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Ausgabe:

1876 Nr. 9

Spalte:

238-241

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kraus, Franz Xaver

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der Kirchengeschichte f. Studirende. 3 Thle 1876

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 9.

238

Text anzugeben, ohne Schaden verkürzen. Schon dafs Prolegomena einige Male Zeilen, welche in No. I weiter, als fein follte,

dabei auf den Unterfchied der dritten Stephanifchen ! »useinanderft»den, zuft—ngerückt find. 1

. n T-i • u t>,;,-1 r.„Ut „ 2^ vg'- dcn Hamburgifchen Correfpondenten 1862, No. 162.

von der crlten JMzcvirausgaDe ivuciuicni genommen j 3) Hierher ift auch wohl die Schreibart ^Vftv zu rechnen, welche

wird, ift für den Zweck unferer Ausgaben unnöthlg; es , fich Act. 14,22 (nicht Gal. 3,10) in allen drei Ausgaben findet, was

gefchieht das Wohl nur deshalb, weil Tifchendorf die j nach der Angabe der Variante kein Druckfehler fein kann; nach ihrer

Ansicht früherer Gelehrten, dafs diefe Ausgaben von Behauptung durch N* B ift wohl zu vermuthen, dafs Tifchendorf fie

Stephanus und den Elzeviren nur an wenigen Stellen r£a11 !'ftlhT." " {™ ^

auseinander gingen (Mill kannte nur 12) dadurch be- ' 4) Dafs die Abweichung vom Texte der ed. VIII. mai. nicht zurichtigte
, dafs er anfänglich H5, zuletzt ungefähr 150 fällig fei, ift auch bei einigen der andern genannten Stellen aus den Va-

folcher Stellen entdeckt hatte 6), und nun diefe Ent- riantenangaben zu fehen.

deckung leicht verwerthen kann. Ueberhaupt ift nicht | „ „5) t"^^^
recht einzufehen, warum gerade die erlte Elzevirausgabe
für den textus reeeptus der Vergleichung zu Grunde gelegt
wird; dafs eine beftimmte der zahreichen textus-reeep-
Ausgaben, um fie einmal fo zu nennen, zur Vergleichung
zu Grunde gelegt wird, ift ja freilich wün-
fchenswerth; follte es eine der Elzevirifchen fein, fo
könnte etwa billig fcheinen, die letzte zu nehmen, in Kraus, Prof. Dr. F. X., Lehrbuch der Kirchengeschichte f.
der die immerhin geringe Arbeit der Gelehrten, welche Studirende. 3 Thle. Trier 1872—75, Lintz. (XXVI,

die Textgeftaltung für die Elzevire beforgten, zu einem _0, g „r 3 M. o _■

wenigftens äufserlichen Abfchlufs gekommen ift; oder '
die zweite, die fich felbft mit dem Namen des textus rc-
ceptus fchmückt und diefe Bezeichnung aufgebracht hat,
oder eine Ausgabe Beza's könnte z. B. gewählt werden,
da Beza eigentlich der Urheber diefer ganzen Textge-
ftalt ift, wie Reufs ein für allemal bewiefen hat; kurz,
für die Elzevirausgabe von 1624 fpricht gar kein zwin

p. 174. Bleek, Einl. ins A. T. I. Ausg. p. 809. De Wette-Schrader,
Einl. ins A. T. p. 217.

6) Vgl. Tifchendorf in feiner Ausg. Leipzig 1841 pag. LXII. sq.
Prolegomena zur ed. VII. mai. p. LXXXV. — 1841 urtheilte Tifchendorf
(1. L p. LX.) ,redeundo ad frimam (sc. editionem Elzevhianam)
anni 1624 quid proficiatur non video.'

Im vorigen Jahre ift dies Lehrbuch des römifch-ka-
tholifchen Kirchenhiftorikers, deffen erfter Band 1872
erfchien, vollendet worden. Der fchon durch mehrere
monographifchc Arbeiten bekannte Verfaffer gehört einer
ein wenig freieren Richtung innerhalb der Theologie
feiner Kirche an. Er unterfcheidet felbft ,die grofse
gender Grund. Wird diefe aber gewählt, fo möge man j hiftorifche Schule, der im allgemeinen jetzt faft alle wiffen-
fich an ihr genügen laffen, dann aber ihre Lesarten auch j fchaftlichen Vertreter der kirchengefchichtlichen und ar-
richtig angeben, was auch in unfern Ausgaben wenig- [ chäologifchen Forfchung unter den Katholiken angehören',

ftens nicht immer gefchieht, z. B. Mc. 8,24 nicht, an
welcher Stelle Elzevir 1624 ganz wie Tifchendorf lieft
und die angegebene Variante die Lesart von Elzevir
1633 ift, wie auch die ed. VIII. mai. richtig angiebt, aber
in unfern Ausgaben an dieler Stelle nicht gefagt wird.
An einigen Stellen ift nicht zu fehen, auf welches Wort
im Texte fich die Variante bezieht; fo bei ov Mt. 12,18
in allen drei Ausgaben und bei /ist ccvtwv Apoc. 21,3 in
No. 1, weil diefe Worte im Texte zweimal vorkommen.
Verfehen geringerer Art wären wenigftens auch bei einer
Revifion zu beachten ; fo fehlt z. B. in No. 1 bei Mt.
8,4 die Versangabe, Mt. 12,46 fteht 61 ftatt de, und ähnliches
mehr. — Zu Mc. 8,18 bemerken Nr. 2 und 3 die
Interpunction Wetftein's! —

Die Reihenfolge der Bücher ift in No. 1 die in
deutfchenBibeln übliche, nur dafs der Hebräerbrief gleich
auf die Paulinen folgt und dann die Briefe von Jakobus,
Petrus, Johannes und Judas kommen. In No. 2 und 3
ift die Ordnung der älteften Codices beibehalten; auf die
Acta folgen die katholifchen Briefe in der eben genannten
Weife, dann die Paulinen, bei denen der Hebräerbrief
zwi fehen den Thcffalonichern und den Paftoralbriefcn
fteht.

Faffen wir nun das Refultat des Gefagtcn in der
Hauptfache zufammen, fo ift es diefes, dafs der Text,
den nach Tifchendorf's Intentionen die editio VIII. cri-
tica maior bringen follte, bisher weder in diefer, (noch
auch in der erft halb erschienen editio VIII minor), noch
auch in einem unferer drei Abdrücke wirklich genau
vorliegt; diefer Text ift vielmehr bisher noch nicht völlig
correct gedruckt. Am nächften kommt ihm unfere Ausgabe
No. 2. Dafs abgefehen von den genannten immerhin
höchft vereinzelten Fällen jede diefer Ausgaben
ihrem Zwecke genügt, braucht nach dem im ganzen
über fie Bemerkten wohl nicht noch befonders gefagt zu
werden ; für einen Neudruck einer jeden von ihnen möchte
aber doch eine bis ins kleinfte hinein genaue Revifion
zu empfehlen fein.

Hamburg. Carl Bertheau.

1) Wenigftens ift das wohl ficher daraus zu fchliefsen, dafs alle
von uns in No. I wahrgenommenen Verfehen (und fogar auch die Anmerkung
auf Seite XXIII) auch in No. 4 fich finden; der einzige Unterfchied
zwifchen beiden Ausgaben ift u. W. der, dafs in No. 4 in den

und die neufcholaftifche Theologie, die von der Ueber-
zeugung ausgehe, ,dafs die Wiffenfchaft nur dann gefunden
könne, wenn man aus dem Tode der neuern negativen
Syfteme und ihren endlofen Widerfprüchen fich
zurückrette in die kirchliche Vorzeit, in die Theologie
und Philofophie der grofsen Scholaftiker, insbefondere
des h. Thomas'. Von gcfchichtlichcr Unbefangenheit
des Zöglings der hiftorifchen Schule ift dann aber nicht
fo gar viel zu vermerken und insbefondere vermifst man
die klare und charaktervolle Ausfprache in Bezug auf
die grofse Spaltung, welche gegenwärtig die katholifche
Kirche Deutfchlands und vornehmlich ihre Theologie
durchzieht. Wo man folche erwarten darf, wird man
meiftens mit Redensarten und Unbeftimmtheiten abge-
fpeift.

Was die äufsere Anlage des Lehrbuchs betrifft, fo
hat Kraus fich dasjenige von Kurtz, welches ,in feiner
praktifchen Anlage unübertroffen' fei, zum Mufter genommen
. Den ganzen Stoff zerlegt er in die drei ,Zeiträume':
Alterthum (das Chriftcnthum im Umfange der antiken
Bildungsform), Mittelalter (das Chriftenthum im Umfange
der germanifch-mittelalterlichcn Bildung), Neuzeit
(das Chriftenthum gegenüber und im Umfange der modernen
Bildung). Die Unterabtheilung bilden zehn Perioden
'. Dies könnte man fich allenfalls noch gefallen
laffen, obwohl es fchon als befremdlich erfcheinen mufs,
dafs der Verfaffer den Eintheilungsgrund für die Ge-
fchichte der chriftlichen Kirche fo ganz von etwas Aufser-
kirchlichem hernimmt. Dann aber bringt er im Vorwort
zum 2. Bande eine Neuerung, von der er feft überzeugt
ift, dafs fie ,fchlicfslich vor einer gefunden Kritik beliehen'
werde. Er will nämlich die Neuzeit nicht mit 1517, fondern
mit 1453 '• beginnen. ,Niemand beftreitet heute,
dafs Humanismus und Renaiffance fammt den grofsen
Erfindungen des ausgehenden 15. Jahrhunderts im eigentlichen
Sinne Charaktcriftika der modernen Bildung
find: fie gehören demnach der Neuzeit an und es folgt
daraus, dafs das Mittelalter in der Mitte des ^.Jahrhunderts
und nicht erft mit dem Beginne der deutfehen Reformation
abfchlicfst'. — Ich mufs bekennen, dafs ich den
Herrn Verfaffer um jene Ueberzeugung bedaure, denn er
wird ganz gewifs jene Hoffnung nicht in Erfüllung gehen
fehen. Der Feftftcllung eines Jahres oder Tages für denBe-