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Ausgabe:

1876 Nr. 10

Spalte:

270-272

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hundeshagen, Karl Bernh.

Titel/Untertitel:

Hundeshagen’s Ausgewählte kleinere Schriften u. Abhandlungen. Aus seinem handschriftlichen Nachlaß ergänzt u. neu hrsg. v. Thdr. Christlieb. 2 Abtheilungen 1876

Rezensent:

Kähler, Martin

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 10.

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nirgend, weder in öffentlichem noch in privatem Lefitz, i vcrfehen. Sie beginnt mit der 2. Hälfte des X. Bd.'s und
befindet. Solche Vorbereitung und folche Hülfsmittel I ift im XIV. Bde. bis zum Schluffe des Jahres 1553 fortermöglichten
es ihnen, fo Ausgezeichnetes zu leiften und j geführt. Erft wenn fie vollendet fein wird, ift eine ge-
die Herausgabe fo rafch (der erfte Band trägt die Jahres- nügend fichere Grundlage vorhanden für eine neue
zahl 1863) zu fördern. — Die Werke Calvin's zerfielen > Biographie Calvin's, ein durchaus nicht übcrflüffigcs Un-
ihnen in 3 Klaffen, (I) die dogmatifchen, polemifchen und ternehmen. Möchte es den verdienten Herausgebern
auf die Kirchenordnung bezüglichen, (II) die exegetifchen ; (von Bd. XI an wird D. Baum als Bearbeiter nicht mehr
und homiletifchen, (III) den Brieffchatz. Bei der Veröffent- j genannt) vergönnt fein, die grofse Aufgabe, die fie fich
lichung gingen fie von dem Vorgange Bretfchneider's, j geftellt und bisher fo glücklich gelöft haben, ganz zu
der mit den Briefen begonnen hatte, ab, da fie, um vollbringen! Des aufrichtigen Dankes aller Freunde der
hierin etwas möglichft Vollkommenes zu leiften, einer I Reformationsgefchichte dürfen fie fchon jetzt für das
längeren Vorbereitungszeit bedurften. Sie fchickten die Vorliegende fich verfichert halten,
eben als zur I. Klaffe gehörig bezeichneten Schriften Erlangen. Dr. Plitt

vorauf, die nun in diefer Sammlung 9V2 Bände füllen.
Die erften vier Bände find dem Hauptwerke des Genfer
Reformators, der institutio clirisiianae religionis, gewidmet;
I enthält die editio prineeps, und die Ausgaben von
1539—54 in fynoptifcher Zufammcnftellung, II die Ausgabe
von 1559, die letzte von C. felbft beforgte, mit
den noch vorhandenen handfehriftlichen Bemerkungen
des Vfrs. Auch find hierfür die feitdem erfchienenen
Ausgaben verglichen und deren wichtigfte Varianten
beigefügt. Die Texte find mit Genauigkeit nach den
Originaldrucken gegeben und ihnen mit grofser Sorgfalt
gearbeitete gefchichtliche und bibliographifche Einleitungen
voraufgefchickt. In diefen Unterfuchungen ift
z. B. endgültig entfehieden, dafs es eine franzöfifche
Ausgabe von 1535 nie gegeben hat, fondern dafs die
editio prineeps die lateinifchc von 1536 ift. Bd. III und
IV bringen die franzöfifche Ueberfetzung des Werkes
mit ausführlichen in derfelben Sprache gefchriebenen Einleitungen
, die noch einmal die Unterfuchung über die
Priorität des franzöfifchen oder lateinifchen Textes aufnehmen
und fich dann über das Verhältnifs Calvin's zum
franzöfifchen Texte überhaupt in feinen verfchiedenen
Geftalten verbreiten. Die Herausgeber find wohl die
erften gewefen, die den lateinifchen und den franzöfifchen
Text fo zu fagen Wort für Wort verglichen und dadurch
fich ein wirklich begründetes Urthcil über den Werth

Hundeshagen's, Dr. Karl Bernh., Ausgewählte kleinere
Schriften u. Abhandlungen. Aus feinem handfehriftlichen
Nachlafs ergänzt u. neu hrsg. v. Prof. Dr.
Thdr. Chriftlieb. 2 Abtheilungen. Gotha 1874
u. 75, F. A. Perthes. (VIII, 421 u. XVI, 624 S. gr. 8.)
M. 19. —

Der Ref. erachtet bei diefer Sammlung von mehr als
20 Auffätzen nur eine Anzeige, nicht eine genauere Be-
urtheilung am Platze. H. ift in der kirchlichen Welt
bekannt genug; wenn nun der Todtc mit Arbeiten vor
uns erfcheint, die theils fchon öffentlichen Rechtes waren,
theils — die bisher namenlofen und die zwei ungedruckten
— doch ganz feine Eigenart an fich tragen, fo wird
man nicht erft mit ihm rechten. Ueberdem find es lauter
Zeit- und Gelegcnheitsfchriften, denen wohl ausgedehnte
und ftrenge Forfchung zu Grunde liegt, deren Hauptgewicht
indefs auf Zufammenfaffungen und Ueberfichten
behufs der Anwendung fällt — felbft wo die letzte nicht
ausdrücklich gemacht wird. H. fchreibt wohl als Gelehrter
aber nicht für Gelehrte als folche. Wie er in
feinem namenlofen Buche, das dem ,deutfchen Theologen'
fo weit hin einen Namen machte, mitten in die kirchliche
und ftaatliche Bewegung mit einer fchriftftellerifchen That

des letzteren, befonders auch in fprachlicher Rückficht, , hineintrat, fo hat er fortwährend lebendig an derfelben

ermöglicht haben. In den nächften 5'2 Bdd. folgen
dann die tractatus minores in derfelben forgfältigen Bearbeitung
. Unter diefen find manche, die bisher noch
in keine Gefammtausgabe der Werke Calvin's aufgenommen
wurden. So gleich in Bd. V der catechismus s.
christianae religionis institutio genevensis ecclesiae reeepta
von 1538, die erfte lateinifchc Bearbeitung des Genfer

Theil genommen, zumal in der Zeit der gefährlichen
Stauung, die auf die Umwälzung von 48 folgte. In feiner
Betheiligung fpiegeltfich gleichmäfsig fein echt kirchlicher
Charakter wie feine Zeit; und eben fie hat fich zum
guten Theile in diefen Auffätzen vollzogen, am unmittel-
barften in den Beiträgen zu Gelzer's Monatsbl. (Bd. 1,
6. 7. 8. Bd. 2, 6). Ift fomit hier überall Stoff für den

Katechismus, deffen noch frühere franzöfifche Bearbeitung Forfcher über neuefte Gefchichtc, fo findet man nicht

ganz verloren zu fein fcheint. So ebendort Calvin's Be
rieht über das Rcgcnsburger Gefpräch von 1541. Bd. VI
bringt den Genfer Katechismus in feiner fpäteren Ge-
ftalt, den lateinifchen und den franzöfifchen Text neben

minder Zurechtweifung in den Wirren der Gegenwart;
denn fie ift aus jenen Zeiten herausgewachfen und man
meint ihn weisfagen und unfere Tage beurtheilen zu
hören, wenn der gefinnungsvolle Mann, nicht minder an

einander geftellt. Der consensus Tigurinus von 1549 fin- j ftaatlichen als an kirchlichen Dingen betheiligt, mit echt
det fich in Bd. VII, der eons. Genevensis franzöfifch und j chriftl. Sophrofyne über feine Zeit zu feiner Zeit
lateinifch in Bd. VIII. Fibenhier find auch die 30 Briefe j redet. — Mit Recht hat der Herausgeber die Stücke um
Servet's an Calvin, für welche eine Parifer Handfchrift zwei Hauptpunkte gefammelt, auf die fich H.'s Arbeit
neu verglichen werden konnte, und die Akten des Ser- j mit gröfseftem Nachdrucke wandte und die er mit zwei
vetifchen Proceffes mit mehreren Ergänzungen aus den I — in feiner Zeit unerhörten — Stichworten kennzeichnete.
Archiven abgedruckt. Die Streitfchriftcn über das Abend- Unter dem Namen ,Humanitarismus' geifselt er die zuletzt
mahl trifft man zumeift im IX. Bd., während die erfte : und zuhöchft in Deutfchland entwickelte Geiftesrichtung,
Hälfte des X. Bd.'s theils Schriftftücke, die fich auf die welche in ihrer Abwendung vom Chriftenthum, mit
Genfer Kirchenordnung beziehen, ordonnances ecelesia- ihrem Abfehen von allem Gefchichtlichen, mit ihrem
stiques u. f. w., theils consilia über verfchiedene Gegen- ,lafterhaften' Kosmopolitismus in wahnfinniger Selbft-
ftände, darunter manches bisher Ungedruckte, enthält. : genügfamkeit wiffenfehaftlicher und künftlerifcher Arifto-
Auf die Schriften der I. Klaffe folgen die der dritten, kratie das deutfehe Volk in das Widerchriftenthum ge-
der Thesaurus epistolicus Calvinianus. Derfclbe foll nicht trieben hat. Dicfe Gedanken find in der Rectoratsredc
nur alle von Calvin gefchriebenen, fondern auch alle an ,über die Natur und die gefchichtliche Entwicklung
ihn gerichteten Briefe, ja auszugsweife, foweit fie fich der Humanitätsidee' (Bd. 1, 4) meiftcrhaft den Trägern
auf ihn beziehen, auch Briefe und Schriftftücke anderer x jener Strömung nahe gebracht, weshalb fie billig ein Mufter
Zcitp-enoffcn enthalten. Auch dicfe Bricffammlung, für von ,mnerer Miffion auf den Univerfitäten' (t) heifs

en

welche das nöthige Material zu befchaffen, viele Muhe kann, wie er diefe in dem Frankfurter Congrefsvortrage
erforderte, ift mit gröfster Sorgfalt bearbeitet und uberall auffafst; nicht fo reif die Antrittsvorlefung über Apolo-
mit den erforderlichen Anmerkungen und Verweifungen getik (2). Für andere Kreife wurden fie in der Reife-

I