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Ausgabe:

September/1996

Spalte:

896

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Jongeneel, Jan A. B.

Titel/Untertitel:

Philosophy, Science and Theology of Mission in the 19th and 20th Centuries. A Missiological Encyclopedia. Part I: The Philosophy and Science of Mission.

Verlag:

Frankfurt-Berlin-Bern-New York-Paris-Wien: Lang 1995. XXXIII, 403 S. 8o = Studien zur interkulturellen Geschichte des Christentums, 92. Kart. DM 89,-. ISBN 3-631-48312-0.

Rezensent:

Klauspeter Blaser

Dieses Buch, das sich würdig in Werke holländischer Gelehrter des Fachs einreiht, will ein Handbuch der Missionswissenschaft sein, nicht ein Handbuch der Mission. Es beabsichtigt, zusammenfassende Informationen über die philosophische, empirische und theologische Erforschung der Mission(en) zu liefern. Dazu wählt J. die Form einer Enzyklopädie.

Neben der Einleitungswissenschaft, die sich mit Namen, Be-griffen, Methoden und Zweigdisziplinen innerhalb der Mission Studies befaßt, geht es um deren Geschichte und Platz innerhalb der Theologie und ihrer Hilfsdisziplinen. Jeder Unterabschnitt, eingeleitet durch eine knappe Zusammenfassung der Forschung, enthält ein möglichst vollständiges Literaturverzeichnis zum entsprechenden Stichwort. Die Verarbeitung der Literatur ist entsprechend eindrucksvoll.

Nun ist ein derartiges Werk zwar nützlich und wird der Missionswissenschaft zweifellos gute Dienste leisten. Wie jedes Nachschlagewerk bietet es aber keine sonderlich spannende Lektüre. Dennoch gibt es Punkte, die aufhorchen lassen. Z. B. plädiert J. für die Entwicklung einer Disziplin "Missionsphilosophie" und bedauert, daß davon in den einschlägigen Handbüchern zumeist nichts steht. Im angelsächsischen Bereich ist damit die Missionstheorie gemeint.

J. selber definiert sie so: "the philosophy which reflects upon mission as a phenomenon" (objective genetive; 74); sie befindet sich s. E. in der Nähe der Religionsphilosophie. Ebenso gibt es Rubriken zum ästhetischen Wert, der Lingustik und der Philologie der christlichen Mission. Interessant sind auch die insgesamt zehn Zweige der empirischen Missionswissenschaft: Lingustik, Geschichte, Geographie, Statistik, Ethnologie und Kulturanthropologie, Soziologie, Recht, Ökonomie, Psychologie, Pädagogik (205), die der Autor in der zweiten Hälfte seines Werks systematisch bearbeitet. Was die Missionstheologie betrifft, so umfaßt sie gemäß J. einerseits relevante biblische Begriffe und Textkomplexe, andererseits die kirchlich-konfessionellen Missionstheologien (auch die pfingstlerisch-charismatische fehlt nicht), schließlich eine corporate theology of mission (Orden, Missionsgesellschaften) und die jeweiligen individuellen Anschauungen der Missionstheologen, Missionare und Missionswissenschaftler. Die Zusammenarbeit der Missiologen mit den Religiologen aller Art legt sich nach J. nahe, weil philosophische, empirische und theologische Forschung miteinander und untereinander verbunden sind.

Der handbuchartige Charakter des Bandes bringt es mit sich, daß die Abschnitte mittels Dezimalklassifikation geordnet, kurz sind, zuweilen zu kurz. Man verliert bald einmal den Überblick vor lauter Komplexität.

Bei allem Respekt vor der wissenschaftlichen Leistung hätte ich doch zuweilen gerne auch mehr von J.s eigenen Ansichten oder Konklusionen vernommen. Sie kommen meist erst in den Zusammenfassungen zum Vorschein, aber dort wirken seine statements zuweilen etwas oberflächlich, z. B: "The relation between the theology of mission and the theology of religion is still one of the most disputed questions in the theology of misson. Liberals have brought about the emancipation of the theology of religion, but conservatives can accept the theology of religion as the horizon of the theology as well. A profound Christian theology is certainly not a danger; it is, rather, a great blessing to the theology of mission" (170 f.).