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Ausgabe:

1876

Spalte:

281-284

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Prager, J.

Titel/Untertitel:

De veteris testamenti versione syriaca, quam Peschittho vocant, quaestiones criticae. Pars. I 1876

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint . Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HLnrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1. Jahrgang. 27. Mai 1876. N°- 11-

Prager, De veteris testamenti versione syriaca | Chriftiani, Zur Auslegung der Apokalypfe
fNeftle). (Harnack).

,, IT ,, , , , .,... , 1 De Roffi, Insigni scoperle nel Cimitero di
Keil, Handbuch der b.bhfchen Archäologie. Domitilla (Brockhaus).

König, Ptolomäus von Lucca und die Flo-
res chronicorum des Bernardus Guidonis

2. Aufl. (Baudiffm).

Achelis, Die Bergpredigt nach Matthäus und
Lucas (Weifs).

(Tfchackert

K rafft und Crecelius, Beiträge zur Ge-
fchichte des Humanismus (Plitt).

Tollin, Luther und Servet (Pünjer).

Seyler, Materialien 7.u einer Revilion und Reform
des Bekeimtiüfsftandes (Köhler).

Prager. Dr. J., De veteris testamenti versione syriaca,

quam Pefchittho vocant, quaestiones criticae. Pars I.
Göttingen 1875, Dieterich's Verl. (76S.gr. 8.) M. 1.60.

Ift die Pefchittho, die fyrifche Ueberfetzung des
Alten Teftaments jüdifchen oder chriftlichen Urfprungs?
Dies ift die Frage, die in der hier angezeigten Differta-
tion ihre Erledigung finden foll; und fich für jüdifchen
Urfprung entfcheidend, erklärt der Verfaffer am Schlurfe
fehr zuverfichtlich: his rebus oxpositis quaestionem, quam
saepe viri docti pertractarunt, plane absolutam esse spero.
Unfer Urtheil vorausnehmend müffen wir fagen, dafs dies
keineswegs der Fall ift, dafs überhaupt die ganze Abhandlung
(fie fcheint eine ErfUingsarbeit zu fein) beweift,
wie wenig der Verfaffer noch auf dem hier in Betracht
kommenden Gebiete zu Haufe ift. — Die Arbeit zerfällt
in einen allgemeinen, Charakter und Entftehungsart der
ganzen Ueberfetzung und einen befondern, die Pfalmen
behandelnden Abfchnitt. In der kurzen Vorbemerkung
wird mit Recht der Klage Ausdruck gegeben, dafs die
fyrifche Ueberfetzung des A. T. (wie überhaupt die
fyrifche Literatur) bisher vernachläffigt gewefen und wird
der Name Pefchittho, den foviel wir wiffen erft Bar Hebrae
us eingeführt hat, mit Recht als simplex im Unter-
fchied von ,paraphrafirenden Targumen' (beffer Ueber-
fetzungen überhaupt) gedeutet. Die von Fi eld neuerdings
aufgefeilte Erklärung = anlovc, zur Unterfcheidung
von der fyrifch - hexaplarifchen Verfion, wie in einigen
Scholien Handfchriften die nur die LXX enthalten, im
Unterfchied von i&nlä, ctnlä genannt werden, fcheint
uns wenig wahrfcheinlich. Der allgemeine Theil (S. 3—46)
gründet fich hauptfächlich auf die von Perles {Melctcmata
Peschittlwniana, Breslau 1859) fo nachdrücklich aufgehellte
Thefc jüdifchen Urfprungs der Pefchittho und will die
ihm gegenüber gegen jüdifche und für chriftliche Herkunft
geltend gemachten Gründe widerlegen; wir erhalten
aber nicht viel Neues. Was fchon Perles überzeugend
nachgewiefen und worin ihm Jedermann Recht gegeben
hat, ift dies, dafs die jüdifche Halacha und Hagada im
fvri'fchen Pe'ntateuch eine viel gröfsere Ausdehnung hat,
als man bisher anzunehmen geneigt war; nach allgemeiner
Anficht ift aber zur Erklärung diefes Umftands
die Annahme judenchriftlichen Urfprungs oder jüdifchen
Einfluffes auf den chriftlichen Ueberfetzer vollftandig
genügend, und mich wenigftens hat der Verfaffer nicht
überzeugt, dafs dies nicht genüge. Sein Hauptgrund
ift, dafs nicht einmal bei Hieronymus dw tVtS ju-
daica' fo grofs fei wie in der Pefchittho. Warum foll
aber der paläftinifche Einflufs bei einem fyrifchen Judcn-
chriften zumal in fo früher Zeit nicht gröfser gewelen
fein? Und wie grofs er felbft bei Heidenchnften
wiffen wir aus Ephrcm, der oft von ^nZ-."

den Scholien des Jakob von Edeffa, besonders aber aus
den Pfalmenüberfchriften der Pefchittho felbft (f. unten).
Auch die von Nöldeke für chriftlichen Urfprung geltend
gemachten Gründe hat der Verfaffer, wie uns fcheint,
nicht genug gewürdigt, und nicht widerlegt. Wenn
Nöldeke darauf hinwies, dafs die Pefchittho, foviel wir
wiffen, nie von Juden gebraucht fei, hat er natürlich nicht
gemeint, dafs der Name Peschittho im Talmud erwähnt
fein müffe; und die von Prager aus dem Talmud angeführten
Citate eines (oder des) Targum, die nach feiner
Meinung ebenfogut auf Onkelos als Pefchittho gehen können
, gehen sicherlich blofs aufOnkelos, weil an unzähligen
andern Stellen unter Targum unmöglich die Pefchittho gemeint
fein kann u. weil sie im Dialekt des Onkelos und
nicht der Pefchittho citirt find, vgl. in dem von Prager (S. 18)
gegebenen Citat Nu. 29, 1 Pes. )oaiJ Onkel. wNrv und fo
Talm., Lev. 14, 52 Pes. ]a.An ^oio_^,Jo Onk. arvs

und fo Talm., und nicht die Imperfectformen mit :
Wenn die Pefchittho , wie der Verfaffer anzunehmen
fcheint (S. 29 f., der Verfaffer fpricht fich nicht klar
aus), gar in Paläftina (Galiläa, Coelefyrien) entstanden
wäre, dann müfsten wir noch ganz andere Spuren des
urfprünglichen Dialektes im heutigen Texte haben; gar
zu'grofse Umänderungen darf man doch nicht fo ohne
Weiteres annehmen. Aus dem Scholion am Schluffe des
griechifchen Hiob (ovzog tQurjvsvetai ex z?;c ^vgiay.fjg
fiißlov) auf eine im zweiten Jahrhundert vor Chriftu),
vorhanden gewefenc fyrifche Ueberfetzung des A. T.,
oder einzelner Bücher desfelben zu fchliefsen, fcheint
uns zu gewagt, und wir können dem Refultat des Ver-
faffers, dafs bis zum Ende des zweiten oder Anfang des
erften Jahrhunderts vorChriftus derPentateuch undPfalter,
bis zum Ende des erften nachchriftlichen Jahrhunderts
das ganze A. T, von Juden in das Syrifche überfetzt
gewefen und bei ihnen bis ins 3. Jahrhundert, d. h. bis
zur Vollendung des Onkelos'fchen Targums, für den
fynagogalen Liturgicdienft im Gebrauche gewefen und
im Laufe der Zeit allmählich von den Chriften adoptirt
worden fei, nicht beiftimmen, ohne zu verkennen, dafs
dcrfelbe im Einzelnen manches Gute über die gefchicht-
lichcn Verhältnifse, welche zur Entftehung jüdifcher
Ueberfetzungen führten, beigebracht hat.

Noch viel weniger aber können wir den zweiten,
die Pfalmen betreffenden Theil (S.47 —66) für befriedigend
halten, in dem der Verfaffer nicht mehr auf die
Vorarbeiten von Perles gründen kann, und fofort in
grofse Irrthümer verfällt. In unfern gedruckten Ausgaben
findet fich an 9 Stellen mit dem Wort )
ein Abfchnitt bezeichnet; das foll durch die zu Pf. 86,14
nn-n D"tf*5N gemachte talmudifche Bemerkung in««"ipa
P'os?: ,beachte beim Lefen den Pefiq' feine Aufhellung
finden und von der jüdifchen Scheu, Göttliches und

ihrer d. h. der Juden exegetifchen Tradition redet, aus Menfchliches in zu nahe Verbindung zu bringen, herrühren!

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