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Ausgabe:

1876 Nr. 9

Spalte:

225-228

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kayser, Aug.

Titel/Untertitel:

Das vorexilische Buch der Urgeschichte Israels u. seine Erweiterungen. Ein Beitrag zur Pentateuchkritik 1876

Rezensent:

Diestel, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J, C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1. Jahrgang. 29. April 1876. N°- 9.

Kayfer, Das vorexilifcheBuch der Urgefchichte j Kraus, Lehrbuch der Kirchengefchichte (Plitt.) , Luther's Tiichreden in Auswahl für das

Ifraels (Dieftel). . .. I Preger, Beiträge zur Gefchichte der Waldefier. I „ deutfche Volk (Plitt).

Bunfen, Biblifche Gleichzeitigkeiten (Kamp- °m Jvlittelalter (Herzog), i Vald^s, Göttliche Betrachtungen, überf. von

häufen). | T , . „ ,.',..„ , Anger (Plitt).

Prutz, Aus Phönizien (Furrer). ; Plltt' Jodokus Trntfetter (Moller). Sohnl) Das Rechtler Ehefchiiersung (Zoepffel).

Novum Teftamentum ed. Tifchendorf (Ber- j Köhler, Luther's Leben dargeflellt in feinen Vilmar, Predigten und geiftliche Reden (Lin-

theau). Reifen (Plitt). denberg).

Kayser, Prof. Aug., Das vorexilische Buch der Urgeschichte doch der erftere, wie ein Vergleich mit Noah zeigt, die
Israels U. feine Erweiterungen. Ein Beitrag zur Penta- Anrufung Jahve's erft bei Abram beginnen läfst? Hätte

. teuchkritik. Strafsburg 1874, Schmidt. (VI, 198 S. gr. 8.) ™G%n- 5> 29 die höchft anfprechende Anficht

M . Böhmer s fcharier ins Auge gefafst, fo wäre er kaum auf

4- die unwahrfcheinliche Vcrmuthung gekommen, dafs auch

Seitdem die Graf'fche Hypothefe die pentatcuchifche der Jahvift eine Genealogie der Scthiten gehabt habe und
Kritik in Elufs gebracht hat, kann jede Unterfuchung von dafs die fo fehr eigenthümliche Bezeichnung Toledoth
Seiten der Wiffenfchaft auf dankbare Anerkennung zäh- auch jahviftifch fein könne. Ift fie aber elohiflifch, fo
len, welche nach irgend einer Seite hin ruhig, tendenz- fteckt auch in der Völkertafel ein gutes Stück Grundlos
und fcharffinnig die Erfcheinungen prüft und aus ihnen ' fchrift und das litcs in 18, das etwas jahviftifch klingt,
auf die literarifche Vorgefchichte Schlüffe zu ziehen fucht. ; wiegt zu wenig gegenüber dem ächt elohiftifchen -ntn
Uer vorliegenden Unterfuchung find diefe Eigenfchaften | V. 5. 32. Dafs -uv nur als Qal gedacht fei, ift noch
in hohem Grade zuzuerkennen. Bekanntlich hatte Graf ' fehr die Frage, da wir uns die ältefte Schreibweife als
nur in flüchtigen Umriffen das Bild feiner Hypothefe zeich- 1 ftreng defectiv zu denken haben, wie die älteren Monu-
nen können, wie es fich ihm, im Anfchlufs an die von ( mente zeigen. Die Uebereinftimmung mit Sem's Genea-
Riehm gezogenen Folgerungen, ergeben hatte. Nach ! logie ii, 10 ff. erftreckt fich auf wenige Glieder; eine
demfelben mufste die ganze elohiftifche Quelle, die fog. folche Wiederholung unter wefentlich andern Gefichts-
Grundfchrift, als fpäteftcr Niedcrfchlag der pentateuchi- : punkten ift in der Grundfchrift nicht unmöglich. Auch
fcl^n GeftOHchtsfchreibung gefafst werden. Dabei konnte [ die Lifte 46, 8—27 rührt fehwerlich vom .Sammler' her.
neu*- fragen, ob diefe priefterlichen Stücke dem letzten In Exod. 24 bemerkt er richtig zwei verfchiedene Be-
Ergfkfzer zuzuTchreiben oder einem felbftändigen Werke 1 richte. Indefs ift ihm die eigenthümliche Doppelheit nicht
entnommen • feien. Unfer Verfaffer entwickelt daher im I aufgefallen, dafs Mofcs die Worte Jahve's zuerft münd-
erfte»'TT)cftr£ein literarhiftorifches Bild von den Quellen 1 lieh verkündet und das Volk darauf verpflichtet und fie
des letzten fjiaskeuaften, den er, wohl weniger zutref- • dann in ein Buch schreibt, von neuem vorlieft und die
fend, durchweg ,Sammler' nennt, obgleich er ihm eine Verpflichtung wiederholt.

fehr bedeutfame Redactionsthätigkeit zufchreibt. Im Gan- Sehr fein und intereffant ift feine Analyfe von Levit.

zen und Grofsen kann man diefes Bild als wefentlich treu 17—26. Hier ermittelt er ein befonderes älteres Gefetzbezeichnen
. Die Hauptfragen find die: hat der Jahvift (der j buch^ Wegen der umfangreichen Bezüge zwifchen ihm
Verf. der prophetifchen Quelle) unabhängig und ohne und Ezechiel fchreibt er die Abfaffung dem letzteren zu,
jede Kenntnifs der fog. Grundfchrift gefchrieben? und 1 im wefentlichen Einklänge mit Graf. Abgefehen von
hat er das Werk des jüngeren Elohiften', das von Dill- ' diefer Folgerung wird fich die Thatfache, dafs eine folche
mann mit Recht ,das ifraelitifchc Erzählungsbuch' ge- Ueberarbeitung ftattgefunden habe, meines Erachtens
nannt wird, erweitert und in fich aufgenommen, fo dafs J immer ficherer herausftellen; fchon die Unausführbarkeit
es den eigentlichen fachlichen Grundftock feines Buches j von Lev. 17 in fpäterer Zeit (worauf Bleek bekanntlich
bildete? Mit vollem Rechte bejaht Kayfer diefe Fragen, j fchon 1822 zu Gunften der mofaifchen Abkunft ftarken
wie dies auch dem Ref. längft feftgeftanden hat. Gerne j Nachdruck legte) führt darauf hin, dafs die Formeln ,am

hätten wir gefehen, dafs der Verf., vielleicht hie und da
abkürzend, wo es fich um Zugeftandenes handelte, auf
die Gründe Schrader's, nach dem der Jahvift der Ergänzer
der Grundfchrift fein foll, näher eingegangen wäre. Einen

Eingange der Stiftshütte' nur die elohiftifche Lokalfarbe
tragen, die dem Gefetze urfprünglich fremd war. Nach
dem Verf. Banden auch Capp. 18—20. 26 urfprünglich
nicht beim Elohiften und find vom Sammler eingefügt,

wefentlichen Fortfehritt hätten wir auch darin gefehen, I der in Cap. 17 zwei Berichte vereinigte (S. 69).
wenn der Verf. das Bild der ephraimitischen Quelle (jün- J Der Schwerpunkt der Unterfuchung ruht indefs im
gerer Elohifp nach ihren Eigenthümlichkeiten und nach 1 zweiten Theile, der das Zeitalter der Urkunden zu be-
ihrem wahrfcheinlichen Umfange, die Vorarbeiten Böh- , Bimmen fucht. Als feften Ausgangspunkt nimmt er
mer's näher beftimmend, weiter ausgeführt hätte. Ueber- hier das Zeitalter des Deuteronomiums im 7. Jahrhundert,
haupt liebt der Verfaffer mehr die analytifche als die , wobei er kurz die Hauptgegengründe Kleinert's berück-
fynthetifche Darftellung. — Hinfichtlich der Sonderung | fichtigt. Hier fucht er nachzuweifen, dafs der Deuteroder
Quellen können wir dem Verf. in folchem Unifange : nomiker lediglich die jahviftifche Bearbeitung der Urge-
beiftimmen, dafs unfere Abweichung von feinem Urtheile fchichte Israels benutzt und gekannt hat. Zunächft in
nur peripherifcher Natur ift und fich faft durchweg auf gefchichtlicher Beziehung. Ohne es zu wiffen, berührt er
den Grenzgebieten bewegt, die felbftvcrftändlich dispu- fich hier mit W. H. Kofters, de historie-beschomving van
tabeln Charakter tragen. Warum foll z. B. Gen. 4, 25. 26 den deuteronomist (Leiden 1868), der gleichfalls diefelbe
dem Jahviften und nicht dem Redactor zukommen, da Ihefe in nahezu überzeugender Art bewiefen hatte. (Ueber-

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