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Ausgabe:

September/1998

Spalte:

847 f

Kategorie:

Altes Testament

Autor/Hrsg.:

Jonker, Louis C.

Titel/Untertitel:

Exclusivity and Variety. Perspectives on Multidimensional Exegesis.

Verlag:

Kampen: Kok Pharos 1996. 408 S. gr.8 = Constributions to Biblical Exegesis and Theology, 19. Kart. hfl. 69,90. ISBN 90-390-0143- X.

Rezensent:

Thomas Söding

Louis C. Jonker, lecturer an der Abteilung für Altes Testament in Stellenbosch (Südafrika), widmet sein alttestamentliches Methodenbuch der Frage nach einer Integration "alter" und "neuer", diachronischer und synchronischer, "historisch-kritischer" und literaturwissenschaftlicher Methoden. Als Beispieltext für die paradigmatische Anwendung dient Ri 13-16.

Kapitel 1 (13-79) führt in die Methoden-Diskussion ein, indem zunächst die Spannung zwischen der experimentellen Vielzahl methodischer Ansätze und der Forderung wissenschaftlicher Stringenz der Schriftauslegung aufgezeigt wird und dann verschiedene Konzepte (aus dem deutschen, französischen und v. a. englischen Sprachraum) vorgestellt werden, die sich um eine "multidimensionale" und "integrative" Methodik bemühen (Leon-Dufour, Patte, Lategan u. a.). Kapitel 2 (81-184) stellt in enger Anlehnung an das Methodenbuch von Georg Fohrer und seinen Schülern (51989) die diachrone Methode vor (Textkritik, Literarkritik, Sprachliche Analyse, Überlieferungskritik, Kompositions- und Redaktionskritik, Zeit- und Verfasserfrage, Interpretation) und wendet sie fachgerecht auf Ri 13-16 an. Kapitel 3 (185-267) stellt die synchronische Methode in Einschränkung auf die narrative Analyse vor, erarbeitet sich im Dialog mit Robert Alter, Adele Berlin und Meir Sterberg ein eigenes Analyse-Instrument und nimmt es dann wiederum bei Ri 13-16 in Gebrauch (Zeit-Struktur, Plot, Erzähler- und Leserolle, Point of View, Charaktere). Kapitel 4 (269-333) führt die methodischen Linien zusammen. Bestimmt von einem Verständnis des Alten Testaments, das dessen literarische Gestalt mit seinem theologischen Anspruch zusammenschaut, plädiert der Vf. für eine Integration historisch-kritischer und narrativer Exegese, für die Komplementarität synchronischer und diachronischer Methoden sowie für die Berücksichtigung der intentio auctoris wie der receptio lectoris. Allerdings gibt der Vf. abschließend zu erkennen, daß er weniger ein Konzept integrativer Exegese (sei es unter "historisch-kritischem", sei es unter literaturwissenschaftlichem Vorzeichen) favorisiert als ein Modell ",multidimensionaler’ Exegese", das jeweils nach dem Untersuchungstext und der Fragestellung zwischen synchronischer oder diachronischer, autor- oder leserzentrierter Exegese differenziert. Verschiedene Anhänge und ein Literaturverzeichnis runden den Band ab.

Für das deutsche Publikum ist der Band nicht zuletzt deshalb attraktiv, weil der Vf. die deutschsprachige Literatur z. T. kennt (freilich eher evangelische als katholische Titel), gleichzeitig gute Einblicke in die anglophone Exegese erlaubt, nicht zuletzt in die interessanten Entwicklungen in Südafrika. Der Grundzug, daß "alte" und "neue" Methoden nicht nebeneinander stehen, sondern miteinander verbunden werden, ist zukunftsweisend. Daß dies nicht unter dem Diktat "historisch-kritischer", diachronischer oder literaturwissenschaftlicher, synchronischer Methodologien geschehen kann, leuchtet ein. Allerdings stellen sich die Aufgaben einer "integrativen" Zusammenführung und wechselseitige Befruchtung der exegetischen Aufgabe auch dann, wenn man nicht ohne Recht "multidimensional" verschiedene Blickrichtungen und Arbeitsweisen unterscheidet. Den Neutestamentler dürfte interessieren, daß auch jenseits des canonical approach die Bedeutung der Synchronie in der Exegese des Alten Testaments zunimmt.