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Ausgabe:

1876 Nr. 16

Spalte:

412-414

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Engeström, Adolf von

Titel/Untertitel:

Om Judarne i Rom under äldre tider och deras Katakomber 1876

Rezensent:

Schürer, Emil

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4li

Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 16.

412

Stadt, dem Tyropoeon, fo doch ficher von dem Bezirk
am nordwestlichen Rand diefes Thaies. — Pg. 11 ff. giebt
fodann der Verfaffer Erläuterungen zu den beiden Terrainkarten
und ihren Durchfchnittsprofilen. Die Aequidiftanz-
curven find von 10 zu 10 Fufs durch rothe Linien gegeben
; die kleinfle der fo entstehenden concentrifchen
Curven bezeichnet Somit jedesmal den höchsten Punkt der
betreffenden Erhebung; aufserdem ift dem • Verftändnifs
auf Tafel I zugleich durch braune Schraffirung, auf Tafel II
durch graue Schummerung nachgeholfen. Blau bedeutet
Waffer, resp. Wafferrinnen, Schwarz den Stein und zwar
fowohl den Bauftein, als den Felfen. Ein höchft willkommenes
Mittel zur fchnelleren Orientirung ift fodann
die Einzeichnung der heutigen Stadtmauern und wichtigsten
Bauten, letzterer in leichten Conturen, um nicht den
Eindruck des Terrainbildes zu verwirren. Der Mafs-
ftab diefer beiden Tafeln ift der von 1:5000. Eine Ver-
gleichung beider lehrt die gänzliche Verfchiedenheit des
antiken vom modernen Terrainbild, insbefondere durch
den jetzt ausgefüllten tiefen Einfchnitt zwifchen dem östlichen
und westlichen Hügel. Ref. felbft machte in Je-
rufalem die Erfahrung, welche Mühe es koltet, Sich innerhalb
der Mauer in das antike Terräinbild zu verletzen
und fand nur auf einem der kleinen Schutthügel auf
dem wüften Platz weltlich von der Klagemauer (innerhalb
der Cactushecken) einen Platz, wo dies annähernd
gelang. Nachträglich fei hier noch für Tafel I der Stichfehler
bemerkt, der die Curve von 2500 Fufs unterhalb
des tradit. Zion nördlich von der Südmauer zu 2550 Fuss
anfetzt. — Das gröfste Intereffe aber dürfte dem Laien
Taf. III gewähren, welche die verticalen Durchfchnitte
von 7 auf Tafel I und II gezogenen Linien (in verschiedenen
Richtungen, von SW. und W. nach O., fowie von
S. nach N. und NW., endlich von SO. nach N.) fo darstellt
, dafs die Schuttauflagerung durch rofae Färbung
von dem grauen Felfengrund unterschieden ift. Da auch
hier die wichtigsten Gebäude leicht aufgezeichnet find,
fo kann man z. B. bei dem Verticaldurchfchnitt, der die
Oftmauer des Haram und die nordöstliche Stadtmauer
trägt, mit einem Blicke überfehen, welchen Anblick ehedem
der Mauerlauf vom Kidronthal aus geboten hat,
refp. wie tief die gegenwärtige Mauer im Schutt verborgen
ift. Als die intereffanteften Ergebnifse der Boden-
erforfchung find hervorzuheben: die ungeheure Schutt-
maffe am Weftabhang des Kidron fammt dem Reft einer
alten Mauer von Nord nach Süd öftlich vom goldenen
Thor, ferner der mit Schutt ausgefüllte Thaleinfchnitt
zwifchen dem goldenen und dem Stephansthor, bis zu
deffen Sohle (140 Fufs tief) die Stadtmauer hinabreicht,
endlich die Fortfetzung des oberen Tyropoeon nach
Weften zu, natürlich gleichfalls mit Schutt ausgefüllt.
Aufserhalb der Mauer lehren die Schuttmaffen auf der
Südfeite ebenfo die beträchtliche Ausdehnung der Stadt
nach diefer Richtung, wie anderfeits der Mangel an Schutt
im Norden eine Verlegung der dritten Mauer des Jofephus
weit über die heutige Stadtmauer hinaus unmöglich macht.
Mit Recht beantwortet der Verfaffer S. 15 die Frage,
welches der beiden von Nord nach Süd ftreichenden,
ringsum abfchüffigen Plateaus Sich beffer zur erften Be-
fiedelung und Befestigung geeignet habe, zu Gunften des
kleineren, alfo des Tempelbergs. Zur Annahme einer
frühzeitigen Doppelanlage wird freilich die vermeintliche
Dualform Jerufchalajim nicht herbeigezogen werden
können. Schon an fleh eine unmögliche Bildung ift
diefe Form für Jerufchalem den vorexilifchen Büchern
unbekannt und auch die fpätere Ausfprache beruht vielleicht
nur auf einem Mifsverftändnifs der (als em gemeinten
) scriptio plcna oder einer dialektifchen Distrac-
tion des Endvocals. — In Abfchnitt III giebt der Verfaffer
als Erläuterung der 16 Stadtpläne auf Tafel IV
eine Ueberficht über die Entwickelung der topographi-
fchen Frage feit Robinfon und zeigt, dafs heute keine
der acht Robinfon'fchen Thefen (zu welcher Zahl er

die früheren 18 zufammenzog) unbeanftandet geblieben
fei. Dem entfprechend bieten die 16 Stadtpläne, denen
im Mafsftab von 1 :20,000 zu befferer Beurtheilung das
Reliefbild des urfprünglichen Felfenbodens untergelegt ift,
fehr differente Bilder. Die Pläne von Tobler und Furrer
find übrigens ad hoc von den Urhebern revidirt und werden
daher fammt dem letzten von Schick als ,neue werthvolle
Originalien von 1876' bezeichnet. Die Noten zu Abfchnitt
III geben die Literaturnachweife unter Hinzufügung
der Urtheile Tobler's in der BibliograpJda geographica
Palaestinae. Man würde nun in der Begleit-
fchrift Stark vermiffen, dafs uns der Verfaffer nicht auch
feine Folgerungen aus dem urfprünglichen Terrainbild
mittheilt, wenn er uns nicht S. 32 verfpräche ,in Bälde
aus allen diefen Untersuchungen gleichfam das Facit
ziehen und in einem zweiten Heft ,Karten und Pläne zur
Topogr. des A. J.' feine eignen Anflehten in gröfserem
Mafsftabe chartographifch darftellen' zu wollen. Vorläufig
läfst uns die Beleuchtung der ,Fundamentalpunkte
Tyropoeon und Acra' (S. 37 ff.) einen Einblick in des
Verfaffers Meinung thun. Auch wir find feft überzeugt,
dafs das Schick'fche Terrainbild im Zufammenhalt mit
Jofeph. B. J. V, 4, 1 künftig eine andere Meinung unmöglich
machen wird, als die: Akra, die Unterftadt, ift
gleichbedeutend mit dem alten Namen Zion und beide
find mit dem fchmäleren und niedrigeren öftlichen Plateau
zu identificiren, nur dafs von diefer Akra im weiteren
Sinn fpeciell noch die Burg (Akra im engern Sinn) am
Nordweftrand des heutigen Haram zu unterscheiden ift.
Anderweitige Confequenzen, die der Verfaffer hier noch
nicht ausfpricht, find dann die Identificirung des von den
Hasmonäern verfchütteten Thals mit dem tiefen Einfchnitt
zwifchen dem goldnen und dem Stephansthor
(f. o.) u. die Anfetzung des tertius Collis Josephi nördlich
von diefem Einfchnitt. — Von kleineren Druck- und
fachlichen Verfehen notiren wir noch: S. 35, Note 23,
Z. 3 und 7 lies scpulchre, ibid. Z. 3 von unten lies Komma
nach Thrupp; S. 36, Z. 1 von unten lies commentatio;
S. 37, Note 29, Z. 10 lies Christen. S. 38 ift in der
Ueberfetzung von Jos. B. J. V, 4, 1. Z. 6 zu lefen: wegen
feiner Fertigkeit wurde er ,vom König David' Burg genannt
(Gegenf.: von uns oberer Markt). Diefe Differenz
ift in fo fern nicht unwichtig, als diefe Bemerkung des
Jofephus doch auch die Auffaffung zuläfst, als fei die
Befestigung der überrtadt (des tradit. Zion; bereits auf
David zurückzuführen. In derfelben Ueberfetzung Z. 12
lies: die Höhe Akra; S. 39, Z. 3 von unten lies: ,Gen-
tilnamen' Statt Vornamen. — Mit unferem Dank für die
fchöne Gabe rnüffen wir fchliefslich noch die Bemerkung
verbinden, die fleh den meirten Lefern und Befchauern
der Karten von felbft aufdrängen wird, dafs es namhafter
perfönlicher Opfer des Verfaffers bedurfte, um
diefes lange mit Liebe gepflegte Werk zu dem Preife
von 10 Fr. den Freunden der bibl. Wiffenfchaft zugänglich
zu machen.

Bafel. E. Kautzfeh.

Engeström, Adolf v., Om Judarne i Rom under äldre tider
och deras Katakomber. Akademisk afhandling. Up-
sala 1876, Akademiska boktryckeriet, Ed. Beding.
(42 S. 8. m. 1 Facfim.)

Der erfte Theil diefer Abhandlung (S. 1 —14) fchil-
dert die Zuftände der römifchen Judenfchaft im Alterthum
, etwa im Anfange der Kaiferzeit; der zweite (S.
15 ff.) befchäftigt fleh fpeciell mit den jüdifchen Katakomben
in Rom, befpricht namentlich (S. 23—29) die
dafclbft vorkommenden jüdifchen Sinnbilder, und giebt
(S. 29—42) die Texte von 46 jüdifchen Grabfchriften.
Soviel Ref. fehen kann, ift das einschlägige Material faft
überall fleifsig benützt, ohne dafs gerade wefentlich