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Ausgabe:

Mai/2016

Spalte:

574

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Oelke, Heinrich Julius

Titel/Untertitel:

Als Missionar in Ostafrika. Erinnerungen aus den Jahren 1905–1959. Hrsg. u. eingel. v. U. van der Heyden.

Verlag:

Bremen: Edition Falkenberg 2014. 108 S. = Cognoscere Historias, 22. Geb. EUR 22,90. ISBN 978-3-95494-050-9.

Rezensent:

Heinrich Balz

Von großen deutschen Ostafrikamissionaren der ersten Hälfte des 20. Jh.s sind am ehesten die in der allgemeinen Erinnerung geblieben, die sich umfassende Gedanken über afrikanisches Volkstum, urtümliche Bindungen und ihnen entsprechenden Gemeindeaufbau aus dem Evangelium machten – so insbesondere Bruno Gutmann (1876–1966), der jüngst als »heiliger Bruno« durch seinen journalistischen Urenkel T. Prüfer ironisch, aber nicht respektlos zu neuer Bekanntheit gebracht wurde. Sich mit ihm zu befassen, ist allgemein betrachtet gut für deutsche Leser. Doch für die Missionsgeschichte, das heißt für die Anfänge und das Werden der heutigen evangelisch-lutherischen Kirche, müssen unbekanntere Ge­stalten im ehemals deutschen Ostafrika gehört und auf die kleinteilige praktische Arbeit der Mission, auf ihren Alltag sozusagen, und auf ihre dramatischen Unterbrechungen durch die beiden Weltkriege befragt werden. Ein solcher Zeuge ist Heinrich Julius Oelke (1879–1961), dessen Erinnerungen Ulrich van der Heyden neu herausgegeben hat.
Die Erinnerungen beginnen mit der Ordination und Aussendung des 26-Jährigen durch die Berliner Mission 1905, der ersten langen Seereise und der Ankunft in der Missionsstation Kidugala. In die Zeit seiner sprachlichen Vorbereitung fallen der Madji-Madji-Aufstand und seine von Oelke uneingeschränkt gutgeheißene Niederschlagung durch die deutsche Kolonialtruppe. Die von Oelke 1912 neu eröffnete Station bekommt den Namen »Pommern«. Aber schon zieht der Erste Weltkrieg herauf und damit die Internierung der deutschen Missionare durch die Engländer. Oelke übernimmt im Krieg ihm ungewohnte Verwaltungs- und Verhandlungsaufgaben, die mehr Raum einnehmen als die Sorge um die Afrikaner.
Im Jahr 1919 kehrt Oelke mit Frau und Kindern nach Deutschland zurück. Er übernimmt Erziehungsaufgaben bei den Kaiserswerther Anstalten und weiß sich in »innerer Mission« am Platze. 1931 erfolgt erneut die Ausreise nach Ostafrika, aber in veränderten Verhältnissen: Einheimische Pastoren sind eingerückt in die vormalige Rolle der Missionare und »betätigen sich im Hirtendienst in selbständiger Weise. Es war Saat für die Zukunft. Von dem Dienst der aufrechten schwarzen Brüder im Missionsgebiet kann nur mit großer Dankbarkeit gesprochen werden« (80). Dies ist der weitere Horizont, ansonsten bleibt die Arbeit der weißen Missionare und Oelkes, der zum Superintendenten des Missionsgebiets aufgerückt ist, bis 1940, dem zweiten kriegsbedingten Ende der Arbeit in Afrika, noch die gleiche. Es folgen Jahre des Pfarrdienstes in Schlesien und später in Bayern. Am Ende stehen bis zum Tod 1961 »Jahre der Ruhe und des Schreibens«.
Dies alles wird kühl und ohne Pathos berichtet. Auf dem Einbandfoto sieht man den alten Missionar besinnlich mit kleinen ostafrikanischen Bronzeplastiken beschäftigt; seine Begegnung mit einheimischer Kultur und Kunst dürfte eine größere Rolle für ihn gespielt haben, als die schriftlichen Erinnerungen festhalten. Der Herausgeber hat auf eine Karte des südlichen Tansania und elementare Erläuterung der vielen Ortsnamen des Berichts verzichtet, weil es nur um das »Leben eines interessanten Menschen« geht. Aber gerade dieses Leben hätte durch mehr Bezug auf das lokale Kolorit an Konkretheit gewonnen. Dies nicht zuletzt für die potentiellen Leser, die selber missionarisch-kirchliche oder touristische Erfahrungen in der Region gemacht haben.