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Ausgabe:

1876 Nr. 15

Spalte:

397-398

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Reboul, Ch. L.

Titel/Untertitel:

Paulula oder Einiges Wenige zur genaueren Erforschung des Marcus Evangeliums 1876

Rezensent:

Weiß, Bernhard

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Seite 1

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397

Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 15.

398

namentlich auf dem der Bibelüberfetzungen, viel gelefen
und gebammelt, leider ift aus diefcm erften Fascikel eine
rechte Frucht, die er davon gehabt, oder die Andre
davon haben follen, fchlechterdings nicht zu erfehen.

Kiel. B. Weifs.

Reboul. Fred. Ch. L., Paulula oder Einiges Wenige zur Collectaneengewirr fich jeder ernften Discuffion über die
Genaueren Erforschung des Marcus-Evangeliums. I. Fas- Sache felbft entzieht. Der Verf. hat auf vielen Gebieten,
cikel. Gotha 1876, F. A. Perthes. (XII, 284 S. gr. 8.)
M. 5. 20.

Ein komifches Buch. 11 Seiten Text, begleitet von
271 Seiten ,Notizen', ,Specialitäten',Ippc/idncs', ,Addenda'.
Buntfcheckig in der Form, noch buntfcheckiger im Inhalt.
Eine Fülle von Notizen über deutfche,gothifche,lateinifche,
franzöfrfche Bibelüberfetzungen, eine Blumenlcfe aus allen
möglichen Schriftftellern, dazwifchen Dogmatifches, Dog-
menhiftorifches, Literaturhiftorifches, Sprachgefchicht-
liches , Biographifches , Poctifches , Anekdoten , Schul-
reminiscenzen. Uebcrall hin vcrftreut auch Einiges
Wenige, wie der Titel befcheiden, aber nur zu wahr
fagt, über das Marcusevangelium. Der Verf. legt dem-
felben offenbar einen hohen Werth bei und ermahnt,
dasfelbe recht forgfältig zu lefen und auch das fchein-
bar Unbedeutende in feinem Ausdruck genau zu beachten
. Ref. ift damit ganz einverftanden und hat fogar
einmal verfucht, nach diefem Recept einen ganzen Com-
mentar zum Marcusevangelium zu fchreiben, der dem

Wichelhaus, weil. Prof. Johs., Academische Vorlesungen
über biblische Dogmatik. Die drei erften Hauptftücke.
Hrsg. v. Dompred. Dr. Adph. Zahn. Halle 1875,
Fricke. (VII, 157 S. gr. 8.) Mi 2. 40.
Wichelhaus, weil. Prof. Johs., Academische Vorlesungen
über das Neue Testament. I. Band. Einleitung in den
Hebräerbrief u. Erklärung feines 1. Kapitels. Erklärung
des 1. Briefes Petri und des Briefes Jacobi.
Hrsg. von Adph. Zahn. Halle 1875, Fricke. (XI,
210 S. gr. 8.) M. 3. —

Die Veröffentlichung nachgclaffener Collcgienhcfte
ftrengen Kritiker zum Glück entgangen. Sonft hätte er jft oft weit mehr ein Liebesdienft gegen die, welche am
wohl eben fo viel fpitze Reden zu hören bekommen, mündlichen Wort des Verdorbenen fich gemeinfam er-
wie fein College Kloftermann , obwohl ihm eigentlich freuten, als ein Gewinn für die Wiffenfchaft. Dies gilt
dunkel geblieben, was den Verf. gegen denfelben fo in jm Befonderen von den beiden vorliegenden Schriften:
Zorn verfetzt. Nur Eins ift klar. Er liebt den textus ! weniger deshalb, weil fie ziemlich lange nach des Ver-
reeeptus und hafst die älteren Codices, die wir Neueren faffers Tode T4. Febr. 1858t erfcheinen und darum die
mit Tifchendorf bevorzugen, er verfolgt diefe ,Alexan- Arbeiten der jüngften Vergangenheit nicht verwerthen;
driner' und ihre Patrone mit fcharfen Worten; aber dafs auch nicht fowohl deshalb, weil fie faft lediglich Brucher
irgendwo mit Gründen die Rcccpta gegen fie ver- ftücke enthalten, fondern vornehmlich, weil die hier
theidigt hätte, ift mir nicht aufgefallen. Den Artikel vor waltenden Principien einer fördernden Behandlung der
irXolov Mrc. 4, 1 habe auch ich aus guten Gründen feft- bezeichneten Gegenftände nicht günftig find. Sie be-
gehaltcn, aber wenn unfer Verf. aus diefem Fahrzeuge herrfchten fchon W.'s ,Commcntar zur der Gefchichte
die capernaitifchc Fähre macht, welche für Perfonen- und 1 des Leidens Jefu Chrifti', über den felbft Hengftenberg
Gütertransport eingerichtet, die Ueberfahrt nach dem fagt, dafs ,der gefchichtliche Sinn durch dogmatifche
transjordanifchen Ufer vermittelte, fo ift das doch eine und ascetifche Tendenzen überwuchert' werde (,Vorlef.
reine Phantafie, die fchon an dem von allen älteren über die Leidcnsgefch.' S. 3 , — ein Urtheil, welches
Uncialen bezeugten /rXota 4, 36 fcheitert. Und doch voll und ganz hier wiederholt werden kann. Die ,biblifche
kommt auf folche Minutien feine .genauere Erforfchung' Dogmatik' kommt über die ,drei erften Hauptftücke'
des Marcusevangeliums hinaus, die man fich dazu müh- nicht hinaus, In ihnen will der Verf. die Lehre der
fam aus feinen planlos zufammengewürfelten Aphoris- ■ Schrift vom Worte Gottes entwickeln, ferner die Lehre
men und Allotriis zufammenfuchen mufs. Wenn er be- von Gottes Wefen, Eigenfchaftcn und Werken und end-
fonderen Werth darauf legt, ö oyXog Mrc. 15, 8 mit Gal- lieh die Lehre vom Mcnfchen und von dem Gefetz Gottes,
gengefindel zu überfetzen und dadurch freilich die ganze ; Aber charakteriftifch ift's, dafs A. und N. Ti allenthalben
Auffaffung jener Scene ändert, fo dürfte das doch dem ; als gleichwertige Urkunden behandelt werden. Sind
fonftigen Sprachgebrauch des Evangeliums gegenüber doch Mofcs und die Propheten Diener Gottes, in denen
ebenfo fchwer zu rechfertigen fein, wie feine künftliche der Geiff Chrifti gewefen und ihre Schriften Worte Gottes
Unterfcheidung von äjmXt<moiv und thioxctivtoaiv bei der Art, dafs jedes Schriftwort als eine Ausfage des hei-
Mrc. 3, 6, die durch fehr fchwachc pragmatifche Gründe ligen Geiftcs zu gelten hat. Auch die Apoftel find in
geftützt wird; wenn er wiederholt XaXAv mit ,antönen' Einen Ton geftimmt. Völlig einig in der Lehre wollen
überfetzt, fo kann ich das weder deutfeh noch treffend fie nicht betrachtet fein nach dem, was fie etwa an fich
finden. Eingehender find nur feine Erörterungen über felbft fein möchten; vielmehr reden und fchreiben fie
Mrc. 1,15.5 doch ift mir unverftändlich geblieben, für wen als Werkzeuge des in ihnen die Gemeinde belehrenden
eigentlich feine Belehrungen über die Bedeutung (des ] heiligen Gciftes. So verfchliefst fich der Verfaffer den
Perfecta und über den ursprünglichen Sinn von finetrotiv individuellenDiffercnzen, die zwifchen einzelnen Autoren
berechnet find. Sehr böfe ift er, dafs man die Zöllner beftehen, jener Mannigfaltigkeit der Auffaffung, welche
und Sünder gewöhnlich für zwei Menfchenklaffen hält, die Hebungen und Senkungen in der Geiftcsfülle wieder-
obwohl fie doch, abgefehen von dem darüber hart an- fpiegelt. Seiner heiligen Schrift gegenüber kann die
gelaffcnen Cod. D, nur einen Artikel haben. Sehr aus- Arbeit der Kritik kaum noch ein Recht haben. Käme fie
fuhrlich zählt er die verfchiedenen Ausdrucksweifen zur irgendwo zu einem negativen Rcfultate, fo müfstc fie
Bezeichnung der Abficht bei Marcus auf. Auch über den Vorwurf fürchten, von .vorgefahrten Meinungen und
einiges Geographische redet er, vertröftet uns aber doch perfönlichen Gefühlen' (S. 37) geleitet zu fein. Selbft
zuletzt nur auf den ,lilcstinc Exploration l'iindi. Das im Einzelnen fcheint fie der Verf. zu feheuen — wenig-
Einzige, was er fachlich für das Leben Jefu ermittelt zu ftens wird S. 104 f. 1 Joh. 5,7 zu den .Hauptftellen des
haben glaubt, ift, dafs Jefus mit der Synagogenpredigt N. T. für die Trinität' gerechnet. Wie natürlich ift da,
in ganz Galiläa begann und in der Parabel vom Sämann was (S. VI) der Hrsg. erzählt, dafs W. ,mit vielen Thränen
über den Erfolg diefer Reife Rechenfchaft giebt, dafs und blutenden Händen feine Schüler aus dem uner-
ihr die Herbergspredigt, die Uferpredigt, die Ruftical- giebigen (!) Steinbruch der Halle'fchen Academie herauspredigt
, die Wüftcnpredigt u. f. w. folgt und fchliefslich gehauen' hat.

die Bergpredigt auf dem Oelberge. Ob das Neue daran Faft nur Fragmente aus des Verf. exegetifchen Vorwahr
und das Wahre neu, darüber läfst fich fchwer mit lefungen bringt diezweite der genannten Schriften. Wir
einem rechten, der mit feinem bunten Aphorismen- und erhalten hier eine Einleitung in den Hebräerbrief und