein. Doch gerade zu diefem Zwecke wäre weit mehr
Correctheit erforderlich, als hier in dem hebräifchen
wie in dem deutfehen Text zu finden ift. Die Berichtigungen
am Schluffe diefes Heftes find weitaus nicht
erfchöpfend. Die Auswahl des Verfaffers unter den verfchiedenen
Erklärungen ift dagegen nicht übel; fein Ur-
theil in fachlichen Dingen (fo zu Pf. 2 u. 22) befonnen,
meift an Hupfeld - Riehm fich anlehnend. Dagegen
wäre eine beffere Auswahl in dem, was gefagt und was
übergangen wird, zu wünfehen gewefen; der Verfaffer
würde fie wohl gefunden haben, wenn er lediglich den
Zweck ins Auge gefafst hätte, eine Vorbereitung für
das Colleg zu bieten, und nicht eine gewiffe Vollftändig-
keit erftrebte. Es ift z. B. fehr wenig damit gedient,
dafs der Verfaffer ohne irgendwelche Begründung fagt,
ein Pfalm fei von David (fo zu Pf. 24). Solche Bemerkungen
follten wegfallen und lediglich eine Erläuterung
des Wortfmnes erftrebt werden. — Vorrede und Einleitung
follen dem letzten Hefte beigegeben werden.

Leipzig. Wolf Baudiffin.

Curtiss, Samuel Jves, The Name Machabee. [Leipziger
Inaugural-Differtation.] Leipzig 1876, Hinrichs' Verl.
(41 S. m. 1 Steintaf. gr. 8.) M. 1. —

Wer fich davon überzeugen will, dafs zur Erprobung
wiffenfehaftlichen Sinnes und gediegenen Wiffens fchliefs-
lich auch der kleinfte und minutiöfefte Punkt genügt, dem
empfehlen wir die Leetüre diefer Leipziger Inaugural-
Differtation. Von nichts anderem als dem Namen ,Makka-
bäer' handelnd, ift fie doch ein fchönes Zeugnifs ebenfo von
der wiffenfehaftlichen Methode als von der gründlichen Ge-
lehrfamkeit ihres Verfaffers. Sie unterfucht zunächft die
Quellen, aus welchen wir die echte und urfprünglichc
Form des Namens zu fchöpfen haben. Die hebräifche
Urfchrift des erften Makkabäerbuches ift verloren gegangen
. Alle anderen in femitifchen Dialekten gefchrie-
benen Werke, welche den Namen bald in der Form "OD)»,
bald in der Form •'Dpa darbieten (nämlich 1) die fyrifche
Ueberfetzung, 2) Jofippon, 3) Megillath Antiochus, 4) das
fog. arabifche Makkabäerbuch), kommen nicht in Betracht
, da Tie alle entweder auf der griechifchen oder auf
der Latemifchen Ueberfetzung unferer Makkabäerbücher
beruhen. Es bleiben alfo nur diefe beiden allein übrig.
Die griechifche Ueberfetzung fchreibt Ma/.xaßcäog, die
lateinifche Macliabaeus. Plrfteres kann fowohl einem "Opa
als einem "oaa entfprechen. Obwohl nämlich die LXX
das hebr. d meiftens durch % wiedergeben, fo kommt
doch auch die Tranfcription durch x vor. Allerdings
würden wir dann zunächft Maxaßaiog erwarten. Aber
die Verdoppelung des x kann fich allmählich infolge der
rafchen Ausfprache gebildet haben (wie VoWrry aus 7öVc/y
und Aehnliches). Plntfcheidend für die Annahme eines
hebr. "ODa ift aber das lateinifche Macliabaens. Denn
Hieronymus, der das hebräifche Original noch gekannt
und die altlateinifche Ueberfetzung revidirt hat, fchreibt
conftant c für p und ch für d (einige Ausnahmen find
nur fcheinbar).

Nachdem fo die hebräifche Urform fcftgeftellt ift,
werden die bisher verfuchten Erklärungen geprüft. Mit
Recht verwirft der Verf. alle Arten von Abkürzungs-
Theorien. Aber auch die Ableitung von npp?: ,Hammer'
kann er nicht gelten laffen, nicht nur wegen des Hörenden
p, fondern auch weil die Bedeutung des Wortes diefer
Erklärung im Wege fteht. rtppT73 ift nämlich nicht der
fchwere Streithammer oder Schmiedehammer, fondern
der kleinere Arbeitshammer (I Kön. 6, 7. Jef. 44, 12.
Jer. 10, 4. Auch Richter 4, 21 ift an einen kleinen
Hammer zu denken). Unter den fechs hebräifchen Syno-
nymis für ,Hammer' wäre alfo gerade diefes zur Bezeichnung
eines ftfeitbaren Kriegsneiden das am wenigften
paffende Wort. Viel eher würde man etwa erwarten