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1876 Nr. 13

Spalte:

335-336

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Evangelia apocrypha, adhibitis plurimis codicibus graecis et latinis maximam partem nunc primum consultis atque ineditorum copia insignibus collegit atque recensuit Constantinus de Tischendorf 1876

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 13.

336

Hebr. 7, 26, wo Jefus genannt wird xe%a>QiO[ievos ärrb
tcop aficcQTaXwv'. Wer aber noch nicht nglLsiv und
■/cogi"fi.v, nicht Adjectiv und präpofitionelle Beftimmung,
nicht iv und ef zu untcrfcheiden weifs, der follte doch
nicht zum Erklärer des Römerbriefs fich aufwerfen. Bei
der gegebenen Dispofition ift das Eigenthümliche, dafs
in jedem Haupttheil Erbauung, Ermahnung und Tröftung
unterfchieden wird; doch fo, dafs der Verf. unter erfterer
befonders .Lehrentwicklung und Zeugnifs' verficht, die
dann meift in eine argamentatio e contrario und einen
pofitiven Theil gefchieden wird. Welch' ein durchgreifendes
Einthcilungsprincip das ergiebt, erhellt daraus,
dafs im 1. Theil die Ermahnung durch 5, 1, im zweiten
die Tröftung durch 6, 22. 23 repräfentirt wird. Schliefs-
lich folgt noch ein Verzeichnifs der ATlichen Citate,
eine Erörterung über den Stil des Apoftels, die fich
hauptfächlich in mehr als fchülerhafter Weife über die
Perfonificationen desfelben verbreitet, und der Entwurf
eines epiftolifchen Perikopenfyftems. Wir können aber
durch diefe Beigaben uns nicht veranlafst fehen, unfer
Gefammturtheil über das Schriftchen zu modificiren.

Kiel. B. Weifs.

Evangelia apocrypha, adhibitis plurimis codicibus grae-
cis et latinis maximam partem nunc primum consul-
tis atque ineditorum copia insignibus collegit atque
recensuit Constantinus de Tifchendorf. Editio
altera, ab ipso Tifchendorfio recognita et locupletata.
Lipsiae 1876, Mendelssohn. (XCV, 486 S. gr. 8.)

M..12. —

Mit dem raftlofen Eifer, der ihm in fo feltenem Mafse
eignete, war Tifchendorf fchon feit Jahren bemüht ge-
wefen, neues Material für die Vervollkommnung feiner
Ausgabe der apokryphifchen Evangelien zu fammeln und
zu verarbeiten, und fchon war der Druck der zweiten
Auflage faft bis ans Ende gediehen, als-, vor nun bald
drei Jahren, dem für die theologifche Wiffenfchaft fo
überaus fruchtbaren Wirken des in feinem Fach einzigartigen
Mannes für immer ein Ziel gefetzt ward. So
lag nun der Text in der neuen Geftalt vor, aber die
Prolegomena fehlten. Zwei Wege boten fich dar, diefe
Lücke zu ergänzen. Es konnten die Prolegomena der
erften Ausgabe dadurch der neuen angepafst werden,
dafs gehörigen Orts die durch das neu hinzugekommene
Material bedingten Zufätze eingcfchaltet wurden, oder
es konnte in einem Nachwort zufammenfaffend über die
im Text und Apparat vorgenommenen Aenderungen
Rechenfchaft abgelegt werden. Herr Dr. Friedrich Wil-
brandt, der von der Verlagshandlung dafür gewonnen
wurde, dem Buch einen folchen Abfchlufs zu geben,
entfehied fich für das Letztere. Mit Auslaffung nur
eines dem cod. Drcsd. A 187 (R) entnommenen Vari-
antenverzeichnifses zum Protevangelium Jacobi (S. XXI—
XXIV der erften Ausgabe), von deffen Wiederabdruck
mit Recht abgefehen wurde, da die in Betracht kommenden
Lesarten in den kritifchen Apparat der neuen
Ausgabe verarbeitet find, wurden die Prolegomena zur
erften Ausgabe unverändert beibehalten (S. VII —
LXXXIV-. Daran fchliefst fich eine kurze Pracfatio des
Herausgebers (S. LXXXV—XC) und hieran ein wiederum
der erften Ausgabe entnommenes Inhaltsverzeichnifs der
Prolegomena fowohl als der in dem Buch enthaltenen
Texte (S. XCI-XCV.)

Dafs der Herr FIrsg. auf feine Arbeit viel Zeit und
Mühe verwandt hat, wie er uns S. LXXXV verfichert,
glauben wir ihm um fo lieber, als ihm die Hauptquelle
völlig entgangen ift, aus welcher er fich über das der
vorliegenden Ausgabe dienftbar gemachte neue Material
hätte unterrichten können. Tifchendorf felbft hat darüber
in den Prolegomenen zu der 1866 erfchienenen Ausgabe
der apokryphifchen Apokalypfen S.LI—LXIV (Additamen-

ta ad evangelia apocrypha) ausführlich berichtet; denn
fchon damals befand er fich im Befitz von Collationen
faft aller der Handfchriften, welche in der erften Ausgabe
theils noch gar nicht, theils nur nach den, wie es
fcheint, z. Th. ungenauen Angaben Thilo's verwerthet
waren. Was der Hrsg. auf dem mühfamen Wege einer
Vergleichung beider Ausgaben darüber ermittelt und in
feiner Pracfatio niedergelegt hat, ift hiernach theils zu
ergänzen, theils zu berichtigen. So kam z. B. nicht nur,
wie der Hrsg. bemerkt, dem Evangelium Thomae, sondern
auch dem Protcvangeliumjacobi der Ertrag von Wright's
Contrihntions to the Apocrypha/ Litcraturc of the Nnv

1 Testament zu Statten. Für den Text des Evangelium
Pfeudo-Matthaei wurden , abgefehen von dem cod. E,
welcher unteres Wiffens der einzige ift, über den fich
in den Additamenta keine Notiz findet, beide Parifer
Handfchriften, C und D, von Tifchendorf felbft neu verglichen
. Zu den Acta Pilati A ift aufser der coptifchen
Uebcrfetzung, deren auch der Herausgeber gedenkt, ein
neuer Münchener Codex (1) benützt, aus welchem a. a
O. S. LXI ff. Auszüge mitgctheilt find. Endlich bemerken
wir noch, dafs zum Flvangelium Nicodemi {Acta Pilati
B) cod. B und zur Anaphora Pilati cod. A neu verglichen
zu fein fcheint, und conftatiren, dafs eine durchgreifende
Aenderung des Textes, welche einer völlig

j neuen Recenfion gleichkäme, nur der erfte Theil des
Evangelium Pfeudo-Matthaei (c. I—XXIV) und der Eingang
der lateinifchen Gesta Pilati (S. 333 f.) erfahren hat;
in allen übrigen Stücken treten Textänderungen, fofern
fie nicht rein graphifcher Natur find, entweder nur fpo-
radifch auf oder fehlen ganz (fo im Evangelium in-
fantiae Arabicum, wo fich vielleicht nur in c. XXXV und
c. XXXVI je eine Aenderung findet; ferner im Text der
Gesta Pilati felbft und im lateinifchen Dcscensits Christi
ad inferos). 1

Auf einem Irrthum beruht es, wenn der Herausgeber
S. LXXXVIII bemerkt, der griechifche Text des
Descensus Christi ad inferos (No. XI der erften Ausgabe -
fehle in der neuen. Er findet fich hier an derfelben

| Stelle wie dort (S. 323—332) und wurde nur vom Hrsg.

1 bei Anfertigung des Index überfehen. Ueber letzterem
fcheint überhaupt ein eigenthümlicher Unftern gewaltet
zu haben, der es verfchuldct hat, dafs S. XCIV eine
ganze Reihe von Seitenzahlen angeführt wird, welche

! zwar auf die erfte, nicht aber auf die zweite Auflage
paffen. So ift Z. 3 ftatt LXXII sq. zu lefen LXXIII,

| Z. 5 LXXIV sq. ftatt LXXIII—V u. f. w., Z. 14 LXXVII

| sq. ftatt LXXVI sq. u. f. w., und auch in der Note
S. LV gilt die Verweifung auf pag. 366 der erften
Ausgabe, während in der neuen dafür pag. 387 zu fetzen

i gewefen wäre. Der Abdruck der Prolegomena fcheint
übrigens correct zu fein; S. XXX Z. 24 ift jedoch
saec. XI. ftatt saec. IX. zu lefen.

Ob es in Tifchendorfs Plane lag, auch die neue
Ausgabe, gleich der erften, ohne Iiidices ausgehen zu
laffen, vermögen wir nicht anzugeben. Ein Verzeichnifs
wenigftens der vorkommenden Fügennamen wäre allen
willkommen gewefen, welche das Buch zu benutzen veranlafst
find.

Leipzig. O. Gebhardt.

Patrum apostolicorum opera. Textum ad fidem codicum
et graecorum et latinorum adhibitis praestantissimis
editionibus recensuerunt, commentario exegetico et
historico illustraverunt, apparatu critico, versione la-
tina passim correcta, prolcgomenis, indieibus instru-
xerunt Oscar de Gebhardt, Adolfus Harnack,
Theodorus Zahn. Editio post Dressclianam alteram
tertia. Fascic. I.

A. u. d. T.: Barnabae epistula graece et latine,
Clementis Romaiii epistulae. Recensuerunt at-